God Damn - God Damn

God Damn- God Damn

One Little Indian / Believe / Indigo
VÖ: 14.02.2020

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Keine Chorknaben

Bitte gehen Sie weiter, es gibt nichts zu sehen. Jedenfalls nicht, wenn Sie auf der Suche nach der Hintergrundbeschallung für Kirchenbrände sind, bevorzugt auf Friedhöfen abhängen oder in Ihrer Freizeit die Katze der Nachbarn in schwarzen Messen opfern. Genug Black-Metal-Klischees? Na gut. Hinter dem unchristlichen Bandnamen God Damn verbergen sich nämlich wider Erwarten gar keine norwegischen Satanisten mit Panda-Schminke im Gesicht, sondern drei mehr oder weniger manierliche Männer aus dem mittelenglischen Wolverhampton, die dem Hörer einen düster-dröhnenden Stoner-Grunge-Bastard um die Ohren hauen. Der bewegt sich zwar stil- und geschmackssicher zwischen allen Schattierungen von Dunkel bis Nacht, hat seine Wurzeln aber eindeutig im erdigen, weltzugewandten Blues. Mit anderen Worten: Unter der schwarzen Lackierung pocht ein animalischer Groove. Wummernde Bässe, sägende Gitarren, hallende Drums – God Damn zelebrieren ihre Musik als physische Erfahrung, die durch Mark und Bein geht und vermutlich erst im dämmrigen Clublicht ihre (unheil-)volle Wirkung zur Gänze entfaltet.

Doch auch beim entspannten Hören im heimischen Wohnzimmer macht das dritte Album der Briten was her. Ein wesentlicher Grund dafür ist die druckvolle und kantige Produktion, für die Sylvia Massy verantwortlich zeichnet, die unter anderem schon mit Größen wie Tool, System Of A Down, Slayer und den Red Hot Chili Peppers zusammengearbeitet hat. "God Damn" wurde in wenigen Tagen nicht nur im Studio, sondern auch in einer stillgelegten U-Bahn-Station aufgenommen. Die Distortion auf Anschlag, das Gaspedal durchgetreten – vom Lärm, den ein vorbei rasender Zug verursacht, ist das Resultat nicht weit entfernt. Was keineswegs heißen soll, dass hier nur stumpf und monoton vor sich hin geknüppelt wird. Mit ihren eingängigen Hooks zeichnen sich etwa "High frequency words" und "Hi ho zero" bei aller ungeschliffenen Rauheit gleichermaßen durch einen gewissen Pop-Appeal aus. Und wenn es der Sache dienlich ist, schalten God Damn sogar einen Gang runter. Wobei das angesichts des durchgängig hohen Noise-Levels relativ ist: "Tiny wings" beginnt zwar als übersteuerte Folk-Nummer und gönnt sich in der Strophe ein paar dezente Streicher, packt im Chorus dann aber wieder die schweren Fuzz-Gitarren aus.

2010 zunächst als Trio gegründet, waren Gitarrist und Sänger Thom Edward und Schlagzeuger Ash Weaver nach dem Ausstieg von Dave Copson eine Zeitlang zu zweit unterwegs. Dass das Vergleiche mit Formationen wie The Black Keys, The White Stripes, Royal Blood oder Blood Red Shoes provozierte, liegt auf der Hand – auch wenn mit James Brown für die aktuelle Platte unlängst ein neuer Mitstreiter gefunden wurde. Aber auch unabhängig von solcherlei profanen Besetzungsfragen sind God Damn nun wahrlich nicht die einzigen auf Gottes weiter Erde, die den Blues ins lärmende Extrem jagen – bis repetita non placent, wie wir Kirchenlateiner zu sagen pflegen. Mag es auch sein, dass das schon genannte "Hi ho zero" oder der Rock'n'Roll-Stampfer "Whip goes the crack" bisweilen wie die fieseren Brüder des Black Rebel Motorcycle Club klingen – im schalen Epigonentum ergeht sich "God Damn" trotzdem an keiner Stelle. Dafür macht diese Platte zu viel Laune, dafür sind Songs wie das achtminütige Krachmonster "Satellite prongs" einfach zu gut. Edward wurde übrigens streng katholisch erzogen und verlor kürzlich seinen Job als Lehrer, weil er aus Jux mehrere Bibeln zerstörte. Dass er sich da im mitreißenden "Mirror balls" zu einem eruptiven "Fuck, fuck, fuck 'em all" hinreißen lässt, scheint nur folgerichtig. Und solange keine Gotteshäuser brennen oder Haustiere leiden, sei es ihm verziehen. Amen.

(Markus Huber)

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Highlights

  • Hi ho zero
  • Whip goes the crack
  • Mirror balls
  • Satellite prongs

Tracklist

  1. Dreamers
  2. High frequency words
  3. Hi ho zero
  4. Whip goes the crack
  5. We are one
  6. Palm of sand
  7. Tiny wings
  8. Mirror balls
  9. Bleeding a rope
  10. Hinge-unhinged
  11. Satellite prongs

Gesamtspielzeit: 38:58 min.

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Armin

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2020-02-25 19:38:56 Uhr - Newsbeitrag
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