Wolf Parade - Thin mind

Wolf Parade- Thin mind

Sub Pop / Cargo
VÖ: 24.01.2020

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Drei drei drei

Liebe Plattentests.de-Leser, steht Ihr auch so auf Zahlen? Wir schon. Mehr noch: Wir fahren da voll drauf ab! Sagt die Jugend von heute doch noch so, oder? Abfahren? Wie dem auch sei – kaum etwas macht uns mehr Spaß als das Nummerieren und Zählen von Dingen. Wie toll also von Wolf Parade, dass sie uns pünktlich zum Jahreswechsel und der Veröffentlichung ihres neuen Werkes "Thin mind" eine derartige Freude bereiten. Da klatscht glatt die halbe Redaktion in die Hände: EIN neues Album! ZWEI Sänger! DREI verbliebene Bandmitglieder! VIER Jahre nach ihrer Reunion! FÜNF Platten nun in der Diskografie! Wenn das alles mal kein Grund zum absoluten Ausflippen ist. Sagt man doch so? Ausflippen?

Die Drei ist dabei vielleicht die wichtigste Zahl von allen. Nach dem Ausstieg von Bassist Dante DeCaro im Februar 2019 sind Wolf Parade zum Trio geschrumpft, drei Jahre ist es her, seit sie mit "Cry cry cry" ihr Comeback zelebriert haben. Keinen Grund zum Heulen gibt es auf "Thin mind", so richtig zum Feiern aber auch nicht. Dabei macht das gute Stück auf den ersten Blick quasi alles richtig: Zehn Songs in etwas unter einer Dreiviertelstunde (Zahlen ♥), eine gelungene Mischung aus Pomp-Pop, Synthie-Süße und Rumpel-Rock, eine bestens gelaunte Band sowieso. Dennoch kommt "Thin mind" stellenweise nicht so recht aus dem Quark.

Ob es an den geminderten Kapazitäten liegt? Möglich. Dabei funktionieren die Kanadier auch mit nur drei Mann gut, wie etwa die Single "Julia take your man home" beweist: Spencer Krug, der hier seltenerweise mal eine der Haudrauf-Nummern besingen darf, die sonst gern an den Kollegen Dan Boeckner gehen, macht eine außerordentlich gute Figur. Ausladend und breitbeinig gibt sich das Teil und steigert das Interesse noch, das der Opener "Under glass" gekonnt geweckt hat. Die elektrifizierte Space-Oper "The static age" rockt als Albumtrenner den Putz von den Wänden und sorgt insbesondere in seinem grandiosen Finale für Jubelstürme an Bord des Raumschiffs, während "Against the day" den Hörer new-wavig in ein Achtzigerjahre-Spiel entführt und sich dort als eigentlicher Endgegner entpuppt. Vorbeikommen ausgeschlossen, die Flucht ist unmöglich. Aber auch eh nicht gewollt.

Was also stört an "Thin mind"? Wahnsinnigerweise nichts so richtig. Und doch bleibt man an dem einen oder anderen Punkt unangenehm hängen. Wenn etwa "Wandering son" nicht über seine recht lahmen und in Papas Plattenkiste längst müde gehörten Classic-Rock-Anleihen hinwegkommt. Und dann auch noch seinen großen Moment in der zweiten Hälfte erst unnötigerweise in die Länge zieht und schließlich die letzten Sekunden vorm Ausfaden nicht mal mehr ausnutzt oder mit Leben füllt. Oder wenn sich das wirklich spannend beginnende "Forest green" mittendrin plötzlich in belangloser Kinderserien-Melodik verliert und den Weg nicht mehr hinausfindet. Es sind keine unüberwindlichen Stolpersteine, die "Thin mind" unhörbar machen, und vielleicht ist man als Wolf-Parade-Fan auch einfach etwas verwöhnt. Immerhin gibt es "Town square" sei Dank einen fulminanten Abschluss, bei dem jegliches Feuerwerk abgefackelt wird, das von Silvester noch übrig war. Eins, zwei, drei. Alles wieder vorbei. Wir freuen uns aufs nächste Mal.

(Jennifer Depner)

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Highlights

  • Under glass
  • The static age
  • Town square

Tracklist

  1. Under glass
  2. Julia take your man home
  3. Forest green
  4. Out of control
  5. The static age
  6. As kind as you can
  7. Fall into the future
  8. Wandering son
  9. Against the day
  10. Town square

Gesamtspielzeit: 42:43 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

MrMan

Postings: 24

Registriert seit 05.09.2019

2020-01-31 16:28:37 Uhr
Das Album bockt. Die Bewertung finde ich bisschen zu schlecht. Für mich ist das bis jetzt eine 7.5.
Ich hätte in den Hightlights andere Songs eingefügt, wie z. B. Wondering Son. Das Lied finde ich schon sehr toll.

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 16794

Registriert seit 08.01.2012

2020-01-19 20:47:26 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

Meinungen?

Samuel Herring

Postings: 1

Registriert seit 22.08.2019

2020-01-18 11:07:27 Uhr
Bin auf die Rezension gespannt und freue mich aufs Konzert in Berlin.
Thin Mind ist ja nun schon eine Zeit auf Albumlänge geleakt und wirklich solide.

Ich habe aber mehr den Weg von Dan Boeckner verfolgt und favorisiere seine Einflüsse bei Wolf Parade. Mag entsprechend eher mehr Handsome Furs, Divine Fits und aktuell die Operators.

Den Weg von Spencer Krug mit Sunset Rubdown und Swan Lake war eher weniger der meine. Kam dann noch was? Gefühlt ist da doch seit einigen Jahren bis zur WP Reunion Ruhe gewesen.

Unangemeldeter

Postings: 173

Registriert seit 15.06.2014

2020-01-11 08:51:02 Uhr
Die waren irgendwie nie meine Band, obwohl ich Spencer Krug oder v.a. Sunset Rubdown sehr liebe. Aber mit Wolf Parade probiere ich es regelmäßig so 1-2x im Jahr, und bislang vergebens.

MrMan

Postings: 24

Registriert seit 05.09.2019

2020-01-10 20:36:23 Uhr
Das gefällt mir ziemlich gut.
Ach, was freue ich mich die Band in Köln spielen zu sehen.
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