Psychotic Waltz - The God-shaped void

Psychotic Waltz- The God-shaped void

InsideOut / Sony
VÖ: 14.02.2020

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Zurück zum Glück

Sie benötigten nur sechs Jahre, um zur Legende zu werden. Dream Theater mögen Anfang der Neunziger die perfekte Symbiose aus Prog und Metal erschaffen, Fates Warning den Underground-Kult der Achtziger in die neue Dekade transportiert haben. Doch die Essenz aus Riffs, Atmosphäre und vertracktem Prog lieferten Psychotic Waltz aus San Diego, die sich von 1990 bis 1996 auf vier Alben – jedes für sich ein Klassiker des Genres – einen Ruf für die Ewigkeit zementiert haben. Bis die Band an einem Rechtsstreit mit einer Darstellerin aus einem ihrer Musikvideos und an internen Zankereien zerbrach. Einzig der charismatische Frontmann Buddy Lackey, der nach Wien übersiedelte und sich fortan Devon Graves nannte, konnte in den folgenden Jahren reüssieren. Zum einen als festes Ensemble-Mitglied von Ayreon, zum anderen mit seiner Band Deadsoul Tribe, mit der er fünf äußerst respektable Alben produzierte. Als sich die Band dann 2010 für ein paar Shows in der Originalbesetzung zusammenfand, begannen die ersten Fans zu träumen, was man eigentlich nicht zu träumen wagte. Doch es sollten noch ganze acht Jahre zwischen Ankündigung und Veröffentlichung eines neuen Albums vergehen.

An solchen Erwartungen kann man eigentlich nur scheitern. Werden Psychotic Waltz mit "The God-shaped void" imstande sein, auch nur ansatzweise die Magie der frühen Jahre einzufangen? Es braucht nur ein kurzes atmosphärisches Intro, ein düsteres Riff und ätherisch darüber schwebenden Gesang, und schon reicht der Opener "Devils and angels" die Hand. Umarmt, umschmeichelt den Hörer. Der in einen Strudel von Emotionen gezogen wird. Headbangen oder mitwippen? Verzückt lächeln oder Freudentränen vergießen? Egal. Einfach nur genießen und mitreißen lassen. "Stranded" hingegen erinnert in seiner Melodieführung hingegen ein kleines bisschen an Ghost, nur ohne deren sinistren Unterton, während "Back to black" krachenden symphonischen Prog-Metal präsentiert, für den auch Fates Warning einen verdammt guten Tag im Proberaum bräuchten. Was für ein Auftakt!

Doch die Kalifornier können auch anders. Sachte, ganz sachte spinnt "The fallen" sein Netz aus, überzeugt mit leise perlenden Gitarren, die sich immer mehr steigern, immer weiter die Intensität erhöhen, bis sich irgendwann der Refrain Bahn bricht und Devon Graves "We are falling from the skies" förmlich herausschreit. Es soll jedoch bis zum siebten Track "Pull the string" dauern, bis ein weiteres lange vermisstes Markenzeichen zum Einsatz kommt: Graves' Querflöte. Ja natürlich wird eine Flöte in der Rockmusik bis ans Ende der Tage mit Jethro Tull assoziiert bleiben, doch Graves verbindet jene fragilen Klänge hier und erst recht auf "Demystified" auf meisterhafte Weise mit den fetten Gitarren.

Wenn es allerdings eine Blaupause der wiederauferstandenen Psychotic Waltz gibt, dann ist es der Abschlusstrack "In the silence". Auch hier beginnen die Kalifornier zunächst balladesk, spielen jedoch immer mehr mit atemberaubenden Harmonien, blitzsauberen Soli und einmal mehr mit einer Atmosphäre, die einen nie wieder in die reale Welt zurückbringen will. Erst recht, wenn jeder Hörer (oder Hörerin, so viel Zeit muss sein) wieder und wieder neue Facetten in der erneut famosen Produktion des derzeit allgegenwärtigen Jens Bogren herausarbeiten will. Es passt also alles an "The God-shaped void", das damit mehr ist als ein Comeback-Album. Es ist die Wiederkehr einer einst Maßstäbe setzenden Band. Ein Statement. Eine Platte wie Poesie.

(Markus Bellmann)

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Highlights

  • Devils and angels
  • Back to black
  • Demystified
  • In the silence

Tracklist

  1. Devils and angels
  2. Stranded
  3. Back to black
  4. All the bad men
  5. The fallen
  6. While the spiders spin
  7. Pull the string
  8. Demystified
  9. Sisters of the dawn
  10. Season of the swarm
  11. In the silence

Gesamtspielzeit: 52:53 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

fakeboy

Postings: 461

Registriert seit 21.08.2019

2020-02-12 15:00:09 Uhr
"All the bad man" klingt wie Ghost ohne Musical-Allüren.

Analog Kid

Postings: 1508

Registriert seit 27.06.2013

2020-02-10 21:29:11 Uhr
Klingt ja gut. Bin seehr gespannt, wie das geworden ist.

Der Wanderjunge Fridolin

Postings: 1959

Registriert seit 15.06.2013

2020-02-10 21:21:41 Uhr
Unbedingt ja!

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 18587

Registriert seit 08.01.2012

2020-02-10 20:51:42 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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