Orange Swan - Perspectives

Orange Swan- Perspectives

Orange Swan
VÖ: 20.12.2019

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Einfach sein lassen

Eigentlich ist "Perspectives", das zweite Album der deutsch-irischen Band Orange Swan, nichts Besonderes. Aber was heißt das schon, eigentlich. Man kann sich wunderbar den Kopf darüber zerbrechen, oder aber sich für die instinktive Alternative entscheiden: Musik muss nicht immer innovativ sein, um zu gefallen. Manchmal reicht es, wenn jemand sein Handwerk hervorragend versteht. Vielleicht ist es kein Zufall, dass ein Song auf den Namen "Eule der Minerva" hört. Orange Swan haben sich dem Post-Rock verschrieben, driften jedoch immer wieder in Richtung Doom und Ambient ab. Und machen dabei so viel richtig, dass Fans der genannten Genres mit dem Album ihre helle Freude haben dürften. So wie es sich gehört, findet die Sause ohne Gesang statt. Die Instrumente sind Stimme genug.

Am besten ist das Trio immer dann, wenn zarte Melodien auf brachiale Sounds treffen. Besonders eindrucksvoll gerät diesbezüglich "Yesterday today was tomorrow", in welchem feiste Riffs mit eingängigen Gitarrenhooks kombiniert werden. Virtuosität muss nicht bedeuten, zweihundert Töne in zwei Sekunden unterzubringen. Bisweilen genügt es, im günstigsten Augenblick die richtige Entscheidung zu treffen. Loslassen können will gelernt sein. Nicht minder gelungen ist der Opener "The hulking lows", der mit einem an Maserati erinnernden Motiv beginnt und sich viel Zeit lässt, ehe die Dämme brechen. Im finalen Part stehen schließlich alle Zeichen auf Sturm. Die Lead-Gitarre eskaliert, während der Rest der Band sich in einem unwiderstehlichen Groove verliert.

Doch nicht immer wird geknüppelt. Auch in ruhigen Momenten erweisen sich die Musiker als sattelfest. So lullt der passend betitelte "Sad song" den Hörer mit einer simplen, aber effektiven Melodie ein, bevor er gegen Ende den Zug in Richtung Unterwelt nimmt. Apropos: Direkt aus dem Hades kommt auch "Armageddon grrrlfrnd", dessen sphärisches Intro schon nach wenigen Sekunden klarmacht, dass Sonnenlicht bis auf Weiteres entfällt. Stattdessen zelebrieren Orange Swan in allumfassender Langsamkeit die schönen Seiten des Siechtums. Anders gesagt: Glücklich sollen die anderen sein, in der Melancholie liegt die Kraft. Wüste Lärmorgien werden von zerbrechlichen Momenten durchschnitten, dazwischen bleibt viel Raum für Tagträumerei. Wenn Gedanken sich aufgrund von Musik verselbstständigen, ist das etwas Besonderes. Jenseits aller Eigentlichkeit.

(Christopher Sennfelder)

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Highlights

  • The hulking lows
  • Yesterday today was tomorrow

Tracklist

  1. The hulking lows
  2. Yesterday today was tomorrow
  3. Armageddon grrrlfrnd
  4. Eule der Minerva
  5. Sad song

Gesamtspielzeit: 36:26 min.

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Armin

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2020-02-03 20:41:51 Uhr - Newsbeitrag
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