Kazzer - Go for broke

Kazzer- Go for broke

Epic / Sony
VÖ: 04.08.2003

Unsere Bewertung: 4/10

Eure Ø-Bewertung: 4/10

Hals- und Beinbruch

Ein für allemal: Bleichgesichtige HipHop-Kids sind nicht cool. Was The Offspring uns anno dazumal in ihrem "Pretty fly"-Video veranschaulichten, hat auch heute noch seine Gültigkeit. Im Lowrider einen Sonnenbrand riskieren und jederzeit Gefahr laufen, den leuchtend weißen Hintern dank rutschender XXL-Pants der Allgemeinheit zu präsentieren, ist allerhöchstens eins: verdammt lächerlich. Deshalb müßte der gute Kazzer uns aus dem Booklet seiner ersten Platte auch eigentlich gar nicht so fürchterlich kühl entgegenposen. Wir nehmen Dir das eh nicht ab, Kumpel! Laß lieber mal hören, was Du so drauf hast.

"Go for broke" nennt sich die Platte des Mannes, den wir unter der Mütze vermuten. Und der ist solch ein überzeugender White Trash-Hero, daß selbst einem Vorzeige-Proll wie Kid Rock schon mal das Büchsenbier aus der Hand fallen kann. Groß geworden auf der dunklen Seite der Achtziger, bekennender Anhänger dicker Bräuteschlitten und obendrein auch noch Rapper mit ziemlich losem Mundwerk. "If I play my cards right / I'll forever rock the mic". Und mit seiner lässigen Sommer-Single "Pedal to the metal" hat er immerhin ein achtbares Blatt auf der Hand. Der richtige Song, um Papis Familienkutsche mit der Flex zum schnittigen Cabrio umzubauen.

Die Reste von "Go for broke" riechen allerdings ebenso wie dieses Vorhaben nach jeder Menge Ärger. Gemütliches Gitarrengezupfe, smoothe Singalong-Refrains, hier und da ein paar Plattenkratzer. Kazzer macht es sich dazu in der Hängematte bequem und sprechsingt sich einen dicken Doppelknoten in die Zunge. Ehrensache natürlich auch, daß man mal richtig abgeht, wenn ein bekiffter Kumpel über den Verzerrer stolpert. Alles in Ordnung, wirklich. Es hätte trotzdem helfen können, ein paar Songs ranzukarren, die nicht wie ein mäßig motivierter Remix des einen Bringers klingen.

Ganz gleich, ob Kazzer sich durch Stimmungskanonen wie "Puddem up" stottert, oder der Angebeteten in "For you" wortreich erklärt, was für eine verdammt heiße Schnitte sie eigentlich ist: Der Kanadier aus Mirdochegal, Ontario gibt sich dabei stets wendig wie ein 5-Meter-Cadillac ohne Servolenkung. Ein paar ganz entspannte Licks, schnell noch das Schiebedach aufmachen und dann volle Kanne drüberlabern. Was auch wieder so eine Sache ist. Die nimmermüde Quasselstrippe nervt nämlich. Spätestens nach drei Tracks. Dabei rutscht ihr doch sogar die ein oder andere Wahrheit über die Lippen. "Growing up in the eighties really wasn't that bad". Wohl wahr. Schließlich sind die 00er-Jahre auch nicht besser.

(Daniel Gerhardt)

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Highlights

  • Pedal to the metal
  • When it rains it pours

Tracklist

  1. Pedal to the metal
  2. You don't know
  3. For you
  4. Throwin' it down
  5. Puddem up
  6. Locked tight
  7. Dreamin'
  8. Elements
  9. Eighties
  10. No complaints
  11. Test me
  12. Halfway home
  13. When it rains it pours

Gesamtspielzeit: 43:12 min.

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