Beach Bunny - Honeymoon

Beach Bunny- Honeymoon

Mom + Pop / Bertus
VÖ: 14.02.2020

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Teenage heaven

Einfach mal laufen lassen, keine Komplikationen oder intellektuellen Verrenkungen. Lili Trifilio aus Chicago macht Power Pop, jetzt auf ihrem Debüt "Honeymoon" und vorher schon auf einigen EPs mit Beach Bunny. Dabei meidet sie Komplikationen, lässt ihre Songs kraftvoll vom Stapel, immer jedoch mit dieser Teenage-affinen Mischung aus Trotz, Romantik und Verzweiflung. Klar, besonders ausgefuchst und komplex ist das nicht, doch diese Melodien, diese innige Überzeugung, mit der sie ihre Musik an die Frau bringt, machen aus diesem kurzen Album ein mitreißendes Fest. Dabei passt der Bandname sehr gut: Das Quartett um Trifilio bewegt sich exakt im Bereich jener Bands, die gerne ein "Beach" oder "Coast" im Namen tragen. Dazu packe man noch female Power-Pop der Marke Charly Bliss und man hat eine Vorstellung.

Dass ein Song wie der Opener "Promises" so unumwunden funktioniert, direkt einen Platz im Herzen der Hörerschaft und auf Playlists für sich beansprucht, liegt an seiner unangestrengten Eingängigkeit. Mit Druck werden die sonnigen Gitarren ins Rennen geschickt, Trifilios Stimme ist dabei zwar nicht einzigartig, dafür aber maximal gefällig und anschmiegsam. Man lässt sich ohne Widerstand gefangennehmen von diesen Stücken, die eigentlich unangenehme Emotionen durch einen romantisierenden Weichzeichner schleusen. "Cuffing season" bewahrt sich eine verspielt-punkige Ruppigkeit, lässt im Refrain aber wieder Zuneigung, Sehnsucht und herzliche Umarmungen zu. Die dazugehörigen Gitarren-Riffs kommen einem zwar vertraut vor, dank Schmackes und Überzeugung geraten diese aber auch hier unglaublich einnehmend.

Durchaus griffig und crunchy ist "Ms. California", wobei man den Chorus eher bei einer Katy Perry vermuten würde. Passt aber ganz vorzüglich, da sich die schrofferen Elemente gerne an weicher Melodieseligkeit aufrichten. Es ist damit auch immer wieder das Versprechen einer unkomplizierten, harmonischen Welt, welches auf diesem Album durchdringt. Das Herz mag gebrochen sein, der Typ mag auf eine andere stehen, doch hey, hier eine kernige Gitarre, da eine verführerische Melodieführung und schon sieht die Gesamtsituation schon wieder recht versöhnlich aus.

Das bouncige Tänzeln von "Colorblind" bricht ein wenig mit dem Vorwärtsgang des Albums – hier ein Schlenker, da eine Pirouette –, doch am Ende landet man doch im sicheren Hafen. Vor allem das zwischen Kratzbürstigkeit und milder Sehnsucht changierende "Dream boy" fasst sehr gut zusammen, was Beach Bunny ausmacht: Da gibt es den Tritt in den Hintern genauso wie gutmütige Kuscheleinheiten, doch immer geht es voran, immer drängt diese Musik zu einem fernen Ziel der Glückseligkeit. Und Trifilio hadert, zaudert, verarztet ihre Verletzungen stets effektiv mit dem wirksamen Mittel offensiver Melodien. Mehr Herz als Kopf, einfach und gut.

(Martin Makolies)

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Highlights

  • Cuffing season
  • Ms. California
  • Dream boy

Tracklist

  1. Promises
  2. Cuffing season
  3. April
  4. Rearview
  5. Ms. California
  6. Colorblind
  7. Racetrack
  8. Dream boy
  9. Cloud 9

Gesamtspielzeit: 25:00 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

musie

Postings: 2691

Registriert seit 14.06.2013

2020-03-04 07:32:41 Uhr
Dream Boy für mich mit Abstand das Highlight. Schade kann der Rest dieses Niveau nicht ganz halten. Aber an einem Sommertag ganz bestimmt eine gute Sache.

maxlivno

Postings: 1960

Registriert seit 25.05.2017

2020-03-03 21:16:09 Uhr
Sehr gute Rezension alles in allem. „Mrs.California“ war für mich der schwächste Song des Albums, aber der Prämisse der Rezension kann ich nur zustimmen.

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 17234

Registriert seit 08.01.2012

2020-03-03 13:05:02 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

Meinungen?



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