Various Artists - Come fly with us (A Glitterhouse compilation)

Various Artists- Come fly with us (A Glitterhouse compilation)

Glitterhouse
VÖ: 14.02.2000

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Wohlige Wurzelbehandlung zum Wunderpreis

Kaum ein Label hat in den letzten Jahren so viel für den Erhalt der Wurzeln der amerikanischen Musik getan wie Glitterhouse. Ob es um aufstrebende, quasi etablierte oder fast vergessene Künstler, die sich allesamt noch etwas auf ihre Roots einbilden können - fast bei allen findet sich der Vermerk Glitterhouse Records irgendwo auf der Plattenhülle. Verlangt man nach wurzelbewußten Rock, neutönendem Country oder melancholischen Großstadtpop, wird man hier fündig. Von Eintönigkeit keine Spur.

Allen Künstlern ist ein Gefühl gemeinsam, daß man sie gerne zur eigenen Familie zählen würde. Wenn Dirty Three zu traurigen Pianoklängen von einem "Strange holiday" künden oder 16 Horsepower auf der Slideguitar über das "Cinder alley" tuckern, wenn Lou Ford fragt "How does it feel?" oder Nikki Sudden unterstützt von Jeff Tweedy (Wilco) zu "Farewell, my darling" wünscht, wenn Steve Earle dem Bluegrass "Texas eagle" schnelle Schwingen verleiht oder die Jacobites rocken, als wären "Pavement, Tortoise und der ganze Rest nie passiert" (taz), verlieren sich die Gegensätze im Nichts und hinterlassen eine wohlige Melancholie in der Magengegend.

Wem beim Begriff Country immer nur Leute wie Truck Stop oder Garth Brooks einfallen, sollte sich von der Vielfalt dieser Kopplung schnell eines Besseren belehren lassen. Dennoch greift natürlich diese Begrifflichkeit zu kurz. Wenn Schlagworte wie Alternative, Folk, Americana, Roots fallen, stimmen diese tatsächlich auch; selbst zur Chicagoer Postrock-Szene gibt es Verbindungen. Der große Bonus, der die Glitterhouse-Familie von Hat-Acts wie Billy Ray Cyrus abgrenzt, ist eben die Offenheit für Einflüsse aus allen Bereichen populärer Musik. Hier wird noch ehrlich an der Gitarre geschwitzt. Wenn auch Nadine oder Chris And Carla gelegentlich mit Drumloops liebäugeln, verlieren sie aber trotzdem nie den Song aus den Augen. Dieser Mut, gegen die üblichen Ströme aus Nashville zu schwimmen, belohnt den Zuhörer mit wundervollen Melodien.

Die Hauptstadt des alternativen Folk-, Country- und Rootsrockgeschehens scheint mittlerweile nicht mehr Austin/Texas und schon gar nicht Nashville/Tennessee sondern Beverungen/Ostwestfalen zu sein. Einmal im Jahr findet dort mit dem "Orange Blossom" eine Art Familienfest statt, bei dem die Protagonisten des Labels ein musikalisches Stelldichein geben. Für alle, die den Weg in die ostwestfälische Provinz nicht fanden, gibt es nun einen Überblick über das Schaffen jener Protagonisten zum familienfreundlichen Preis. Über 130 Minuten außergewöhnlich guter Musik zum Preis einer Maxi-CD sollten Grund genug sein, der Glitterhouse-Familie ein Ohr zu leihen.

(Oliver Ding)

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Highlights

  • Leona (Nadine)
  • Texas eagle (Steve Earle & The Del McCoury Band)
  • Drown (The Walkabouts)
  • Cinder alley (Sixteen Horsepower)

Tracklist

  • CD 1
    1. A place in the shade (Jon Dee Graham)
    2. Book of time (Kenny Roby)
    3. The big slowdown (Larry Barrett)
    4. My heart (Jonny Kaplan)
    5. How does it feel? (Lou Ford)
    6. Leona (Nadine)
    7. Raining straight down (Neal Casal)
    8. Farewell, my darling (Nikki Sudden)
    9. Still amazed (Wagon)
    10. Chicago (Ramsay Midwood)
    11. Texas Eagle (Steve Earle & The Del McCoury Band)
    12. If you want (Terry Lee Hale)
    13. Fine leather truck (The Gourds)
    14. Er lebt (Tilman Rossmy Quartett)
    15. So unkind (Jacobites)
  • CD 2
    1. Drown (The Walkabouts)
    2. Ornamental (Dakota Suite)
    3. Strange holiday (Dirty Three)
    4. Faithless disciple (Western Electric)
    5. Sent you up (Knife In The Water)
    6. Pictures from life's other side (Johnny Dowd)
    7. Opening Aunt Dora's box in 6/8 (Rainer)
    8. Cinder alley (Sixteen Horsepower)
    9. Take your place(Sunshine Club)
    10. Swinger 500 (Chris & Carla)
    11. Louise's hands (Hugo Race & True Spirit)
    12. Mercy of Maria (Midnight Choir)
    13. Shilingo (Tim Gibbons)
    14. Can your heart stand (Buddy & The Huddle)

Gesamtspielzeit: 131:19 min.

Referenzen

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