Kiss - Alive IV: Kiss symphony

Kiss- Alive IV: Kiss symphony

Kiss / Simstan / Sanctuary / Zomba
VÖ: 28.07.2003

Unsere Bewertung: 3/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Kiss my ass

Angesichts jedes neuen Livealbums von Kiss fragt man sich ernsthaft, wer zum Maskenträger die x-te Ausgabe der immer gleichen Songs überhaupt noch braucht. Hatten die Hardrock-Opas nicht schon 2001 ihre endgültige und allerletzte Farewell-Tour hinter sich gebracht? Klang nicht bislang noch jede der "Alive"-Scheiben beinahe minutiös wie der jeweilige Vorgänger? Reicht es nicht, die wirklich gelungene und unerwartet differenzierte Unplugged-Geschichte im Regal stehen zu haben? Doch anläßlich ihres Dreißigjährigen ist den Ledergreisen kein Aufwand zuviel, und so gesellen sie ihrem sorgfältig geschminkten Opus nun auch noch "Alive IV: Kiss symphony" hinzu. Hartwurst und Klassik - wie originell! Und das, was bei den Scorpions und Metallica schon unsäglich auf die Eier ging, taugt auch bei Kiss erwartungsgemäß nur zum Gähnen.

Wie immer grölt sich am Anfang irgendein dreist lügender Marktschreier mit "You wanted the best - you got the best!" die Kehle weg. Wie immer bollert sich der Vierer durch Standards wie "Deuce", "Strutter" oder "Detroit rock city", freilich ohne daß die Songs auch nur halb so zünden wie damals auf Platte. Man kreischt sich so durch, walzt alle Feinheiten einfach nieder und hat nur eines im Sinn: D-I-C-K-E-H-O-S-E. Und mitten drin heult Peter Criss in "Beth" an allen Stimmlagen vorbei. Alles also genau wie immer.

Doch halt, ein wenig Abwechslung gibt's ja dann doch noch. Nachdem sich Gene Simmons und Co. durch ein paar verzichtbarer Standards geklopft haben, trottet das eigens herbeizitierte Melbourne Symphony Ensemble an und tupft ein wenig orchestrales Flair auf Schmalzlachen wie "Forever" oder "Shandi". Und um jeden Subtilitätsverdacht im Keim zu ersticken, stellt man sich für den zweiten Silberling gleich die ganze sechzigköpfige Truppe vom kompetten Orchester zum tonalen Overkill auf die Bühne. Wenn schon Bombast, dann richtig. Wurstegal, ob's paßt oder nicht.

Apropos Wurst: Vielleicht liegt es ja an den längst viel zu engen Lederklamotten, in die sich Simmons zu zwängen hat, daß er speziell die hohen Töne so vollmundig attackiert. Meist unterliegt er. Dafür darf er dann aber all den Streichern und Bläsern beim aussichtslosen Kampf gegen Riffs und Schlagzeug-Donner belauschen. Manchmal glaubt man gar, Lemmy Kilmister beim Krächzen eines Bond-Songs zu hören, bis einem ein völlig vermatschtes "Rock and roll all nite" die Ohren putzt. Just an illusion. "Maybe we are crazy, but that's what makes us Kiss", schwafelt Gene Simmons stattdessen zwischendurch. Wir können ihn beruhigen. Verrückt ist hier niemand. Höchstens der, der noch immer glaubt, Kiss wären so etwas ähnliches wie relevant.

(Oliver Ding)

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Highlights

  • I was made for loving you

Tracklist

  • CD 1
    1. Act one: Deuce
    2. Strutter
    3. Let me go rock & roll
    4. Lick it up
    5. Calling Dr. Love
    6. Psycho circus
    7. Act two: Beth
    8. Forever
    9. Goin' blind
    10. Sure know something
    11. Shandi
  • CD 2
    1. Act three: Detroit rock city
    2. King of the night time world
    3. Do you love me
    4. Shout it out loud
    5. God of thunder
    6. Love gun
    7. Black diamond
    8. Great expectations
    9. I was made for lovin' you
    10. Rock and roll all nite

Gesamtspielzeit: 136:05 min.

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