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Blossoms - Foolish loving spaces

Blossoms- Foolish loving spaces

Caroline / Universal
VÖ: 31.01.2020

Unsere Bewertung: 4/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Flutschfinger

Durch einen Fehler beim Upload trug diese Rezension die ersten 24 Stunden die Bewertung 7/10. Korrekt ist aber 4/10.

Wirft man die Glotze an, oder scrollt durch Streaming-Portale und Mediatheken, bekommt man die Action-Packung anno 2020 vor allem in Form von realen Nachrichten aus aller Welt. Schlimmer ist es geworden, aber nun ja, die Wirtschaft muss brummen, und Waffen bringen eben schlimm viel Kohle. Trotz all der Bilder von Zerstörung und Leid in den Krisenregionen der Welt, scheint Kriegsarsenal für viele Mächtige ein mehr denn je begehrtes Produkt zu bleiben. Das muss man nicht verstehen. Und natürlich darf man gegen Krieg und Gewalt protestieren – man sollte sogar! Aber hier drängt die Frage nach der Art und Weise und das Unbehagen darüber, dass die Pop-Industrie als Gegenreaktion den Rückzug ins unpolitische, gefühlsbeduselte Schmusegemach mit beinah ebenso bedenklicher Gewalt praktiziert. Im UK scheint der Trend nicht ganz so stark wie hierzulande, dennoch wundert man sich über eine schmierig-befremdliche Pop-Platte wie den Drittling von Blossoms.

"Foolish loving spaces" dreht sich beinahe ausschließlich ums Private, und – wer hätte es geahnt? – um die Liebe. Nun sind die im UK recht beliebten Britpop-Jungs auch nie für brachiale oder zutiefst staubige Gitarrenmusik bekannt gewesen, und Pop-Musik darf zu jeder Zeit und mit jeder Pore auch Pop-Musik sein. Nach wie vor hat der Fünfer das auch ordentlich drauf, wie das Bowie-eske, leicht shoegazige "My swimming brain" zeigt. Der Haken ist: Blinkt der Glitzer-Anzug zu grell, kann er noch so gut sitzen, denn dann geht die Coolness einer Band ein Stückweit verloren. Denn "Foolish loving spaces" ist verdammt flutschiges Material, dessen konzeptionellen Ansatz zum Beispiel Phoenix mit "Ti amo" besser und – trotz ähnlicher Schmonzettenhaftigkeit – mit weniger Nervfaktor hinbekamen.

Das Manko des Albums offenbart bereits der Opener mit breitester Brust: "If you think this is real life" ist mit einer an sich guten Melodie und einer, nun ja, ins Ohr gehenden Hook gesegnet, aber was passiert da im Hintergrund? Oder besser: Was zum Teufel passiert nicht?! Zu den alles überbordenden Synthies zirpt, klimpert und klackert es in Rhythmus- und Chaos-Takt, die eher zur Südsee-Safari mit Blumenkette passen denn ins Vereinigte Königreich. Auch "The keeper" ist kompositorisch nichts vorzuwerfen, würden es Blossoms nicht auch dort in den Nuancen übertreiben. So erlebt der Track nach fein souliger Strophe, wie sein Siebzigerjahre-Pop-Vibe von unnötig fett gekleisterten, gospelartigen Chören aus der für den Abend angemessenen Garderobe bugsiert wird.

Der Achtzigerjahre-Pop-Touch vieler Stücke ist indes nicht nur en vogue und gewollt, er stand bereits in der Visitenkarte des Vörgängers "Cool like you". Und das klingt dann mitunter wie im The-Kooks-vs.-ABBA-Verschnitt "Falling for someone": gar nicht mal schlecht, aber wie "Sunday was a friend of mine" doch auch irgendwo unspektakulär. Tja, und wenn man beim Hören von "Foolish loving spaces" denn einmal so richtig wach wird, dann eher mit Negativ-Effekt. Dann knallen Blossoms einem gerade solch käsig-schlimmen Kram wie "Oh no (I think I'm in love with you)" um die Lauscher, bei dem die billigen Lyrics gegenüber der musikalischen Umrahmung quasi das kleinere Übel darstellen, und The Killers' "Human" im Vergleich ein echt guter Song ist. Wäre da nicht der angenehm spacige und zart düstere Closer "Like gravity", der den Schmalz und die Liebesbotschaften ein wenig von Wolke acht zurück in Richtung harsche Realität führt, es stünde schlimm um Blossoms. Und nun? Nachrichten gucken.

(Eric Meyer)

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Highlights

  • My swimming brain
  • Like gravity

Tracklist

  1. If you think this is real life
  2. Your girlfriend
  3. The keeper
  4. My swimming brain
  5. Sunday was a friend of mine
  6. Oh no (I think I'm in love)
  7. Romance, eh
  8. My vacant days
  9. Falling for someone
  10. Like gravity

Gesamtspielzeit: 34:22 min.

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User Beitrag

Armin

Plattentests.de-Chef

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Registriert seit 08.01.2012

2020-01-28 19:44:09 Uhr
Durch einen Fehler beim Upload trug diese Rezension die ersten 24 Stunden die Bewertung 7/10. Korrekt ist aber 4/10.

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 18872

Registriert seit 08.01.2012

2020-01-27 20:43:51 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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