Cabane - Grande est la maison

Cabane- Grande est la maison

Cabane
VÖ: 28.02.2020

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Glanz in der Hütte

In seinem Zweitberuf als Fotograf hält Thomas Jean Henri, Mastermind hinter dem multimedial angelegten Projekt Cabane, Eindrücke auf Film und Speicherkarte fest. Mit der Musik wollte er anders walten. Ursprünglich sollte "Grande est la maison" nur entstehen. Zu groß war die Skepsis vor den Mechanismen der Musikindustrie. Abseits des Marktes, in ausgewählten Sessions, sollten Henris Stücke präsentiert und dann wieder mit nach Hause getragen werden als flüchtige Momentaufnahmen, die ausschließlich in der Erinnerung existieren. So ganz vorenthalten konnte uns der Künstler seine Musik aber nicht. Nach einem fünf Jahre langen Arbeitsprozess gibt er sein Debüt via Selbstveröffentlichung doch aus der Hand.

Der Belgier muss also entweder ein gescheiterter Aktionskünstler oder ein ausgemachter Pessimist sein. Seine zeitlose, unaufdringliche, geradezu demütige Musik bekommt von beidem nichts zu spüren. Cabane misst sich mit den Großen der Songwriter-Zunft, durchforstet Flora und Fauna der Folkmusik und bettet die Elemente wohlgewählt in Kammer- und Baroque-Pop-Arrangements. Unter der Feder des The-High-Llamas-Frontmanns und vorübergehenden Stereolab-Mitglieds Sean O'Hagan ist eine facettenreiche Streicher- und Chorbegleitung entstanden, die der melancholischen Grundnote auf "Grande est la maison" ihre Schwere nimmt. Songs wie "Tu ne joueras plus à la l'amour" oder "By the sea" tragen inmitten all der Sehnsucht den schelmischen Gestus eines huthebenden Frank Sinatra in sich, verneigen sich mit Galanterie und grinsen versteckt hinter der Unschuldsmiene.

Will Oldham alias Bonnie 'Prince' Billy und die als This Is The Kit aktive Kate Stables komplettieren die hochkarätige Besetzung und leihen den Stücken ihre Stimmen. Viel besser hätte es Henri im Grunde nicht treffen können. Seine Musik wächst im gegenseitigen Austausch. Die Intimität des Songwriter-Genres verblasst nicht in der einsamen Kammer, sondern gewinnt durch die beteiligten Musikerinnen und Musiker an Nuancen. Henris Stücke pendeln zwischen Abstraktion und Introspektion. Bei der bloßen Seelenschau bleibt er selten. Die zurückhaltende Eleganz der musikalischen Begleitung setzt auf große Momente in Kammeratmosphäre.

Heimelig wie vorm Kaminfeuer schrammt dort und da eine Gitarrenseite, sofern man aufmerksam genug hinhört. Der zwischen Stables und Oldham wechselnde Gesang bewegt sich wie ein fortlaufender Dialog durch wiederkehrende Motive der Heimatsuche, die nicht nur in Titeln wie "Take me home Part I" und "Take me home Part II" greifbar werden. Das schmerzhaft schöne "Sangokaku" ruft dazwischen in Erinnerung, warum man die in Verruf geratene leise Gitarrenmusik irgendwann mal richtig gern hatte. Oldham lässt seine Stimme leicht, aber hörbar brechen und trifft, wo es weh tut. In "Take me home II" haucht er, als würde er Stables, mit der er sich in Teil I das Mikro teilte, Rede und Antwort stehen. Cabanes Stücke stellen Intimität nicht nur aus, sie suchen auch nach ihr. Der Wunsch nach Geborgenheit, der sich in der Sehnsucht nach einem Zufluchtsort äußert, wird zur treibenden Kraft. Wie frisch dem Feenwald entstiegen, flüstert Stables im letzten Song der Platte: "And when the winter comes /let's buy a wooden house / We could go for a walk / Until the summer comes." Thomas Jean Henri wird gewusst haben, warum er sein Projekt Cabane, zu deutsch "Hütte", genannt hat.

(Katharina Bruckschwaiger)

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Highlights

  • Easily we'll see (feat. Kate Stables)
  • Sangokaku (feat. Bonnie 'Prince' Billy & Kate Stables)
  • Take me home Part II (feat. Bonnie 'Prince' Billy)

Tracklist

  1. Tu ne joueras plus à l'amour (feat. Bonnie 'Prince' Billy)
  2. Now, winter comes (feat. Kate Stables)
  3. Easily we'll see (feat. Kate Stables)
  4. Îlot Part II
  5. By the sea (feat. Bonnie 'Prince' Billy & Kate Stables)
  6. Take me home Part I (feat. Bonnie 'Prince' Billy & Kate Stables)
  7. Sangokaku (feat. Bonnie 'Prince' Billy & Kate Stables)
  8. Îlot Part III
  9. Take me home Part II (feat. Bonnie 'Prince' Billy)
  10. Until the summer comes (feat. Kate Stables)

Gesamtspielzeit: 34:57 min.

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Armin

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2020-04-08 20:49:09 Uhr - Newsbeitrag
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