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Spanish Love Songs - Brave faces everyone

Spanish Love Songs- Brave faces everyone

Pure Noise / Soulfood
VÖ: 07.02.2020

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Das Ende der Dauer-Latte?

Dieses Mal gibt's zum Start Kritik: "Von vorne bis hinten eine einzige überspannte Dauer-Latte und wirklich jeder einzelne Song wird mit bebender Stimme und Kneipenchor zur theatralischen "Hymne" hochgedudelt", sprach User Autotomate – der somit auch gleich mal die Überschrift spendiert hat – im Plattentests.de-Forum über das allerorts abgefeierte letzte Spanish-Love-Songs-Album "Schmaltz". Und wenn man besagter Platte unbedingt einen Schwachpunkt nachsagen wollte, er wäre damit treffend auf den Punkt gebracht. Das ist wichtig, weil der Fünfer sich ein gewaltiges Problem eingebrockt hat: Wo die Band vor zwei Jahren nämlich noch mit den üblichen Verdächtigen im Genre verglichen wurde, ist sie dieses Mal selbst die Referenz. Und auch ohne jegliches Gerede vom schwierigen dritten Album oder dem inzwischen fehlenden Überraschungseffekt: Die Latte liegt verdammt hoch.

Was also fängt man mit dieser enormen Erwartungshaltung an? Weiterentwicklung? Band auflösen? Stilwechsel? Stadionrock? "Chinese democracy?" Mitnichten. Die Antwort von Spanish Love Songs ist deutlich simpler: nichts. Das heißt ja noch lange nicht, dass "Brave faces everyone" nicht mehr als ein laues Aufgüßchen ist. Nur macht die Band abgesehen von der deutlich wuchtiger und ein klein wenig sauberer daher kommenden Produktion – übrigens tatsächlich die einzige hörbare Konsequenz des deutlich gewachsenen Bekanntheitsgrades – genau dort weiter, wo sie mit "Schmaltz" aufgehört hat. Sänger Dylan Slocum wirft sich noch immer mit aller Verve, die er aufbringen kann, in die zehn neuen Stücke und überhaupt landet man wieder genau bei den drei Worten, die man schon zum Vorgänger deklamiert hat: Melodien! Leidenschaft! Bock! "On any given day / I'm a six of ten", (von wegen!) wirft der Opener "Routine pain" nonchalant in den Raum, nimmt sich eine knappe Minute Zeit zum Warmwerden und läutet dann den nächsten wilden Ritt ein.

Als Hörer fragt man sich, wie zur Hölle die das schon wieder machen. Man kennt wirklich jede Zutat, mit der diese Band ihre Punkrockpilzrahmsuppe abschmeckt: Theatralik, Tragik, Dringlichkeit, Euphorie, unwiderstehliche Refrains und geradezu kindische Spielfreude. Trotzdem kann man sich nicht widersetzen, wenn das vorab veröffentlichte "Kick" zur Losung "The world's gonna kick you anyway" kommt und singt fast zwangsläufig mit. Für all diejenigen übrigens, denen das alles schon wieder nach zu viel Vollgas klingt, haben Spanish Love Songs ein paar angenehme Überraschungen im Gepäck. Auf "Brave faces everyone" hat die Band nämlich gelernt, auch mal Pause zu machen. Wenn auch stets nur kurz. "Beach front property" wird in aller Ruhe vorstellig und stellt seine atmosphärischen Strophen in scharfen Kontrast zum – na klar – massiven Refrain. Und "Dolores" darf kurz vor Schluß sogar über die volle Spielzeit Spaß an seinem verschleppten Tempo haben und gemächlich, aber zielstrebig ein kurzes wie ausladendes Finale vorbereiten.

Dabei beginnt das Finale auf Albumlänge streng genommen bereits bei "Losers". Was die Band nämlich von dort an auffährt, ist fast schon lachhaft stark: Fünf Songs am Stück, von denen man unmöglich endgültig bestimmen kann, welcher nun wirklich am besten ist. Sicher ist: Im Zusammenspiel ergeben sie gute 15 Minuten geradezu exaltierter Punkrock-Ekstase. "Losers" – dem übrigens die viel detailreicher und nuancierter klingende Neuaufnahme sehr gut getan hat – geht voran und gibt den offensichtlichen Hit, "Optimism (as a radical life choice)" schickt einen wuchtigen Kopfnicker hinterher, "Losers 2" etabliert sich als eine dieser astreinen Hymnen, auf die sich die Band so gut versteht, "Dolores" lässt seine Hörer etwas verschnaufen und "Brave faces, everyone" mobilisiert noch mal sämtliche Reserven, feiert die Rutsche mit aller Konsequenz raus und brennt dementsprechend ein Song gewordenes Feuerwerk ab. "We don't have to fix everything at once / We were never broken / Life's just very long / Brave faces everyone." Ein passendes Schlusswort unter ein wieder mal großartiges Album. Ganz egal, wo man "Brave faces everyone" jetzt genau im Vergleich zum Vorgänger einordnet: Reifeprüfung bestanden! Spanish Love Songs gehören jetzt zu den Großen.

(Martin Smeets)

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Highlights

  • Routine pain
  • Losers
  • Dolores
  • Brave faces, everyone

Tracklist

  1. Routine pain
  2. Self-destruction (as a sensible career choice)
  3. Generation loss
  4. Kick
  5. Beach front property
  6. Losers
  7. Optimism (as a radical life choice)
  8. Losers 2
  9. Dolores
  10. Brave faces, everyone

Gesamtspielzeit: 40:25 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

boneless

Postings: 4612

Registriert seit 13.05.2014

2022-05-31 20:50:56 Uhr
facebook:

Unfortunately, we have to cancel this summer's European tour. As you may know, a few members of the band have recently been battling covid. We waited as long as we could to make this decision, hoping the impacts to our health would ease. Unfortunately, they have not and we have to make this incredibly difficult choice. Refunds for our headline shows will be available at the point of purchase. Some of our best tour memories are from touring Europe, and we’ve been looking forward to this for some time. We’re absolutely devastated and the chance to play for you again cannot come quickly enough.

Wirklich sehr schade. :(

eric

Mitglied der Plattentests.de-Chefredaktion

Postings: 2687

Registriert seit 14.06.2013

2022-05-31 14:03:55 Uhr
Ja, menno. Richtig doof. :(

boneless

Postings: 4612

Registriert seit 13.05.2014

2022-05-30 20:46:39 Uhr
Fuck, das ist richtig scheiße. :/

Kai

Postings: 1712

Registriert seit 25.02.2014

2022-05-30 19:57:56 Uhr
Oh das ist echt schade.
Hätte mir das gern angeschaut.

Es ist echt immer noch der Wurm drin.

Foxing, The World Is a Beautiful Place und nun Spanish Love Songs...

Arne L.

Postings: 429

Registriert seit 27.09.2021

2022-05-30 18:27:54 Uhr
Europatour ist leider abgesagt, da mehrere Personen der Band kürzlich mit COVID zu kämpfen hatten. Bin richtig traurig, aber verstehe das natürlich.
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