Mondo Generator - Fuck it

Mondo Generator- Fuck it

Heavy Psych / Cargo
VÖ: 21.02.2020

Unsere Bewertung: 4/10

Eure Ø-Bewertung: 4/10

Stress ohne Grund

Bei Nick Oliveri ist potentiell immer Ärger im Anmarsch. Wenn er also einen Songtitel "Kyuss dies!" nennt – in Anlehnung an die Reinkarnationsband Kyuss Lives!, später in Vista Chino umgetauft –, könnte das ein Seitenhieb sein. Von bösem Blut gegenüber den Mitgliedern ist aber nichts bekannt und der Text auf dem neuen Mondo-Generator-Werk deutet auch eher anderes an: "Here comes the suit and tie / Kyuss dies!" Die Anzugträger also. Ein solch spezifisches Szenario ist die große Ausnahme auf dem prägnant betitelten fünften Bandalbum. "Fuck it" heißt es und damit ist die Essenz der Lyrics im Wesentlichen abgehakt. Scheiß auf alles, sind alles Wichser, ich raste aus! "I'm an angry boy / So fuck it", in ähnlich kreativen Sphären bewegen sich die Texte zum Großteil. Der Titeltrack klaut sich immerhin effektiv die Heulgitarre des seligen "Feel good hit of the summer" von Queens Of The Stone Age. Das macht in Verbindung mit dem überraschend relaxten Ende dann auch Spaß.

Es bleibt jedoch nicht der einzige Moment, bei dem man glaubt, all das schon mal gehört zu haben. "Fuck it" ist voller vorhersehbarer Riffs, die an alles mögliche im Stoner-Umfeld von Oliveri erinnern. Das erzeugt auch dank des ein oder anderen gelungenen Gitarrensolos kurz Laune, ermüdet aber über die gesamte Spielzeit erheblich. Denn unter den 14 Tracks findet sich kaum Abwechslung. Mal prügeln die Instrumente schnell und wirkungsvoll drauflos wie in "Up against the void", mal bekommt der Sound eine langsame, doomige Note. Oft ist er auch zu schwachbrüstig, wie etwa im wirklich seltsam abgemischten "There's nothing wrong", in dem die Vocals alles überlagern und zusätzlich Lautstärkeschwankungen irritieren. Einzig das übervulgäre, comichafte "S.V.E.T.L.A.N.A.S." und das hörspielhafte "Option four" brechen da aus. "I got three options, maybe four / Surrender, suicide, a life sentence for murder / Option four, don't open the door / And get real high." Wie die Sache endet? Man mag sich durchhören. Wenn man nicht schon weit vorher die Lust verliert.

"When death comes / I'll be coming / [...] / Bust a nut and die." Möchte man ein Album besitzen, das Texte auf diesem Niveau hat? "Bevor der Tod kommt, will ich noch mal kommen." Wie alt ist Oliveri, mitten in der Pubertät? Logisch, auch zu Zeiten von "A drug problem that never existed" hat er keine guten Lyrics serviert, aber das konnte durch musikalisches Einfallsreichtum kompensiert werden. "Fuck it" schlägt aber leider in die Kerbe seines öden Vorgängers "Hell comes to your heart". Angestaubtes Songwriting, Gleichförmigkeit allerorten und dadurch mehr Fokus auf den Worten, die eigentlich lieber ignoriert gehören. Mondo Generator finden es vermutlich gut, im Jahr 2020 ein Anachronismus zu sein, strecken wie auf dem Albumcover dem Zeitgeist und jeglicher Political Correctness beide Mittelfinger entgegen. Kann man so machen. Sturheit allein erschafft aber eben noch keine große Kunst.

(Felix Heinecker)

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Highlights

  • Up against the void
  • Fuck it
  • Option four

Tracklist

  1. Nowhere man
  2. Up against the void
  3. Kyuss dies!
  4. Turboner
  5. Fuck it
  6. When death comes
  7. Listening to the daze
  8. Silver tequila / 666 miles away
  9. S.V.E.T.L.A.N.A.S.
  10. There's nothing wrong
  11. Death van trip
  12. It's you I don't believe
  13. Option four
  14. Disease with no control

Gesamtspielzeit: 43:33 min.

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User Beitrag

Felix H

Mitglied der Plattentests.de-Chefredaktion

Postings: 4694

Registriert seit 26.02.2016

2020-03-01 00:37:30 Uhr
Warum auch immer du mich jetzt mit meinem Uralt-Nick ansprichst, aber danke. :-)

Corristo

Postings: 306

Registriert seit 22.09.2016

2020-02-29 22:39:33 Uhr
Also nix gegen dich, Demon Cleaner, bist ein erstklassiger Rezensent, sondern einfach nur als informative Ergänzung.

Corristo

Postings: 306

Registriert seit 22.09.2016

2020-02-29 21:55:00 Uhr
Aus der Rezension:

"Here comes the suit and tie / Kyuss dies!" Die Anzugträger also.

Ich kann zwar nicht in den Kopf von Nick Oliveri hineinschauen, aber da ich vor einer Weile ein recht interessantes Interview mit ihm gesehen habe, bin ich mir relativ sicher, was er damit meint: Damit dürfte der lawsuit, die Gerichtsverfahren, rund um Kyuss gemeint sein. Bin zwar eher nur am Rande informiert, aber wenn halt ein Josh Homme und ein John Garcia vor Gericht um irgendwelche Rechte um Kyuss streiten, stirbt damit quasi gleichermaßen der Kyuss-Spirit, das was Kyuss mal ausgemacht hat. Das dürfte hier Oliveris Aussage sein, der in der Angelegenheit selbst wohl neutral zwischen den beiden "Parteien" steht und beiden damit den Kopf waschen möchte.

Felix H

Mitglied der Plattentests.de-Chefredaktion

Postings: 4694

Registriert seit 26.02.2016

2020-02-28 18:13:54 Uhr
Bei "When Death Comes" kann ich mir zum Beispiel gar nicht vorstellen, dass jemandem der Text nicht negativ aufstößt.

fuzzmyass

Postings: 1248

Registriert seit 21.08.2019

2020-02-28 16:20:46 Uhr
Aber eines ist auch klar - wenn der Text wirklich besonders stark flach und schon peinlich ist, empfinde ich das auch oft als störend..
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