Klangstof - The noise you make is silent

Klangstof- The noise you make is silent

Mind Of A Genius
VÖ: 21.02.2020

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Mit Wayne im Weltall

Gerade mal das zweite Album und schon so geschmackssicher. Klangstof eröffnen mit "The noise you make is silent" das nächste Kapitel ihrer Geschichte, doch die Niederländer um Koen Van De Wardt wirken wie alteingesessene Profis, die genau wissen, welchen Weg man zwischen Eingängigkeit und edgy Klangexperiment einschlagen muss. Hat sich das Debüt "Close eyes to exit" noch oftmals die Schicht-um-Schicht-Dramaturgie des Post-Rock zu eigen gemacht, ist der Electro-Pop des Nachfolgers in dieser Hinsicht noch variabler.

Der Opener "Blank page" ist auf einem lässigen, weit tragenden Beat gegründet, die Vocals delirieren verführerisch weichgespült an den Melodiewellen entlang, und die Synthies setzen ein paar markante Glitzerpunkte. Entspannt, trotz einer gewissen Laxheit melodisch prägnant, ein starkes Statement zu Beginn. Auch die "Bootylicious"-Gedächtnissgitarre von "New congress new father" zeigt die Bereitschaft an, manches für den Dancefloor bereitzustellen. Dazu rotieren die Beats mächtig, Druck und gerichtete Entschlossenheit zum Pop-Hit scheinen bei einer übergeordneten Milde durch. Jene prägt auch "Attack attack", dessen waidwunder Schwebezustand schön mit markanten Melodie-Patterns elektronischer Natur harmoniert. Auch der hauchzarte Gesang Van De Wardts setzt dieses Stück ins rechte Licht.

Sehr gelungen sind im Übrigen auch die beiden Features des Albums. Wenn man in Europa schon für die Flaming Lips die Konzerte eröffnet, kann man sich einen Wayne Coyne gleich auch ins Studio einladen. "We never liked the outcome" ist dann auch genau die spacige Hippie-Folk-Kleinigkeit geworden, die man sich wünschen konnte. Verletzlicher Gesang, eine Akustikgitarre, die orgelunterstützt ihre Fühler in den Orbit ausstreckt, eine zwischenmenschliche Kuschelstunde unter weitem Sternenhimmel. Auch der Astro-R'n'B von "Phantoms", eingespielt mit Luwten, vereint quergedachte Electronica mit sinnlicher Schlafzimmer-Haptik, majestätische Synthie-Bögen spannen sich um ein intimes Knistern.

Diese Vermittlungen zwischen konkreter Melodie und atmosphärischer Ausstattung gelingen Klangstof hervorragend, wobei die zweite Albumhälfte vor allem Letzteres genüsslich auskostet. Zu mild konturiertem Synthie-Tröpfeln tastet und schleicht das abschließende "Spending hours" voran, deutet eine wuchtige Zuspitzung an, lässt den lockeren Beat aber letztendlich sanft das Stück tragen. Auch "Thousands" geht den Weg der behutsamen Ausgestaltung, der Beat bleibt in Wartestellung, die Klangfiguren der Tasteninstrumente liefert eine behagliche Umwelt, in der sich wunderbar entspannen lässt. Und so wissen Klangstof immer genau, wann sie welche kompositorische Schraube drehen müssen, wann Druck aufgebaut werden muss und wann man es einfach laufen lässt. Wie gesagt, erst das zweite Album, aber bereits eine vollendete Könnerschaft.

(Martin Makolies)

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Highlights

  • New congress new father
  • We never liked the outcome
  • Spending hours

Tracklist

  1. Blank page
  2. Attack attack
  3. Death 09
  4. Phantoms
  5. New congress new father
  6. They could have saved the universe
  7. Death 03
  8. Thousands
  9. We never liked the outcome
  10. Solo
  11. Spending hours

Gesamtspielzeit: 40:18 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

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Postings: 504

Registriert seit 25.09.2014

2020-03-19 21:27:03 Uhr
ps. Faces On TV sind auch in den Referenzen falsch angegeben, bitte korrigieren :)

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Postings: 504

Registriert seit 25.09.2014

2020-03-19 21:24:06 Uhr
Faces on TV tauchen zwar erst sehr weit hinten in den Referenzen auf, kamen mir hier aber als erstes in den Sinn.
@vincent und alle anderen: Hört auch bei Faces on TV nochmal rein, die wurden hier auch etwas vernachlässigt, finde ich!

@Album: Gefällt! Eigentlich eher was für den Herbst, aber so viel hat man vom Frühling gerade ja auch nicht.

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 18587

Registriert seit 08.01.2012

2020-02-10 20:50:11 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

Meinungen?

vincent92

Postings: 72

Registriert seit 22.11.2016

2020-01-16 19:50:25 Uhr
Sehr schönes, gelungenes Album. Radiohead meets Talk Talk meets M83. Ein erstes Highlight in 2020. Freu mich auf das Konzert im März in München :-)

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 18587

Registriert seit 08.01.2012

2019-12-13 20:16:58 Uhr - Newsbeitrag
Klangstof veröffentlichen neue Single "New Congress, New Father"

Klangstof veröffentlichen heute mit "New Congress, New Father" den dritten Track aus ihrem kommenden Album "The Noise You Make Is Silent", das am 21. Februar 2020 über Mind of a Genius erscheinen wird. Die Single folgt den Veröffentlichungen von "Attack Attack" und "Blank Page".

▶ Anhören: Klangstof - "New Congress, New Father"
https://fanlink.to/klangstof-newcongressnewfather

Zur Entstehung der Single erklärt Frontmann Koen Van De Wardt:
"'New Congress, New Father' is one of the oldest pieces of lyrics I still had in my possession. I had a book filled with lyrics and brain farts from my time in Norway. On one of the pages there was this line and a really weird drawing that I had totally forgotten about.
We wrote the music in LA in January 2018, which was a pretty hectic year for us as a band. I was dealing with a lot of stress and anxiety. I felt like I couldn't create the album that people wanted me to create, and at a certain point I just lost all the confidence the confidence I once had. I started yelling and raging at people, just because I was terrified of everything. The only way to get out of it was to hit the reset button in my brain and start over again. That’s what this song is about."

Im März wird die Band auf ihrer Tour auch nach Deutschland kommen:

Klangstof - 2020 live:
11.03.20 - Bi Nuu (Berlin)
12.03.20 - Artheater (Köln)
13.03.20 - Kranhalle (München)
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