Body Count - Carnivore

Body Count- Carnivore

Century Media / Sony
VÖ: 06.03.2020

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Schnauze voll

Wir hatten das ja schon mal: Im Grunde genommen sind Bands wie Body Count total aus der Zeit gefallen. Denn zum einen kräht 2020, 27 Jahre nach dem aufwühlenden Film "Judgment night" und dessen für das Genre bahnbrechendem Soundtrack, wirklich kein Hahn mehr ernsthaft nach der Vereinigung von HipHop und Metal, die man früher "Crossover" nannte. Zum anderen wohnte so mancher Band eine ziemliche Dicke-Hose-Attitüde inne, die in der Rückschau gerne einmal zum Fremdschämen reizt. Body Count waren da etwas anders. Klar, tüchtig herumprollen konnten Ice-T und seine Band auch, aber vor allem gelang es ihnen, auch das Metal-Publikum anzuziehen, das beim Gedanken an Rap bereits einen Reizmagen bekam. Und das so nachhaltig, dass auch eine längere Pause die Amerikaner nicht davon abhielt, 2014 mit "Manslaughter" und 2017 mit "Bloodlust" gutklassige Alben zu veröffentlichen.

Was Ice-T dafür benötigt, ist zunächst einmal eine gehörige Portion Wut im Bauch. Und der lässt der mittlerweile 62 Jahre alte Rapper auf dem neuen Album "Carnivore" freien Lauf. Zuerst jedoch gibt es tüchtig aufs Maul, und zwar rein akustisch. Herrgott, ist der Sound fett – glücklicherweise, ohne im Loudness War zu versinken. Motto: Laut ist es dann, wenn es im Gesicht drückt. Also legt der eröffnende Titeltrack mit einem feisten Hardcore-Riff los, über das Ice-T unverkennbar seine Vocals pöbelt. Und bereits beim folgenden "Point the finger" arbeitet er sich gemeinsam mit Gast-Shouter Riley Gale von den texanischen Thrashern Power Trip an seinem Lieblingsthema Polizeigewalt ab. So weit, so Body Count. "Bum-rush" jedoch lässt den Frontmann mal so richtig eskalieren – geradezu ekstatisch feuert er Breitseiten gegen Präsident Trump ab und bläst zum titelgebenden Sturm auf die Instanzen. Platt, abgedroschen? Na sicher. Aber dank dieser Energie auch mit dem Zeug zum Einpeitscher: "We didn't fall prey to your bullshit lies / Propaganda of twisted minds / We figured out how it's all set up / The object: Keep us all split-up".

Nun wissen wir nicht erst seit gestern, dass an dem Mann, der eigentlich Tracy Lauren Marrow heißt, ein zünftiger Metalhead verlorengegangen ist, der immer wieder mit gelungenen Coverversionen aufhorchen ließ. Doch Motörhead zu interpretieren, ist dann noch mal eine andere Liga. Nicht dass "Ace of spades" filigrane Musikalität erfordern würde – aber hey, es sind eben fuckin' Motörhead, und deshalb geht Ice-T mit eben jener Coverversion ein verdammt hohes Risiko ein. Und versteckt den Klassiker nicht verschämt als Bonustrack, sondern packt ihn mitten in den Albumkontext. Und Überraschung: Das gelingt sogar äußerst respektabel. Genauso übrigens wie der Gasteinsatz der Evanescence-Frontfrau Amy Lee, mit der Ice-T das bittersüße "When I'm gone" zu Ehren des im März 2019 erschossenen Rappers Nipsey Hussle performt.

Eben diese Risikofreude ist es, die "Carnivore" insbesondere von den letzten beiden Platten abhebt. Natürlich kommt zwischendurch immer wieder die alte Body-Count-Schule durch und bergen ein paar Riffs ein eher geringes Überraschungspotenzial, obwohl "Thee critical beatdown" für Bandverhältnisse fast schon progressiv ausfällt. Ansonsten jedoch ist das Songwriting weitestgehend auf den Punkt, lädt zur zünftigen Pit-Rauferei ein. Selbst "Colors 2020" funktioniert als metallisierte Coverversion des Klassikers von Ice-T aus dem Jahr 1988 ganz vorzüglich, obwohl vermutlich in der Wolle gefärbte Gangsta-Rapper das ganz anders sehen. Aber auch andersherum darf man Ice-T mittlerweile gerne als ernstzunehmenden Metaller sehen. Vielleicht mag der Stil von "Carnivore" ein wenig aus der Mode geraten sein – glaubwürdiger als so manche sogenannte Modern-Metal-Band sind Body Count allemal. Und "Carnivore" ist der vehemente Beweis dafür.

(Markus Bellmann)

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Highlights

  • Bum-rush
  • Colors 2020
  • When I'm gone
  • Thee critical beatdown

Tracklist

  1. Carnivore
  2. Point the finger
  3. Bum-rush
  4. Ace of spades
  5. Another level
  6. Colors 2020
  7. No remorse
  8. When I'm gone
  9. Thee critical beatdown
  10. The hate is real
  11. 6 in tha morning (Unreleased demo)
  12. No lives matter (Live in Australia 2017)
  13. Black hoodie (Live in Australia 2017)

Gesamtspielzeit: 48:14 min.

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User Beitrag

Plattenbeau

Postings: 853

Registriert seit 10.02.2014

2020-03-28 10:58:30 Uhr
Holzig.

fuzzmyass

Postings: 1293

Registriert seit 21.08.2019

2020-03-28 00:45:58 Uhr
Hörs grad... macht richtig Spaß, Bum Rush ist killer

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 17234

Registriert seit 08.01.2012

2020-03-10 21:29:37 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

Meinungen?

tjsifi

Postings: 409

Registriert seit 22.09.2015

2020-02-24 14:45:26 Uhr
Bum Rush:
https://youtu.be/vutQj7grdUA

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 17234

Registriert seit 08.01.2012

2019-12-13 20:29:20 Uhr - Newsbeitrag
BODY COUNT Unleash Title Track & Animated Video To “Carnivore” & Reveal Cover Artwork Of New Album


“The Deadliest creature on Earth is the Human.” – Ice - T

The originators of Rap Metal are back. ICE-T and his band are as angry as ever on their 7th studio album, titled “CARNIVORE”, which coincides with their 30th anniversary as a band!

“CARNIVORE”, the band’s second album for CENTURY MEDIA RECORDS, continues the path of its uncompromising and critically acclaimed predecessors, “Bloodlust” (2017) and “Manslaughter” (2014), in pairing ICE-T’s angry and socio-critical lyrics with thick guitar riffs and nods to metal and hardcore greats like Slayer, Metallica, Pantera, Suicidal Tendencies and Rage Against The Machine.

“Carnivore” will be released on March 6th, 2020. Pre-orders for all formats will start on January 10th, 2020.

Check out the title track “Carnivore” HERE!
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