Soccer Mommy - Color theory

Soccer Mommy- Color theory

Loma Vista / Caroline / Universal
VÖ: 28.02.2020

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Abwehrkette

Hätte Sophie Allison alias Soccer Mommy zu Repräsentationszwecken eine eigene Flagge, sie wäre blau-gelb-grau gestreift. Die junge, aus Nashville stammende Künstlerin hat ebenjene Farben nämlich als ein wesentliches Leitmotiv für ihr zweites reguläres Studioalbum ausgewählt. Und das hat Gründe: Blau steht im englischen Sprachraum für tieferreichende Traurigkeit und Depression, so viel dürfte hinlänglich bekannt sein. Gelb steht im Kontext dieser Platte für körperliche und emotionale Krankheiten, während das Grau Dunkelheit, Leere und Verlust symbolisiert. Früh wird klar: "Color theory" ist keine luftig-leichte Gute-Laune-Platte für die ersten warmen Tage im Jahr, sondern ein ernstes, bittersüßes Album, mit dem Soccer Mommy die eigenen Dämonen zähmt, wenn nicht gar bekämpft. Die Stimmung ist gedämpft, die zehn Songs wirken in ihrer Intimität fragil und zerbrechlich. Und genau dadurch irgendwie auch besonders stark und unbeirrbar.

Mit einigen harmonischen Akustikgitarrentönen beginnt der Opener "Bloodstream", die Stimme Allisons trägt die Melodie, zarte Sonnenstrahlen funkeln inmitten der juvenilen, dunkel schimmernden Melancholie. Das ist Dreampop, der aufs Nötigste reduziert wurde, der unmittelbar berührt und sich nicht hinter Lärm und Rausch versteckt. Auf "Color theory" regiert ohnehin eine minimalistische Dringlichkeit, Aufbruchsstimmung durchzieht jedes der zehn Stücke. Dafür bricht Allison dann auch gerne mit den klassischen Schemata: Durch "Yellow is the color of her eyes" weht ein starker 90s-Vibe, der Song bäumt sich auf, wirkt im Laufe seiner über sieben Minuten wie eine musikalische Novelle, die Gitarren sorgen ab der Mitte für dezentes Feedback. Soccer Mommy klingt in dem Stück müde, und doch kraftvoll, weil sie sich den Unwägbarkeiten des Lebens in den Weg stellt. Mit einfachsten Mitteln, nicht jedoch ohne Nachdruck.

Natürlich ließe sich "Color theory" auch als klassisches Teenage-Angst-Album deklarieren, doch dieses Etikett greift sicherlich ein wenig zu kurz. Zu fein gewebt ist der Stoff aus dem Soccer Mommys Stücke sind. Wenn im sanften Akustik-Song "Stain" die Gitarre einsetzt und den verletzlichen Vocals zur Seite steht, dann kann man das als sinnbildlich für dieses Album begreifen. "Circle the drain", einer der stärksten Songs der Platte, klingt dann sogar einigermaßen frohgemut, sachte gedeiht die Zuversicht, wächst wie ein einsames Gänseblümchen inmitten einer ausgedörrten Gegend. Momente wie dieser sorgen letztlich dafür, dass "Color theory" bei aller Ernsthaftigkeit und Schwere ein nahbares und warmes Album geworden ist. Und vielleicht lassen die drei eingangs erwähnten Farben ja auch irgendwann wieder positive Konnotationen zu. Man kann es Sophie Allison nur von ganzem Herzen wünschen.

(Kevin Holtmann)

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Highlights

  • Bloodstream
  • Circle the drain
  • Yellow is the color of her eyes

Tracklist

  1. Bloodstream
  2. Circle the drain
  3. Royal screw up
  4. Night swimming
  5. Crawling in my skin
  6. Yellow is the color of her eyes
  7. Up the walls
  8. Lucy
  9. Stain
  10. Gray light

Gesamtspielzeit: 44:09 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

Saschek

Postings: 36

Registriert seit 23.07.2018

2020-09-15 23:42:21 Uhr
Find's auch immer noch den Hammer. Yellow Is The Color of my Eyes - irre gut.

Cade Redman

Postings: 296

Registriert seit 14.02.2018

2020-09-14 12:20:06 Uhr
Der Gitarrensound am Ende von "Bloodstream": Supergeil!

Saschek

Postings: 36

Registriert seit 23.07.2018

2020-06-04 13:32:00 Uhr
Auch nach einem Monat in heavy rotation immer noch ganz großartig.

jo

Postings: 1839

Registriert seit 13.06.2013

2020-05-09 18:24:34 Uhr
Konnte es bei mir :).

Saschek

Postings: 36

Registriert seit 23.07.2018

2020-05-06 10:32:58 Uhr
Absolut gelungenes Album. Mal sehen, wie lange der Effekt vorhält und ob's diesen besonderen Vibe auch nach dem fünften, sechsten und siebten Durchgang noch aufrechterhalten kann.
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