Mighty Oaks - All things go

Mighty Oaks- All things go

BMG / Warner
VÖ: 07.02.2020

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Am Scheideweg

Spätsommer im letzten Jahr des vorherigen Jahrzehnts: Vor einigen hundert Zuhörern spielen Mighty Oaks auf dem Golden Leaves Festival in Darmstadt ein Akustik-Set. Die Temperaturen sind mild, hinter den Baumwipfeln geht die Sonne unter und taucht alles in ein angenehmes, warmes Licht. Menschen stehen zusammen, trinken, reden, hören zu. Vor allem hören sie zu. Denn für Momente wie diesen scheint die Musik des Berliner Trios gemacht: unaufdringlich und ergreifend, schlicht und schön. Musik, die bereits nach kurzer Zeit ein Gefühl von Intimität vermittelt und eine Stimmung post-hippiesker Zusammengehörigkeit beschwört. Für einen kurzen Augenblick scheint die Welt in Ordnung – eine schöne, tröstende Illusion. Man kann sich Momente wie diese vor Augen halten, wenn man zu verstehen versucht, wieso das jüngste Werk zu einer zwiespältigen Angelegenheit gerät. Ian Hooper, Claudio Donzelli und Craig Saunders stehen mit Album Nummer drei am Scheideweg: Während der Aufnahmen des Materials machte sich anscheinend Unzufriedenheit breit und schnell wurde der Truppe klar, dass es so wie bisher nicht weitergehen kann. Doch gleichzeitig fehlt eine überzeugende Vision für das, was an die Stelle des Bekannten treten soll.

Es lässt sich natürlich auch positiver ausdrücken: Mighty Oaks gehen neue Wege, machen sich frei von selbstgewählten Einschränkungen und Konventionen. "All Things go" ist, was die Instrumentierungen und Stilrichtungen angeht, deutlich facettenreicher geraten als die beiden Vorgänger. "Crazy" etwa scheut nicht vor überwältigenden Popgesten zurück und umarmt freudig den Mainstream. "Isn't it crazy / that we made it this far?" Verrückt, in der Tat. Der Folk der Anfangstage ist hier höchsten noch in Spurenelementen enthalten. Was an sich kein Problem wäre, nur scheitert es an der Umsetzung. Als Vertreter der mittlerweile abgeflauten Folk-Pop-Welle wiesen Mighty Oaks eine gewisse Eigenständigkeit auf – all den mitunter hämischen Vergleichen mit Mumford & Sons zum Trotz. Der Pop-Act erschöpft sich hingegen in schablonenhaftem Einerlei. Songs wie "I need you now" und "Tell me what you're thinking" plätschern ungeachtet aller Bemühungen nett vor sich hin – mehr aber auch nicht. Und fraglich ist auch, ob man der Band wirklich Mut zur Veränderung attestieren kann. Die bisherigen Fans werden vielleicht irritiert bis enttäuscht sein, aber die Chancen aufs Formatradio und die großen Hallen dürften steigen. Risiko sieht anders aus.

Alt hui, neu pfui? Auch auf die Gefahr hin, wie ein verbitterter Mecker-Opa zu klingen: Ja, so simpel ist es in diesem Fall. "All things go" gewinnt ausgerechnet an den Stellen, wo Mighty Oaks wieder die Akustikgitarren auspacken und sich auf ihre Stärken konzentrieren – angefangen mit dem wunderbaren Titelsong, der auch auf Dreamers" eine gute Figur abgegeben hätte. Es geht also doch. Stark auch das wabernde "Lost again", das mit der Zeit immer opulenter und größer wird. Ohne ganz große Spannungskurve, aber mit bezwingenden Melodien weiß dagegen "Aileen" zu überzeugen. Sind solche Songs jetzt eher die Ausnahme? Schwer zu sagen. Offenbar wissen Mighty Oaks selbst nicht so richtig, wohin die Reise gehen soll. Das Resultat ist eine Platte, die vor allem ziellos und unentschlossen wirkt – und die ihre Hörer einigermaßen ratlos zurücklassen wird. Wie nah das Gute und das Schlechte auf "All things go" beieinander liegen, zeigt sich beispielhaft noch einmal am Ende. Auf die pathetische Schmalzballade "Light the world on fire" folgt zum Abschluss mit "Kids" eine zurückhaltende Singer-Songwriter-Nummer, bei welcher der sanfte Klang der Gitarre und Hoopers charismatische Stimme perfekt ineinander greifen. "We can't let it go like this." Verrückt? Verrückt.

(Markus Huber)

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Highlights

  • All things go
  • Aileen
  • Kids

Tracklist

  1. All things go
  2. I need you now
  3. Tell me what you're thinking
  4. Forget tomorrow
  5. Lost again
  6. Aileen
  7. What you got
  8. Crazy
  9. Fly to you
  10. Light the world on fire
  11. Kids

Gesamtspielzeit: 38:02 min.

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User Beitrag

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 17895

Registriert seit 08.01.2012

2020-01-27 20:46:12 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

Meinungen?

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 17895

Registriert seit 08.01.2012

2019-10-22 18:10:34 Uhr - Newsbeitrag
Es gibt tolle Neuigkeiten von einer meiner Lieblingsbands: MIGHTY OAKS veröffentliche eine berührende neue Single, gehen mit dem Lumineers auf Tour und kündigen ihr drittes Studioalbum für 2020 an!


Hier geht’s zum Video:
MIGHTY OAKS "All Things Go"



Mighty Oaks – All Things Go (Single)
Eine Aufzugfahrt in München, die zwei Leben für immer verändert. Die aus zweien ein gemeinsames macht, ein volles, ein reiches Leben. Und ein vergängliches: in der neuen Mighty Oaks-Single ALL THINGS GO erzählt Ian Hooper die Liebesgeschichte seiner Eltern. Aber der Song ist mehr als das, er ist auch eine Parabel über die Schönheit und Vergänglichkeit des Moments. „Mein Vater war ein mittelloser amerikanischer Student in München, der von einer Fremden zu einer Party eingeladen wurde – und auf dem Weg dahin im Aufzug meine Mutter kennenlernte.“ Was darauf folgte war eine transatlantische Liebesgeschichte, zwei Kinder, und der frühe Krebstod von Hoopers Mutter.

In ALL THINGS GO lässt er diese Geschichte gemeinsam mit seinen Bandkollegen Craig Saunders und Claudio Donzelli wiederaufleben: „From Multyfarnham / All the way back to Gig Harbor / And I still feel your hands / Holding mine back”, singt Hooper, begleitet von zurückgenommenen Akustikgitarren, und lässt dabei die Orte seiner Kindheit und Jugend Revue passieren. “Das sind Orte in den USA und in Irland, die meiner Familie und mir viel bedeuten. Es ist schön, unser Leben so bildlich zu beschreiben”, erzählt er, “meine Familie wird sich wahrscheinlich ziemlich wundern, wenn sie den Song hören!”

ALL THINGS GO ist nicht nur ein berührender Song über die große Liebe, sondern auch eine ehrliche Reflektion über die Zerbrechlichkeit des Lebens, über Verlust und Abschied. “Der Tod ist ein wiederkehrendes Thema in unserer Musik”, sagt Hooper, “in diesem Song geht es darum, loszulassen. Manchmal tritt er früher ein, als man gewollt hätte. Das ist nicht unfair, das ist einfach das Leben.”

Mit dem neuen Stück kündigen die drei damit auch ihr drittes Album an, das 2020 veröffentlicht wird. “Wir haben lange darüber nachgedacht, ob wir wirklich ALL THINGS GO als erstes veröffentlichen wollen”, so Hooper. Schließlich entschied sich die Band doch für dieses intime Stück, weil es auch eine Brücke zwischen der letzten Akustik-EP und ihren neuen Stücken, dem neuen Kapitel der Bandgeschichte schlägt.

Eine Geschichte, die vor mittlerweile zehn Jahren in einem Berliner Wohnzimmer ihren Anfang nahm, zu zwei Alben und zig Tourneen geführt hat, auf Bühnen mit Kings of Leon, The Lumineers oder Chvrches. Ihr Geheimnis? “Wir sind drei Individuen, die alle gleich zentral sind für die Band. Jeder von uns hat eine starke Rolle. Unsere drei Persönlichkeiten und die drei Länder, aus denen wir stammen, definieren unsere Musik”, erklärt Hooper. “Wir sind Vollblutmusiker – es gibt keinen Frontmann, jeder von uns kann auch alleine eine Band tragen.”

Im November treten die Mighty Oaks als Special Guests auf der Europa Tour von The Lumineers auf, im Februar geht es auf eigene Europa Headline Tour, gefolgt von Nordamerika Terminen im Frühjahr. Im Gepäck ihr neues Album – und natürlich auch ALL THINGS GO. Denn das Leben ist zu kurz, um die besonderen Momente einfach nur vorbeiziehen zu lassen.

Daten: Special Guest @ The Lumineers 2019
01.11. Lisbon, Campo Pequeno Bullring
02.11. Madrid, Wizink Center
04.11. Milan, Alcatraz
06.11. Switzerland, Zurich Halle 622
07.11. Munich, Zenith
09.11. Vienna, Gasometer
10.11. Prague, Forum Karlin
13.11. Hamburg, Sporthalle
14.11. Berlin, Verti Music Hall
16.11. Brussels, AB
18.11. Utrecht, Tivoli Ronda
19.11. Cologne, Palladium
20.11. Paris, Zenith

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