Caspian - On circles

Caspian- On circles

Triple Crown / Membran
VÖ: 24.01.2020

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Das Gebirge bleibt stehen

Caspian aus Massachusetts haben sich frei geschwommen. Der sechsköpfigen Band wurde gerade zu Beginn ihrer Karriere öfter vorgeworfen, dass ihr Post-Rock doch sehr konform sei, absolut nichts Neues wage. Davon ließen sich Caspian nicht beeindrucken, waren sich vielmehr ihrer Stärken bewusst, die irgendwann zum Tragen kommen würden und die da wären: ein unheimlich versiertes Spiel mit Dynamiken und ein geschmackvoller Blick für das atmosphärische Detail. Dies sind Tugenden, die man in hohem Maße auch auf Caspians fünften Longplayer "On circles" findet und die dafür sorgen, dass Innovation und Neuausrichtung zwar auch hier weitestgehend ausbleiben, dafür aber eine unheimlich packende Narration geboten wird.

Es geht bereits in "Wildblood" los, das Bemühen um den vielfältigen, variablen Klang. Im Zentrum steht zwar ein eingängiges Haupt-Riff, so richtig schön wird der Song aber erst durch Nuancen wie das weiche Bläserspiel zu Beginn, welches die nächtliche Straßenbeleuchtung in einer Pfütze wider zu spiegeln scheint. Auch fein ist, wie das Schlagzeug dezente Breaks einstreut, die dem ganzen Song in seiner Gerichtetheit kleine Abstecher zur Seite, raus aus dem unmittelbaren Strom gewähren. In "Flowers of light" gastiert dagegen eine unsentimentale Mandoline, die ein unbedarftes Fließen in Schichten aus trockener Wehmut packt. Trotz des leichten Druckes einer diffusen Melancholie scheint dieses Stück in hellem Glanz zu strahlen und zu schweben, während die Rhythmusgruppe für Richtung und Druck sorgt. Natürlich findet man auch hier die für den Post-Rock typische Zuspitzung und Dramatisierung, doch eben durch hell klingende Instrumente erzeugt.

Gesungen wird auf "On circles" übrigens sehr selten, was den Vorteil hat, dass die Vocal-Parts etwas Besonderes bleiben und sich nicht abnutzen. Kyle Durfeys Gesang in "Nostalgist" scheint geschult durch den schluffigen Emo der frühen Nuller-Jahre, immer mit dem resignativen Blick auf ruhige Wasserflächen. Der Ausbruch geschieht in der Folge im harmonischen Einklang mit den Gitarren, gemeinsam schwingt man sich hoch zur Verzweiflung, in der man eine Befreiung sucht. Auch dies ist nicht neu aber eben in seiner makellosen Ausführung bemerkenswert und berührend. Da passt es auch, dass die Bandmitglieder von diesem Album nicht behaupten, dass es ein alles erneuerndes Lebenselixier sei, welches neue Perspektiven oder gar Existenzansätze umsonst mitliefere.

Und so brechen hier nicht explosionsartig Bergmassive auseinander, die Stücke von "On circles" tragen ihre Höhepunkte und ihre Majestätik eher als logische Folgerungen eines ständigen Indeinanderfließens der Elemente in sich. Ein Song wie "Onsra" genießt sichtlich das Auskosten auch milder Atmosphärik, bekommt aber immer einen lebendigen Druck vom Schlagzeug dargeboten, so dass eine harmonische Natürlichkeit die Folge ist. Auch die brüchigen Streicher-Schleifen von "Ishmael", gepaart mit einer robusten Akustikgitarre, verweisen eher auf Konstanz und Entwicklung, als auf den einen kathartischen Moment. Caspian entwickeln und bauen auf, bedienen sich dabei bekannter Elemente, so dass sie sich wahrscheinlich einer Diskussion über ihre Musik ob deren Relevanz nicht entziehen können. Doch wer derart liebevoll und detailversessen mit seinen Stücken umgeht, hat unabhängig davon Anerkennung verdient.

(Martin Makolies)

Bei Amazon bestellen / Preis prüfen für CD, Vinyl und Download
Bei JPC bestellen / Preis prüfen für CD und Vinyl

Bestellen/anhören bei Amazon

Highlights

  • Flowers of light
  • Nostalgist (feat. Kyle Durfey)
  • Ishmael

Tracklist

  1. Wildblood
  2. Flowers of light
  3. Nostalgist (feat. Kyle Durfey)Division blues
  4. Onsra
  5. Collapser
  6. Ishmael
  7. Circles on circles

Gesamtspielzeit: 46:20 min.

Album/Rezension im Forum kommentieren (auch ohne Anmeldung möglich)

Einmal am Tag per Mail benachrichtigt werden über neue Beiträge in diesem Thread

Um Nachrichten zu posten, musst Du Dich hier einloggen.

Du bist noch nicht registriert? Das kannst Du hier schnell erledigen. Oder noch einfacher:

Du kannst auch hier eine Nachricht erfassen und erhältst dann in einem weiteren Schritt direkt die Möglichkeit, Dich zu registrieren.
Benutzername:
Deine Nachricht:
Forums-Thread ausklappen
(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

Hoschi

Postings: 195

Registriert seit 16.01.2017

2020-01-27 12:17:52 Uhr
Danke für den Tipp.
Ich hör mal rein.

sizeofanocean

Postings: 42

Registriert seit 27.01.2020

2020-01-27 11:58:53 Uhr
Mir hätte es auch schon gereicht, wenn sie das Tempo hier und da mal etwas anziehen würden, wie es in Wildblood ja zumindest mal angedeutet wird, aber danach kommt halt direkt Flower of Light, was im Grunde echt kein richtiger Song sondern nur ein Intro ist und danach wird es erst recht schnarchig. Man kann ja auch zarte, cleane Melodien mit nem spannenden Beat unterlegen, aber denen fällt dazu immer bloß ein, einzelne Schläge auf Tom-Drum oder Becken drunter zu legen, wie schon 100x vorher.

der einzig wirklich spannende Postrock/Postmetal kommt für mich persönlich weiterhin von Cloudkicker (https://cloudkicker.bandcamp.com), weil der Typ exakt die richtige Mischung aus Vertracktheit und Schönklang hinbekommt, alle anderen schlagen zu sehr in Richtung Ödnis aus oder verlieren sich in Härte und Chaos.

Hoschi

Postings: 195

Registriert seit 16.01.2017

2020-01-27 10:44:20 Uhr
@sizeofanocean

Leider, leider wahr !
Allerdings muss man eingestehen, dass m Postrock eigentlich schon seit Jahren alles gesagt worden ist.
Jede Akkordfolge, jeder Harmoniebogen, jegliche Songstrukturen wurden komplett ausgereizt.
Kurz gesagt:
Alles klingt gleich !
Das klingt hart ist aber leider so.
Wenn man es nüchtern betrachtet, ist On Circles weder ein Meisterwerk, noch ein Reinfall.
Vor 10 Jahren noch hätte ich es vergöttert.
Allerdings sind, im Umkehrschluss, alle damaligen Postrock Manifeste heute auch stinklangweilig.
Geht zumindest mir so.
Wenn man heute mit Postrock noch punkten will, muss man quasi ein neues Subgengre gründen.

sizeofanocean

Postings: 42

Registriert seit 27.01.2020

2020-01-27 08:53:50 Uhr
Wildblood ist wirklich überragend, der Rest des Albums krankt leider an den gleichen Dingen wie immer bei Caspian, der Songaufbau ist einfach zu formelhaft und sie kommen rhythmisch einfach nicht aus dem Quark, echt schade. Durch die Zusammenarbeit mit Will Yip hatte ich mir mehr Mut und Experimentierfreude erhofft, aber bei den meisten Songs ist es dann doch nur das alte Laut/Leise-Spiel mit den immer gleichen Steigerungsmustern, so klingt das meiste auch wie ein Intro oder Interlude. Insgesamt zu harmlos und zu viel von dem, was man von der Band schon kannte.

Hoschi

Postings: 195

Registriert seit 16.01.2017

2020-01-25 13:01:56 Uhr
Wie geil sind eigentlich die ersten 2 min von Wildblood ?!
Dieses Blade Runner/Pink Floyd Gedächtnis nach den ersten 30sek ist grandios.
In der Mitte hängt die Platte leider ein wenig (Nostalgist ist mir wirklich ein wenig zu viel Emo und Onsra und Collapser sind nur mittelmäßig).
Ismael und Circles on Circles sind aber wir top.
Auch wenn ich nicht mehr ganz so viel mit dem Post Rock Genre anfangen kann sticht die Platte doch das eine oder andere mal hervor.

7/10
Zum kompletten Thread

Hinterlasse uns eine Nachricht, warum Du diesen Post melden möchtest.

Bestellen bei Amazon

Weitere Rezensionen im Plattentests.de-Archiv

Threads im Plattentests.de-Forum

Anhören bei Spotify