Nyx Nótt - Au pieds de la nuit

Nyx Nótt- Au pieds de la nuit

Melodic / Indigo
VÖ: 14.02.2020

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Im Zwielicht

Jeder Zehnte leidet unter schweren Schlafstörungen. Kein Wunder also, dass viele Künstler der letzten Jahrhunderte ebenfalls unter Insomnien litten, über diese schrieben, musizierten, malten. Auch Aidan Moffat, ein Teil der legendären Arab Strap, reiht sich ein in die Liste schlafloser Künstler. Unter dem neuen Namen Nyx Nótt hat er, während seine Familie ruhte, nachts, für sich alleine, an dem vorliegenden Album gearbeitet, das, nicht nur in der Nacht entstand oder von ihr handelt. Das Projekt ist vielmehr eine Ode an die dunkle Tageszeit. Das verraten schon Name, Titel und die zahlreichen Anspielungen in den Songtiteln. Nyx und Nótt sind mythologische Göttinnen der Nacht, "Aux pieds de la nuit" bedeutet grob übersetzt "Der Nacht zu Füßen".

Diese Ode ist in vielerlei Hinsicht überraschend wie konsequent. Wer während des ersten Tracks darauf wartet, Moffats idiosynkratischer, schottischer Stimme zu lauschen, der wartet vergeblich, fragt sich eher vorübergehend, ob er nicht aus Versehen die neue Bohren-Platte aufgelegt hat. Das wortlose Unterfangen ist nicht nur für die geneigten Hörer ungewohnt, Moffat selbst sagt dazu: "Instrumentale Musik zu machen ist für mich wie Arbeiten ohne Lieblingswerkzeug." Doch er setzt sich mühelos über seine eigenen Erwartungen und die der Hörer hinweg.

Mit "Mickey Mouse strut" taucht man in die vertonte Traumlandschaft ein, begibt sich in die Hände der Nacht. Sanfte Ambientflächen, verschleppte Rhythmen, distanziert verhallte Dark-Jazz-Bläser und Twin-Peaks-Streicher wabern wie Nebelschwaden, einzelne Fanfaren schneiden wie Windböden durch die gräuliche Dunkelheit. Die Songs fließen ineinander über, "The prairie" schließt nahtlos an den Opener an. Auch hier dominieren minimalistische Dark-Jazz-Drum-Samples und zart geschichtete Ambient-Nebelbänke. Doch diesmal erklingt auch, wie der Titel andeutet, eine von der Nacht abgekühlte Desert-Rock-Gitarre. In der zweiten Hälfte des Tracks steigen cinematische Streicher empor, übernehmen die Dramaturgie des Traums. "Words of wonder" beginnt mit dem Duett zweier Opernsängerinnen, die ihre Soprane seiltänzerisch umeinander schlingen, bevor sie von den langsam schreitenden Drumbeats überrumpelt werden, ein kalter Synth-Schauer auf sie niedergeht und sie wieder sich selbst überlassen werden.

"Theme from" klingt in der Tat, wie die Titelmelodie für einen noch nicht gedrehten Italowestern. Ein extrem verlangsamter Swans-Groove perforiert die Atmosphäre, kalte Synths untermalen diese klangliche Traumpassage. Das streicherlastige "Shirley Jackson on drums" kreist um eine beunruhigende Klavierfigur, irrt umher, führt ins Nichts. Gewitter- und Heuschrecken-Samples leiten zu "Long intervals of horrible sanity" über, in dem eine weibliche Bluesstimme wortlos vor sich hin summt. Die Dark-Jazz-Bläser gesellen sich zu ihr, Querflöten hauchen ihr Unheil hinzu. "Citation needed" beendet das Album mit einer Meditation rund um behutsam angeschlagene Fender-Rhodes-Jazz-Akkorde und zart gepinselten Drums, die von weichen Synthwehen, zurückhaltenden Opernstimmen umgarnt werden. Die Desert-Gitarre ertönt ein letztes Mal und die verhangenen Töne klingen aus. Mit "Aux pieds de la nuit" hat Moffat einen zwielichtigen Soundtrack der Nacht aufgenommen, der seine Hörer auch mit Anbruch des Tages noch lange verfolgt.

(Benedikt Stamm)

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Highlights

  • The prairie
  • Citation needed

Tracklist

  1. Mickey Mouse strut
  2. The prairie
  3. Words of wonder
  4. Dramascene slap
  5. Theme from
  6. Shirely Jackson on drums
  7. Long intervals of horrible sanity
  8. Citation needed

Gesamtspielzeit: 46:48 min.

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Armin

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2020-02-10 20:51:06 Uhr - Newsbeitrag
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