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Avec - Homesick

Avec- Homesick

Earcandy / Believe / Soulfood
VÖ: 27.03.2020

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Der Chef in Bedrängnis

Wir erinnern uns: Schon bei ihrem Debüt "What if we never forget" hat Avec von einem gewissen Plattentests.de-Chef viel Lob erhalten, im Vorfeld von "Heaven/hell" bezeichnete er sie gar als seine "Lieblingsösterreicherin". Und nun? Keine zwei Jahre später taucht der Name der gebürtigen Vöcklabruckerin als einer von vielen in der redaktionsinternen Rundmail auf, ganz nüchtern und ohne jeden Zusatz. Nur ein formbedingter Zufall oder ist das Feuer der Wertschätzung bereits erloschen? Lirmin Ander (Name v. d. Redaktion geändert) wollte sich nicht dazu äußern und verließ das von Journalisten bedrängte PT-Center durch die Hintertür. Er ahnte es zu diesem Zeitpunkt noch nicht, aber tatsächlich erwies sich seine fehlende Überschwänglichkeit als prophetisch. Avec verdient sich zwar noch lange keine emotionskühle Abrechnung, doch hat sie mit ihrer dritten Platte "Homesick" leider ihr bisher schwächstes Album aufgenommen.

Die wesentlichen Koordinaten ihrer Musik haben sich wenig verändert. Im Mittelpunkt steht noch immer diese spezielle, aber schöne Stimme, die auch dem Liebeskind von Elena Tonra (Daughter) und Nanna Bryndis Hilmarsdóttir (Of Monsters And Men) eigen sein könnte. Dahinter pendeln sich radiofreundliche Indiepop-Miniaturen zwischen jenen Daughter und weniger bedrückenden Acts à la BOY ein. Der Opener "Runaway" gestaltet sich abgesehen vom Spoken-Word-Intro als lupenreine Avec-Blaupause: Reduzierte Strophen mit perlender Gitarre leiten zu einem melancholischen, aber nicht niedergeschlagenem Ohrwurm-Refrain, während der Song immer mehr Zug entwickelt. Die erste Single "Home" vermengt ähnliche Zutaten, öffnet sich aber stärker dem Licht und vermag damit nicht so recht zu begeistern. Generell wirkt "Homesick" im Vergleich zu seinen Vorgängern ein wenig abgeflacht, worauf auch schon die kürzeste Spielzeit bisher hindeutet.

Dass sich wirkungsvolle SongwriterInnen-Kunst nicht mit Mainstream-kompatiblen Formen widerspricht, bewiesen gerade in der vergangenen Dekade diverse Pop-Auteurinnen – nicht zuletzt auch Avecs Vorbild Taylor Swift. Die 25-Jährige selbst zeigt sich weiterhin als formidable Erbin dieser Tradition, etwa im tollen, ans Debüt erinnernden "Dance solo". Trotzdem fehlt es zuweilen an emotionaler wie musikalischer Tiefe, man vermisst Experimente wie das intensive, am Ende fast Post-rockige "Close", welche die etablierten Strukturen aufbrechen. "Way out" kommt mit aufheulender Elektrischer und polternden Drums einem solchen Ausbruch am nächsten, gerät nicht nur deshalb zum besten Song. Auch vor dem fulminanten Finale schneidet Avec hier tief ins Fleisch, erzählt mit simpler, effizienter Sprache von einer liebevollen, aber nicht immer stabilen Elternfigur: "I was so young / Biting my tongue / While you were all drunk / Oh hell, it wasn't easy."

Solche angedeuteten Abgründe bleiben allerdings die Ausnahme. Insgesamt setzt "Homesick" den schon in manchen Momenten von "Heaven/hell" eingeschlagenen Weg Richtung Leichtigkeit und Optimismus fort, samt präsenter Synthies und anderer Achtziger-Einflüsse. Das ist an sich kein Problem, weil Avec auch in Stücken wie dem subtil funkigen "I'll come back" oder "Mona" mit seiner ganz dezenten Jangle-Pop-Gitarre eine gute Figur abgibt. Auch der Abschluss gelingt mit dem Bläser-unterstützen "Heavy on my mind" mehr als versöhnlich, weswegen trotz zwei, drei abfallender Nummern der Daumen unterm Strich nach oben zeigt. Die größte Kritik ist die des Versäumnisses: Avec kann weit mehr als gefälligen, stellenweise berührenden Indiepop, doch sie und ihr Studio-Team machen ein paar Schritte zurück, statt ihre mutigeren Ansätze weiter auszuformulieren. Vielleicht hat es Lirmin doch ein bisschen geahnt.

(Marvin Tyczkowski)

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Highlights

  • Runaway
  • Dance solo
  • Way out

Tracklist

  1. Runaway
  2. I'll come back
  3. Dance solo
  4. With me
  5. Homesick for a day
  6. Way out
  7. Home
  8. Mona
  9. Fire
  10. Heavy on my mind

Gesamtspielzeit: 33:01 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

myx

Postings: 1434

Registriert seit 16.10.2016

2020-04-08 19:46:17 Uhr
"Dead" und "NFYT". Mehr verrate ich aber nicht. ;)

Alice

Postings: 214

Registriert seit 27.10.2019

2020-04-08 19:39:23 Uhr
Sag mal die zwei Songs ;)

myx

Postings: 1434

Registriert seit 16.10.2016

2020-04-08 18:47:50 Uhr
Geht mir auch so mit dem Album, vielleicht mit Ausnahme von "Dance Solo", das mich an das Debüt erinnert.

Avec zählt für mich zu den Künstlerinnen/Bands, wo ich allein mit dem Debütalbum bereits komplett glücklich bin. Schon ihr zweites Album war ziemlich weit entfernt von meiner Jahresbestenliste. Und auch dieses Album packt mich nicht mehr wirklich.

Anders das Debüt. Da hat's für mich sogar zwei 10/10-Songs drauf. Und einer davon hat einen ganz prominenten Platz auf meiner 2010er-Songliste. Ebenfalls ein einfacher, simpler, unscheinbarer Song, aber doch mit einem Text, dass man versteht, warum die Melancholie wie Blei an der Stimme der Österreicherin hängt. Für mich jedes Mal wieder ein ganz besonderer Moment.

Alice

Postings: 214

Registriert seit 27.10.2019

2020-04-08 13:54:06 Uhr
Finde es ganz nett, aber nicht besonders genug um es nochmal hören zu wollen. Alles ziemlich simpel und langweilig. With you klingt total nach Haim, aber dann höre ich doch lieber Haim.

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 18830

Registriert seit 08.01.2012

2020-03-17 20:09:11 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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