Bambara - Stray

Bambara- Stray

Wharf Cat / Cargo
VÖ: 14.02.2020

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 9/10

Der Tod streunt

Die Brüder Reid und Blaze Bateh haben viele Italo-Western-Streifen in ihrer Jugend geschaut, meint man zu wissen, wenn man das neuste Album ihrer Band hört. Der Twang-Gitarren-Lärm, die sphärischen Sounds, die drumherum wabern, die abgründige Stimmung erinnert im besten Sinne an Morricone und machen die Kombo zu einer der interessanteren Inkarnationen des Post-Punk. Auf "Stray" machen Bambara genau da weiter, wo sie auf ihrem Durchbruchs-Album "Shadow on everything" 2018 aufgehört haben. Galoppierende Drums, erdige Basslinien, die besagten Western evozierende Gitarren. Doch es ist nicht alles gleichgeblieben. Brodelnd wird subversiv die kalte Atmosphäre durch lyrisches Unbehagen zum Kochen gebracht, teils das Tempo gezügelt. Denn auf "Stray" streunt wortwörtlich der Tod. Die einzelnen Songs verdichten tragische Kurzgeschichten in lyrische Destillate, in denen die Figuren mit dem Tod konfrontiert werden.

Im schleppenden Opener, der offener und weiträumiger als auf dem Vorgänger in die Szenerie hineinführt, kündigt sich das thematische Unheil an, wenn Reid Bateh dunkle Zeilen über Krankheit raunt. Die Morricone-Streicher und -Bläser untermalen die beklemmende Stimmung, der Song bäumt sich auf, steigert sich ins Unermessliche und zerfällt dann. Der darauffolgende Track "Heat lightning" kommt agressiver, aber auch eingäniger daher. Mit euphorisch düsteren Riffs, den galoppierenden Drums und einer dreckigen Basslinie reitet die Band einen immer tiefer in die Nacht hinein. In "Sing me to street" zügelt die Truppe ihr Tempo, trabt langsam durch bedrohliche Soundscapes. Analoge Elektronik und betörende weibliche Hintergrundstimmen unterstreichen die unterkühlte, unbehagliche Atmosphäre, während Reid Bateh das Grauen ausbuchstabiert: "Claire had their baby / And tonight she drowned it in the bath / Saying: 'Death will find us all'". Auf "Serafina" wartet die Band mit einem glasklaren, von Twang-Gitarren dominierten Hit auf, der mit jugendlichem Widersinn gegen die Bedrohlichkeit antanzt: "We'll never die." Wenn im zunächst zurückhaltenden "Stay cruel" eine nächtliche Dark-Jazz Trompete aus dem Hintergrund hervortritt und subtile Epik verbreitet, läuft es einem kalt dem Rücken herunter. Dann rotzt Bateh im Refrain "Try to stay cruel for you" heraus, die weiblichen Stimmen gesellen sich zu ihm, während er sich weiter in das Mantra hineinsteigert – Gänsehaut breitet sich aus. Im komplex polternden "Sweat" heißt es dann "Death is what you make it", sich windende Gitarren explodieren, schrauben sich tiefer in die Dunkelheit hinein und das Unheil ist perfekt.

Die zunächst etwas gleichförmig klingenden Vocals erweisen sich bei wiederholtem Hören als trügerisch. Denn in ihnen spiegelt sich ausdrucksstark die Niedergeschlagenheit der Figuren wider, über die Bateh erzählt. Kein Klang, keine lyrische Zeile, keine unsaubere Gesangslinie ist auf diesem detailverliebten Album unbewusst gesetzt. Mit "Stray" haben Bambara ihr bisher dynamischstes, im Sound differenziertestes Album aufgenommen. Das Auf und Ab zwischen trabenden und gallopierenden Songs, das thematische Pendeln zwischen Aufbegehren und Kapitulieren vor dem ubiquitären und unausweichlichem Ende, das uns alle erwartet, ist vor allem eines: einnehmend.

(Benedikt Stamm)

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Highlights

  • Miracle
  • Sing me to the street
  • Serafina
  • Stay cruel

Tracklist

  1. Miracle
  2. Heat lightning
  3. Sing me to the street
  4. Serafina
  5. Death croons
  6. Stay cruel
  7. Ben & Lily
  8. Made for me
  9. Sweat
  10. Machete

Gesamtspielzeit: 43:30 min.

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Armin

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2020-02-03 20:38:56 Uhr - Newsbeitrag
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