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Mill - Laundromat

Mill- Laundromat

bluNoise / One Take / Alive
VÖ: 30.07.2003

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Waschbeton

In Koblenz wird man vermutlich gleich mit breiten Gitarren im Kreuz geboren. Verzichten wir jedoch lieber darauf, die deswegen im Kreißsaal des dortigen Krankenhauses zu vermutenden Auswirkungen zu betrachten, und widmen uns lieber dem jüngsten Sproß melancholisierten Gebratzes aus dem Südwesten. Mill versuchten sich schon mit ihrem eher derben Debüt "Vertebra" an der Verheiratung von Lärm und Melodie. Doch erst mit dem Nachfolger "Laundromat" und der Einkehr der Überlegtheit wissen sich die zarten Harmonieknospen richtig zu entfalten.

Dabei verstecken sich die Gitarrenbreitseiten der Koblenzer natürlich auch weiterhin nicht hinter schnödem Wohlklang. Schon wenn der Verzerrer dem schwermütigen Geplänkel zum Start von "Paradox" plötzlich auf die Schulter klopft, spürt man, daß man sich hier weiterhin lautstark zu Wort meldet und auch noch etwas zu sagen hat. Denn es sind längst nicht mehr nur volumenfeste Versatzstücke, die einem hier um die Ohren flattern. Im stetig wachsenden "Sweltry" und im orchestralen Schauer "Spacebar" knabbern die Leidenschaften fleißig am Lärm. Und entblößen am Ende eine verschüchterte Seele, die sich an den letzten Hoffnungsschimmer klammert. "They told me that my soul will be saved / When I get to paradise."

Das gelegentlich gen Seattle schielende Wechselspiel zwischen Laut und Leise wirkt dabei ähnlich vertraut wie das an den Kollegen von Scumbucket geschulte Harmonieverständnis. Doch die Herren Diehl, Marker und Lösch pausen nicht bloß ab. Sie bauen sich ihre eigenen Klangmauern. Schicht um Schicht türmen sich aufgerissene Gitarren und unruhiges Moll übereinander. Ehrfürchtig werfen die Melodien einen Blick nach oben. Jetzt nur nicht verzagen! Doch dafür haben Mill längst genug Erfahrung. Da wird ein lockerer Schunkler wie "Dorbeetle" eingestreut, um gute Miene zum grimmigen Spiel zu machen, und ein selbstbewußter Tieftöner namens "Apollo" zerlegt die verbliebene Zurückhaltung. So darf mal gerne stolz auf die eigenen Ecken und Kanten sein. Auch wenn sie manchmal doch noch so klingen, als gehörten sie jemand anderem.

(Oliver Ding)

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Highlights

  • Sweltry
  • Spacebar
  • Apollo
  • Dorbeetle

Tracklist

  1. Paradox
  2. Sweltry
  3. Spacebar
  4. 45°
  5. Apollo
  6. Pasadena
  7. Nudge
  8. Mantis
  9. Dorbeetle
  10. Laundromat
  11. Aliak
  12. Skuff
  13. Soma

Gesamtspielzeit: 46:48 min.

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