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That Dog - Old LP

That Dog- Old LP

That Dog P&D / Universal
VÖ: 04.10.2019

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

154 Hundejahre

"Armin ist schuld." Eine Aussage, die in den heiligen Hallen des vollverglasten Redaktionskomplexes von Plattentests.de öfters fällt. Meist in Bezug auf die Brandflecken, die seine Zigaretten auf den teuren Designersofas in der Empfangslounge hinterlassen oder die extra angefertigten Pilzrahmsuppenteller, die sich ungespült im Küchenbereich stapeln. Zuletzt fielen diese Worte jedoch auch in einem anderen Kontext: Das Comeback-Album der in den Neunzigerjahren recht beliebten Indietruppe That Dog ist dem Chef nämlich irgendwie komplett durchgerutscht. Und das können und wollen wir natürlich nicht so stehen lassen. Darum gibt es hier mit einiger Verspätung dann doch noch eine Rezension zur vierten Platte der Band aus Kalifornien, schlicht "Old LP" betitelt, die gleichzeitig die erste seit 22 Menschenjahren ist.

Anfang der Neunzigerjahre gründete sich die Band um Frontfrau Anna Waronker und erlebte im allgemeinen Grunge- und Collegerock-Hoch auch einen kleinen Hype, wenngleich nie der ganz große Durchbruch folgen sollte – trotz Plattenvertrag beim damals wohl wichtigsten Musiklabel weltweit: Geffen. Nach drei Alben in fünf Jahren war dann auch schon wieder Schluss mit That Dog. Die Band löste sich 1997 auf und fand erst 2011 wieder zusammen, ohne jedoch direkt eine neue Platte in Angriff zu nehmen. Die Mühlen mahlen in diesem Fall also etwas langsamer, aber das Warten sollte sich letztlich bezahlt machen: "Old LP" ist eine klassische Indierock-Platte, schnörkellos und ohne Schnickschnack, die auf sympathische Art und Weise recht aus der Zeit gefallen wirkt. Kann man ja immer gut gebrauchen, so etwas.

"Your machine" startet zunächst sachte und fast schon balladesk, "Uh-oh"-Chöre erklingen im Hintergrund, langsam baut sich in den knapp drei Minuten eine Spannung auf, die sich gen Ende immer weiter intensiviert. That Dog stecken soundästhetisch immer noch in den Neunzigern, schicken freundlich-garstige Grüße aus der Zeitkapsel. Gitarrenmusik war damals noch der Nukleus der Popkultur. Die Gitarre ist auch auf "Old LP" die zentrale Kraft, der Albumtitel deutet den Anachronismus dieser Musik bereits sehr treffend an. That Dog wissen selber am besten, dass sie im Jahr 2020 wohl keinen Innovationspreis erhalten. Umso wichtiger ist, dass die Songs in ihrem Metier, in ihrem eigenen Referenzrahmen, schlüssig sind. Und da lässt sich mit einiger Gewissheit feststellen: sind sie.

Das kurze "Drip drops" erzeugt in zweieinhalb Minuten eine Dramatik, die sich Tegan And Sara gerne abschauen dürfen und das süffige "Down without a fight" rüpelt sich mit spitzen Ellenbogen durch die Menge, ohne Rücksicht auf Verluste oder blaue Flecken. "Never want to see your face again" klingt in der Folge wie die sentimentale Collegerock-Hymne, die jedem Indie-Nostalgiker ein glückseliges Lächeln aufs bärtige Gesicht zaubern dürfte. Das Beste folgt jedoch zum Schluss: Der finale Titeltrack beginnt mit triumphalen Bläsern und Streichern, Regina Spektor ploppt als Referenzgröße auf. Es geht gänzlich melodiös zu, That Dog zelebrieren ihr Comeback hier mit geschmackvollem Pomp und großzügiger Pop-Verliebtheit. Sollte man sich also wirklich nicht entgehen lassen. Nicht wahr, Armin?

(Kevin Holtmann)

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Highlights

  • Bird on a wire
  • If you just didn't do it
  • Old LP

Tracklist

  1. Your machine
  2. Just the way
  3. Bird on a wire
  4. Drip drops
  5. If you just didn't do it
  6. When we were young
  7. Alone again
  8. Down without a fight
  9. Never want to see your face again
  10. Least I could do
  11. Old LP

Gesamtspielzeit: 39:56 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

Telecaster

Postings: 971

Registriert seit 14.06.2013

2020-01-20 20:57:32 Uhr
Fein. Jetzt noch Imperial Teen, Redd Kross, die Muffs und GospelbeacH hinterher. Habt ihr auch alle überhört.

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 18830

Registriert seit 08.01.2012

2020-01-19 20:47:00 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

Meinungen?

Armin ist schuld.

Telecaster

Postings: 971

Registriert seit 14.06.2013

2020-01-08 16:49:07 Uhr
Weiß nicht mehr genau, wo ich die LP bestellt habe, aber ich hab mit Porto nicht viel mehr als 25,- Euro bezahlt. Unsigniert.

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 18830

Registriert seit 08.01.2012

2020-01-02 22:20:23 Uhr
Jetzt erst gemerkt, dass dieses Album erschienen ist.

Die nehmen für die Vinyl signiert 60$, unsigniert 30$? Hm ...

doept

Postings: 386

Registriert seit 09.12.2018

2019-10-08 18:53:07 Uhr
Das mit Shows hier wäre zu schön, aber daran zu glauben fällt mir eher schwer.
Ich vermute sie waren noch nie in Europa auf Tour, und wieviele Leute sie aktuell noch kennen/hören ist schwer einzuschätzen.
Aber lase mich gerne überraschen!
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