Eminem - Music to be murdered by

Eminem- Music to be murdered by

Aftermath / Interscope / Universal
VÖ: 17.01.2020

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Lasse redn

Eminem ist zurück. Schon wieder. Und er will reden. Bereits im Intro zu "Music to be murdered by" macht er klar, dass er den Backlash zu "Revival" immer noch nicht ganz überwunden hat. Das als Rebound gedachte "Kamikaze" kommt in diesem Licht schlechter weg als nötig gewesen wäre. Ein Album mit Rechtfertigungen zu eröffnen, ist so oder so eine fragwürdige Entscheidung. Wobei auch der eigentliche erste Track "Unaccomodating" keine leichte Kost darstellt. Altbackene Referenzen treffen auf ein lahmes Instrumental, den Tiefpunkt stellt dann eine dümmliche Line hinsichtlich des Anschlags bei einem Ariana-Grande-Konzert dar, Schussgeräusche inklusive. Nicht lustig. Der Elefant im Raum möchte vorgestellt werden: Irgendwann vor vielen Jahren hörte Eminems Musik auf, Spaß zu machen. Lockerheit und Biss wichen Krampf und Bitterkeit. Seitdem irrt der MC durchs Niemandsland.

Ein großer Fehler besteht darin, dass Marshall Mathers Musik noch immer mit Sport verwechselt. Nun gehört die Selbstbeweihräucherung der eigenen Skills zum Rap wie die Wurst zur Stulle, jedoch weiß mittlerweile jeder, wie fähig Eminem ist. Paradebeispiel für diese Zwickmühle ist "Godzilla". Auf einem bouncenden Beat breitet der ehemalige Slim Shady seine üblichen Attacken aus, ehe er gegen Ende versucht, "Rap god" zu überbieten. Das erinnert eher an den Mitschnitt eines Schnellsprechwettbewerbs als an Musik. Technisch beeindruckend, aber emotional völlig nichtssagend. Da hilft auch der gelungene Beitrag des viel zu früh verstorbenen Juice WRLD nichts. In eine ähnliche Kerbe schlägt "Little engines", das zwar zum Kopfnicken einlädt, sich bei genauerem Hinhören als ziemlich inhaltsleeres Geblubber entpuppt. Immerhin scheint hier Dr. Dre seine Finger im Spiel gehabt zu haben, was das clevere Instrumental erklärt.

Noch schlimmer wird es, wenn sich zu uninspirierten Raps hanebüchene Features gesellen. Schon auf "Revival" sorgte Ed Sheerans Gastauftritt für Stirnrunzeln. Weshalb er sich ausgerechnet auf den Clubsong "Those kinda nights" verirrt hat, bleibt sein Geheimnis. Auch die unvermeidliche Skylar Grey hinterlässt in "Leaving heaven" eine Schneise der Verwüstung. Und Eminem? Würde gerne brandroden, kommt aber nicht über ein Strohfeuer hinaus. Es regiert Indifferenz. Sehr viel davon. Die Entscheidung, wieder ein 20 Tracks umspannendes Album zu veröffentlichen, kann nur als fragwürdig bezeichnet werden. Zwar ist die zweite Hälfte musikalisch deutlich kohärenter als die erste, wer zu den guten Songs gelangen will, muss jedoch erst einmal das unerträgliche "Stepdad" und das weinerliche "Marsh" überwinden. Überragend ist hingegen das mit Anderson .Paak entstandene "Lock it up", das in seiner vernebelten Verpeiltheit angenehm zeitgemäß wirkt.

Er könnte ja auch, wenn er denn wollte. "Darkness" erzählt in beeindruckenden Bildern von dem Las-Vegas-Attentat des Jahres 2017. Aus der Perspektive des Täters natürlich, Schuster und so. Dies wird mit einem Zitat von "The sound of silence" zu einem bedrückenden Song verwoben. Hier stellt sich Gänsehaut ein, weil endlich Form und Inhalt zueinanderfinden. Auch "You gon' learn" gelingt dieses Kunststück. Hook und Vers gehen perfekt ineinander über, während Eminem eine der besten Strophen seiner Karriere abliefert. Oldschool-Fans dürften sich auch über "Yah yah" freuen. Gemeinsam mit Royce Da 5'9", Black Thought, Q-Tip und Denaun zelebriert Eminem die hohe Kunst des Posse-Tracks, während der Beat das unzerstörbare "Woo hah!! Got you all in check" von Busta Rhymes zitiert. Das macht Spaß. Aber was hilft eine Handvoll gelungener Tracks? Im Prinzip hat Eminem schon wieder versucht, "The Marshall Mathers LP" neu aufzunehmen. Und ist dabei wie immer eindrucksvoll gescheitert.

(Christopher Sennfelder)

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Highlights

  • You gon' learn (feat. Royce Da 5'9" & White Gold)
  • Darkness
  • Yah yah (feat. Royce Da 5'9", Black Thought & Q-Tip)
  • Lock it up (feat. Anderson .Paak)

Tracklist

  1. Premonition – Intro
  2. Unaccommodating (feat. Young M.A.)
  3. You gon' learn (feat. Royce Da 5'9" & White Gold)
  4. Alfred - Interlude
  5. Those kinda nights (feat. Ed Sheeran)
  6. In too deep
  7. Godzilla (feat. Juice WRLD)
  8. Darkness
  9. Leaving heaven (feat. Skylar Grey)
  10. Yah yah (feat. Royce Da 5'9", Black Thought & Q-Tip)
  11. Stepdad - Intro
  12. Stepdad
  13. Marsh
  14. Never love again
  15. Little engine
  16. Lock it up (feat. Anderson .Paak)
  17. Farewell
  18. No regrets (feat. Don Toliver)
  19. I will (feat. Kxng Crooked, Royce Da 5'9" & Joell Ortiz)
  20. Alfred – Outro

Gesamtspielzeit: 64:24 min.

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User Beitrag

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 18071

Registriert seit 08.01.2012

2020-01-27 20:44:24 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

Meinungen?

Toxic Toast

Postings: 64

Registriert seit 05.09.2016

2020-01-18 20:14:38 Uhr
Alleine "Remind Me" von Revival rechtfertigt schon die Bewertung. Unfassbar mies.
Die neue macht aufs erste hören nen ganz okayen Eindruck.

The MACHINA of God

User und Moderator

Postings: 21979

Registriert seit 07.06.2013

2020-01-18 02:56:43 Uhr
Wow. "Revival" hat 1.05 auf rym bei knapp 5.000 Ratings. Das ist die tiefste Wertung, die ich je dort gesehen habe. :D Wie schafft man das? Da muss ich reinhören!

Mister X

Postings: 3246

Registriert seit 30.10.2013

2020-01-18 02:43:56 Uhr
Musiker sollten wissen wann ihr Zenit überschritten ist.

manfredson

Postings: 385

Registriert seit 14.06.2013

2020-01-18 01:25:15 Uhr
Hm, joa. Bin so gut wie durch - Ersteindruck: Auf jeden Fall besser als "Revival", mit "Kamikaze" kann ich es nicht so richtig vergleichen, weil ich dieses Album nicht losgelöst von seinem Charakter als beleidigte "Ihr mochtet mein letztes Album nicht"-Platte sehen kann. :D MTBMB hat ein paar richtig coole, eher wieder oldschoolige Beats, aber auch einiges an Mist. Ein paar technisch sehr beeindruckende Parts sind dabei, die Features sind überwiegend gut gewählt und oft erstaunlich prominent im Song vertreten. Singen kann Eminem immer noch nicht, tut es aber leider immer noch. Keine Ahnung, das Album ist keinesfalls so ein großes Ärgernis wie "Revival", aber so richtig gebraucht hätte das auch keiner.
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