Caribou - Suddenly

Caribou- Suddenly

City Slang / Rough Trade
VÖ: 28.02.2020

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Äh, öh, üh

"Suddenly"? Warum "Suddenly"? So richtig plötzlich kommt das siebte Caribou-Album – die ersten beiden unter dem Namen Manitoba mal großzügig mitgezählt – weder zeitlich noch stilistisch um die Ecke. Allerhöchstens sind es die bewährten Sound- und Vocal-Blöker aus der Bibliothek von Dan Snaith, welche, äh, immer wieder ins Gemenge springen. Öh. Bisschen wie auf einer Schafsweide. Brröb. "Suddenly" kommt auch das energisch reingeworfene Rap-Sample im schmissigen "Sunny's time" oder das jähe Abwürgen des Samtpfoten-Beats von "Lime" zugunsten eines verrauschten Singalong-Parts. Die zwölf Tracks sind unterm Strich noch ein wenig eklektischer, weitreichender in den Elementen, die sie einbinden, doch letztlich sorgt Snaiths melancholischer Gesang über gewonnene und verlorene Liebe doch dafür, dass auch "Suddenly" das bewährte Wechselspiel aus Distanz und Nähe aufrecht erhält.

Nirgendwo klappt das besser als im famosen "You and I", bei welchem bereits gemutmaßt wurde, ob in der heimelig-klingelingelnden Strophe das unsägliche "Last Christmas" verwurstet wurde. Zumindest der tuckernde Rhythmus ist ähnlich, doch der freakige Refrain wischt mit seiner herrlich quietschenden Hektik alles vom Tisch. "You and I" funktioniert grandioserweise in beiden Teilen separat als Ohrwurm und obendrein bleibt die elegante Transition dazwischen im Gedächtnis. Keines der übrigen Stücke schafft noch ein solches Meisterstück und doch funktioniert "Suddenly" sehr gut als Gesamtwerk. Der rote Faden schlängelt sich auch durch solch unterschiedliche Kompositionen wie das mit indischen Klängen an Four Tet erinnernde "New jade" und "Home", das die Methode "Chop up the soul" ins Caribou-Universum überträgt.

Textlich bleibt Snaith im einfachen, direkten Bereich, was den Kontrast zum bunten Treiben drumherum wahrt. "Does he love you like I used to do?", stellt er als zentrale Frage in "Like I loved you" in den Raum, während sich der Song vom Herzens-Tralala graduell in flirrenden Wahnsinn auflöst. Das folgende, zarte "Magpie" ist neben dem Nomen-est-Omen-Interlude "Filtered grand piano" das einzige Stück, das sich im Prinzip nur mit seiner Grundidee begnügt. Sei's drum. Das sich anschließende "Ravi" ist dafür der alleinige clubgeeignete Track, im wahrsten Sinne wummert es erst dumpf wie vorm Eingang und dann vollmundig mitreißend, wenn die Türen aufgehen. Da singt selbst Snaith das zentrale Sample-Kauderwelsch noch mit und trägt den Song hin zur großen Öffnung am Ende.

Eine solche hat auch der herzensgute Closer "Cloud song" zu bieten. "When you're alone with your memories / I give you a place to rest your head", das ist ein Versprechen, welches der raumeinnehmenden, flehenden Bitte weicht: "If you love me, come hold me now." Die Entfaltung erstreckt sich fast über die ganzen sieben Minuten, begonnen mit zaghaftem Tapsen und vorsichtig lugenden Synths, erst endend, wenn die titelgebenden Wolken in der Klimax greifbar erscheinen. Genauso wächst "Suddenly" als Gesamtes mit zunehmender Vertrautheit auch wieder ans Herz, mit seinen Genialitäten, seinen Fehlern, seiner Herzduselei. Und natürlich dem ständigen Blöken. Möp.

(Felix Heinecker)

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Highlights

  • You and I
  • Sunny's time
  • Ravi
  • Cloud song

Tracklist

  1. Sister
  2. You and I
  3. Sunny's time
  4. New jade
  5. Home
  6. Lime
  7. Never come back
  8. Filtered grand piano
  9. Like I loved you
  10. Magpie
  11. Ravi
  12. Cloud song

Gesamtspielzeit: 43:35 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

sizeofanocean

Postings: 82

Registriert seit 27.01.2020

2020-03-15 16:52:37 Uhr
Favoriten nach einigen Durchgängen:

You and I
New Jade
Home
Never Come Back
Like i loved you
Magpie
Ravi

insgesamt auf jeden Fall ne feine Platte.

Fiep

Postings: 205

Registriert seit 29.04.2014

2020-03-03 10:22:03 Uhr
Etwas underdeveloped/demoartig, stimmt schon.

fakeboy

Postings: 222

Registriert seit 21.08.2019

2020-03-03 09:10:28 Uhr
Hab der Platte noch einige Versuche gegönnt - und komm weiterhin nicht klar damit. Wirkt als würde man sich durch diverse Demos von Caribou zappen. Nichts das hängen bleibt oder beim Hören zu Packen vermag.

funkyGobble

Postings: 17

Registriert seit 27.08.2019

2020-03-02 19:38:37 Uhr
Muss manchmal an die Avalanches denken. Hat mir beim ersten Durchhören ganz gut gefallen, aber mich nicht vom Hocker gehauen. Vielleicht kommt das ja noch

Fiep

Postings: 205

Registriert seit 29.04.2014

2020-03-02 02:00:03 Uhr
1:1 wie bei Watchful_Eye.

Der vergleich von Kai mit four tet... ja, stimmt schon. aber eher mit den früheren alben von four tet. seit jahren hat von four tet produziertes für mich irgendwie keine seele mehr. Klingt oft wie 100 anderer ableton live jams...
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