Inwards - Bright serpent

Inwards- Bright serpent

Small Pond / Rough Trade
VÖ: 10.04.2020

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Pluck in baby

Ja, es ist einfach oft schwierig mit so manch elektronischer Musik. Mal ganz abgesehen davon, dass die eigene Komfortzone im Normalfall mit verzerrten Gitarren und einer Menge Krach ausgestattet ist, fällt einem ja doch viel zu oft nicht mehr ein als: Es pluckert, es fiept, es zirpt und surrt. Was natürlich reichlich wenig ist. Und doch lassen sich all die erwähnten Unwörter auf Kristian Shelleys aka Inwards zweites Album "Bright serpent" anwenden. Der hat sich nämlich für sein neues Werk mal eben eine eigene Hütte gebaut, um dort ganz ungestört und in aller Ruhe aufnehmen zu können. Und als Ergebnis gute 45 Minuten feinsäuberlich Sortiertes aus der handgearbeiteten, tendenziell unaufdringlichen Electronica-Abteilung gesammelt.

Der Opener "Skateboarding" braucht dann auch nicht sonderlich lange, um den Namen "Four Tet" am Horizont auftauchen zu lassen. Weil Shelleys Art der Beat-Bastelei ein Stück weit als eine bisweilen einfachere, aber auch fokussiertere Version von Kieran Hebdens Projekt durchgehen könnte. Und weil das nun wirklich nicht die schlechteste Referenz ist, bleibt der Song mitsamt seiner vor kindlicher Unschuld strotzenden Melodie über einen langen Zeitraum im Gedächtnis haften. Ohnehin beherrscht es Shelley hervorragend, seine feingliedrig verästelten Ideen aufzubauen und irgendwo, und sei es ganz versteckt im hintersten Winkel des Songs, noch einen ganz kleinen, zauberhaften Melodieschnörkel anzuhängen. Der einem den finalen Schubser zum Wiederhören gibt. Wenn ein solcher überhaupt nötig.

Anderswo braucht es nämlich derlei Hintersinnigkeiten gar nicht. Man nehme nur das ganz und gar nicht kindliche "As you do", dass seinen schweren Beat hinter ein tief in melancholische Klangfarben getunktes Klavier her schickt, zielsicher um seine Hörer wabert und sie fast sechs Minuten lang aus der Realität entführt. Oder den schwungvollen Titeltrack, der nicht nur neben ein paar Synthies bloß eine zerhackstückelte Stimme braucht, um sich unverzichtbar zu machen, sondern auch aufzeigt, warum es so schwer fällt, Inwards Musik zu fassen. Streng genommen passiert da nicht viel und doch lässt man sich bereitwillig in jede Klanglandschaft fallen, heißt sämtliche Field-Recordings herzlich Willkommen, sagt zur Wirklichkeit "ciao" und richtet den Blick passenderweise nach innen. Am Ende ist "Bright serpent" auf den ersten Blick so unauffällig, dass man es fast zu übersehen droht. Und doch schafft es Raum für ein bisschen Eskapismus ohne Drama und große Gesten. Das schaffen nicht viele.

(Martin Smeets)

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Highlights

  • OK_yes
  • Bright serpent
  • As you do

Tracklist

  1. Skateboarding
  2. Welcome to the gang
  3. OK_yes
  4. Tottertot
  5. Bright serpent
  6. Flowers
  7. 19TET
  8. At height
  9. As you do
  10. Balloon

Gesamtspielzeit: 45:47 min.

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Armin

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2020-04-01 21:13:07 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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