Six Organs Of Admittance - Companion rises

Six Organs Of Admittance- Companion rises

Drag City / Indigo
VÖ: 21.02.2020

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Spaziergang mit Seitenstechen

Nein, leicht war es mitunter nicht mit den Erzeugnissen von Ben Chasnys Six Organs Of Admittance. Grundsätzlich im Freak-Folk beheimatet, gab es manchen Ausreißer, so das im Stromgitarren-Zufallsgenerator erzeugte "Hexadic". Ein wieder anderer Vorwurf lautet, Chasny mache es sich zu leicht, wiederhole eine recht statische Formel eines sich repetitiv abspulenden Folks bis zum Bewusstseinsverlust. Nun ja, zu sagen, das neueste Werk "Companion rises" würde sich von all dem freimachen, wäre gelogen. Vielmehr findet man all das, was Six Organs Of Admittance bisher charakterisierte, auch hier wieder. Nur besitzt dieser Longplayer etwas, das nicht so einfach herunterzubrechen ist, nämlich Phantasie und Inspiration.

Stücke wie "Two forms moving" überraschen nicht wirklich, zum abgedämpften Gesang werden unermüdlich die gleichen Akkord-Folgen mit leichten Variationen runter gespielt, doch sind es die richtigen Akkorde, es entsteht ein sanfter Sog, eine Umgebung, von der man sich gerne aufnehmen lässt. Gerade in jenem Stück geht produktionstechnisch alles ein wenig drunter und drüber, mal steht der Gesang im Vordergrund, mal eine schöne Gitarrenfigur, dabei ist aber immer eine gerichtete Grundbewegung. Schön auch, wie Chasny die E-Gitarre einsetzt. Diese sendet immer wieder als Garnitur verätzte Tonspritzer, die das hypnotische Treiben etwas derangieren. Dies passt zum Beispiel in "The Scout is here" hervorragend zum vorrangig die Bass-Saiten bedienenden Spiel der Akustischen. Dazu dann dieser seichte, beschwichtigende Fluss der Gesangsmelodien, wunderbar.

Das Geheimnis von "Companion rises" liegt vielleicht darin, dass das Sanftmütige des gutmütigen, folkigen Fließens ein wenig mit der Distortion flirtet. Alles, auch die weicheste Melodie, wirkt etwas ramponiert und nicht ganz fahrtüchtig. Wenn es dazu noch kräftig aus dem Verstärker knarzt, ein Feedback giftig dazwischen funkt, hat man einen schönen Dialog zwischen Schöngeistigkeit und Karambolage. Durchaus passend ist es dann, dass mit dem Titelsong ein fast normales Folk-Stück im Zentrum der Platte steht, dass sich gemächlich entfaltet, inklusive wunderbar zwischen Gravitas und Milde vermittelnden Gesangslinien.

Die zweite Hälfte der Platte ist übrigens um einiges extrovertierter und dramturgisch markant. Das sich in seiner Ruppigkeit sichtlich wohlfühlende "The 101" gibt einen willkommenen Energie-Kick, die E-Gitarre drückt und rumpelt sich hier mit robustem Ellenbogeneinsatz den Weg frei. "Mark yourself" hingegen lädt sich in das nebelige Setting eine großzügige Portion Grunge. Und die Feedback-Drones vom abschließenden "Word down to the light" passen vorzüglich zu den dezenten Orgel-Einwürfen, welche in unwirtliches Terrain ein wenig Wärme einfließen lassen. Auch die angeknackste Majestätik der Synth-Melodie in "Haunted and known" ist so ein Punkt, wo das schadhafte mit dem Erhabenen Hand in Hand geht. Klar, dies sind Dinge, die bei Ben Chasny schon immer im Mittelpunkt standen, so vollendet und passgenau ist ihm dies jedoch schon lange nicht mehr gelungen.

(Martin Makolies)

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Highlights

  • The scout is here
  • The 101
  • Haunted and known

Tracklist

  1. Pacific
  2. Two forms moving
  3. The scout is here
  4. Black tea
  5. Companion rises
  6. The 101
  7. Haunted and known
  8. Mark yourself
  9. Worn down to the light

Gesamtspielzeit: 39:34 min.

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Armin

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2020-02-10 20:52:25 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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