Frances Quinlan - Likewise

Frances Quinlan- Likewise

Saddle Creek / Rough Trade
VÖ: 31.01.2020

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Es geht ihr gut

Frances Quinlan geht's gut, das darf man so wohl vermuten, wenn man die erste Platte anhört, die sie solo und unter eigenem Namen aufgenommen hat. "Likewise" ist über weite Strecken sehr sonnig und wandelt damit auf dem Pfad, den bereits das letzte Hop-Along-Album "Bark your head off, dog" so halbwegs eingeschlagen hatte. Einerseits vermisst man dabei die verzweifelt-aggressiven Ausbrüche Quinlans, die sie durch ihr massives Organ immer zu ganz besonderen Musikmomenten machte, andererseits will man ihr es auch gönnen, dieses Hochgefühl. Denn es ist schon arg schön, wie Quinlan in der Erstauskopplung "Rare thing" ihrer kleinen Nichte im Traum erklärt: "There is love that doesn't have to do with taking something from somebody." Der Sound wabert dabei in 80er-Manier mit Synthies und elektronischem Beatschlag um den Gesang. Da kann man dann zum Beispiel an Chvrches denken, insbesondere im Refrain, wo gesampelte Saiten Quinlans Verse umschwingen. Die zweite Strophe gibt sich dann organischer, und auch das passt super, vor allem das Schlagzeug spielt besonders angenehm auf.

Ansonsten ist das musikalische Setting auf "Likewise" näher an dem, was man so erwartet. Es ist im Vergleich zu Hop Along zwar weniger voll aufgezogen, dennoch fährt es einen angenehmen pop-rockigen Bandsound auf, an dem auch Hauptbandkollege Joe Reinhart mitgearbeitet hat. Es beginnt mit "Piltdown man" und undeutlichem Kinderstimmengewirr, bevor Quinlan mit einer verzerrten Orgel einsteigt und den anfangs zerfetzten Sound immer mehr zu einer Melodie formt, die schließlich so großartig ist, dass man direkt Bock auf dieses Album bekommt. Anderswo ist es wie in der dritten Single, dem frühlingshaften "Your reply", ein Piano, das den Song prägt, im verträumten "Detroit Lake" hingegen sind Glockenspiele und Streicher mit von der Partie, die auch im romantischen "Lean" eine Hauptrolle spielen. In "A secret" untermalt bis kurz vor Schluss nur eine gezupfte Gitarre oder Autoharp die Zeilen Quinlans. An dieser Stelle zeigt sich die Stimmgewalt Quinlans auch einmal ganz wunderbar, wenn ihr sie ihr Gemüt ganz dem gesungenen Text unterordnet und schneller wird, dann wieder langsamer, lauter und leiser.

Noch mehr gilt das für "Went to L.A.", dessen Melodie an Elliott Smith erinnert, das aber zwischendurch all das von sich wirft und sich in der gesanglichen Ausmalung immer weiter ins Bodenlose steigert. "Heaven is a second chance", kreischt Quinlan frohen Mutes zum Ende des Songs, wenn sie in Los Angeles endlich wieder ihren Glauben wiederfindet. Das einzige etwas düsterere Stück ist die zweite Auskopplung "Now that I'm back", in welcher Quinlan durch den Vocoder keift, während drumherum ein ordentlicher Wind aus Synthies pfeift wie der Kater-Kopfschmerz aus der ersten Strophe. Nach knapp zwei Minuten bricht der Sound, die Drummachine drückt nach vorn, mit der Gefühlslage werden auch die Synths weicher, Ballons steigen auf. Ähnlich präsentiert sich zunächst auch der Closer "Carry the zero", zumindest bis eine heftig verzerrte E-Gitarre die luftige Atmosphäre zerschneidet und in der Folge ein funkiger Basslauf den Sound dominiert. In dream-poppiger Atmosphäre und mit "Ba-ba-ba, ba-ba-ba"-Chören bringt Quinlan "Likewise" würdig zu Ende. Wurde schon erwähnt, dass es ihr gut geht?

(Pascal Bremmer)

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Highlights

  • Piltdown man
  • Rare thing
  • Went to L.A.

Tracklist

  1. Piltdown man
  2. Your reply
  3. Rare thing
  4. Detroit Lake
  5. A secret
  6. Went to L.A.
  7. Lean
  8. Now that I'm back
  9. Carry the zero

Gesamtspielzeit: 34:38 min.

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User Beitrag

saihttam

Postings: 1571

Registriert seit 15.06.2013

2020-02-24 18:32:54 Uhr
Gefällt mir auch gut. Bleibt nur geringfügig hinter dem Bandoutput zurück.

Gordon Fraser

Postings: 1622

Registriert seit 14.06.2013

2020-02-21 23:40:32 Uhr
Sehr nah dran an der Hauptband, aber das ist bei Soloprojekten von BandleaderInnen ja oft so. Hört sich gut weg.

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 18046

Registriert seit 08.01.2012

2020-01-19 20:46:05 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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