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Waxahatchee - Saint Cloud

Waxahatchee- Saint Cloud

Merge / Cargo
VÖ: 27.03.2020

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 9/10

Nüchtern betrachtet

Die Vergangenheit soll man ruhen, Reisende ziehen, die Zukunft einfach mal passieren lassen. So viele Regeln! Dabei badet doch jeder gern mal in der Wanne der Erinnerung, denkt an längst aus den Augen verlorene einstige Weggefährten zurück und fragt sich, ob der jeweilige derzeitige beste Kumpel auch in zehn Jahren noch mit im Stall steht, um gemeinsam Pferde zu stehlen. So manche alte Episode des eigenen Lebens mag man dabei auch das eine oder andere Mal überspringen wollen: die Fehler, die man gemacht hat – oder auch jene, die man eben nicht gemacht hat und die womöglich gar keine Fehler gewesen wären. Waxahatchees Katie Crutchfield hat mit "Saint Cloud" glatt ein ganzes Album über dieses melancholische Gefühl aufgenommen.

Es handelt sich dabei nicht nur um ihr fünftes Studiowerk, sondern auch um ihr intimstes. Ist es auch das beste? Eher nicht. Aber spannend ist der Einblick in Crutchfields Seelenleben unbedingt, da sie hier nicht nur ihre unlängst erlangte Nüchternheit mit all ihren neuen Erkenntnissen erörtert, sondern auch den Sprung in die Vergangenheit wagt. Zurück an die Orte, die am schönsten waren und auch an jene, die sie eigentlich nicht mehr besuchen wollte. Vom wackeligen Grenzübergang in der ersten Single "Fire", die gesunderweise die Liebe zu sich selbst erstmal an oberste Stelle setzt, über eine Begegnung der düsteren Art in "Arkadelphia" bis hin zur liebevoll-trotteligen Romanze in "Can't do much": Crutchfield öffnet ihr Herz und ihr Erinnerungsalbum und führt den Hörer höchstpersönlich liebevoll an der Hand von Ort zu Ort.

Gemeinsam mit Produzent Brad Cook (Megafaun, Bon Iver) und der musikalischen Unterstützung von unter anderem Nick Kinsey aus Kevin Morbys Band und Josh Kaufman, der selbst erst mit der Supergroup Bonny Light Horseman den Indie-Folk-Markt überraschte, entstand so ein Album, das zwar nicht immer vollends zu fesseln weiß, aber mindestens den Lauschern schmeichelt. Da trifft der galoppierende Americana-Verschnitt von "War" auf den milde groovenden College-Popper "Hell", sehnt sich "Lilacs" mit Leib und Seele vergebene Chancen zurück, tanzt "Ruby Falls" den Engtanz-Blues mit der besten Freundin. Das berührt mindestens und bringt in unschönen Zeiten auch ein wenig Hoffnung zurück: Wenn Katie Crutchfield mit diesem Album zum ersten Mal klarsieht, blickt sie zweifelsohne in eine großartige Zukunft.

(Jennifer Depner)

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Highlights

  • Can't do much
  • Fire
  • War

Tracklist

  1. Oxbow
  2. Can't do much
  3. Fire
  4. Lilacs
  5. The eye
  6. Hell
  7. Witches
  8. War
  9. Arkadelphia
  10. Ruby Falls
  11. St. Cloud

Gesamtspielzeit: 40:18 min.

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User Beitrag

Unangemeldeter

Postings: 876

Registriert seit 15.06.2014

2022-07-18 14:42:53 Uhr
Das musste ich jetzt kurz nachgucken - und du hast fast recht: es war Platz 2 der besten Alben 2020 bei Pitchfork. Fiona Apple war auf der 1 (hatte bei mir aber eine wesentlich kürzere Halbwertszeit als die Waxahatchee).

Ich hoffe ja, dass sie mal ein gemeinsames Album mit Kevin Morby macht - am Anfang von Corona hatten die beiden ja immer gemeinsame Stream-Konzerte gespielt. Das könnte richtig gut werden.

AliBlaBla

Postings: 2402

Registriert seit 28.06.2020

2022-07-18 11:45:56 Uhr
Ja, eines der besten Alben 2020, ...hatte nicht (ausgerechnet) pitchfork das gehypt (?Album of the year, oder hab ich das geträumt), und das ist ja gar nicht ihr Stamm Terrain.
Großes Ding.

Unangemeldeter

Postings: 876

Registriert seit 15.06.2014

2022-07-18 09:29:24 Uhr
Die Platte hat sich bei mir letztes Jahr im Sommer zu einem absoluten Favoriten entwickelt (nachdem ich sie davor nur so okay fand) und erlebt nun (wieder im Sommer) ein Comeback und ich könnte das Ding täglich hören. Muss deswegen hier mal etwas Liebe dalassen, eine der besten Platten der letzten Jahre für mich und einfach ein perfektes Album. Von vorne bis hinten nur Knallersongs, kein einziger Ausfall und über allem diese wunderbare sommerlich-melancholische Stimmung.
10/10, wüsste nicht, was man daran verbessern könnte.

Alice

Postings: 257

Registriert seit 27.10.2019

2020-04-01 12:56:40 Uhr
Gefällt mir nach dem ersten Hördurchgang gut, tendenziell 7/10, vielleicht geht es noch höher.
Fand ehrlich gesagt schon das letzte Album hier etwas unterbewertet.

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 23506

Registriert seit 08.01.2012

2020-03-17 20:13:18 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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