13 Crowes - Solway star

13 Crowes- Solway star

Homebound / The Orchard / Membran
VÖ: 24.01.2020

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Romantik im Rückspiegel

Wären 13 Crowes ein kulinarisches Etablissement, dann fänden Hungrige hierzulande wohl den Weg in ein ur-gemütliches Gasthaus mit solider, gut-bürgerlicher Speiseauswahl. Das Licht leicht gedämmt, rauhgefertigte Holzbalken im Raum und an den Decken, ein zünftiges Bier auf dem und vertraute Menschen mit am Tisch: Na klar lässt es sich auf diese Weise auch mehr als einen Abend lang prächtig aushalten. Mit "Solway star", dem zweiten Album des (Punk-)Rock-Vierers 13 Crowes, sollte das ebenso gut möglich sein wie mit einer vertrauten Clique, denn die Musik der Schotten macht vom ersten Ton an überhaupt keinen Hehl daraus, den Boss himself im Erbgut zu tragen und eine Dekade vor diesem Debüt The Gaslight Anthems "The '59 sound" ausgiebigst gelauscht zu haben.

Schotten? Ja, tatsächlich überrascht das, nicht nur aufgrund der Art von Genre dieser Truppe, sondern auch wegen America-like getünchter Anflüge von Pathos und der lyrischen Herangehensweise. Frontmann Cammy Black zieht seine Inspiration aus seiner Vita, sprich der Working-Class-Jugend als Maurer und Boxer, und natürlich aus so mancher Erfahrung auf dem Feld der Liebe. Aber ebenso aus der komplizierten Gegenwart des Lebens und der Unsicherheiten rund um die Dreißig. Dass eine Schmonzette wie "Gipsy queen" das Album eröffnet, ist daher ebenso drin wie Hymnen zu Ehren von Generationen von schottischen Fabrikarbeitern. Das hat dann in "We broke the rocks" eine gewiss manchmal überzeichnete Dramatik, ist aber im Herzen aufrichtig, fast resignierend-kitschig. Selbst, wenn nicht alle Stücke auf "Solway star" gleichmäßig strahlen – die Highlights umso mehr. Der Titeltrack etwa mit seinem gemütlichen Tempo sowie den umarmend-harmonischen Gitarren und Powerchords.

Oder die Auskopplung "Romantically broke", mit feiner Bridge und Ohrwurm-Hook – ein Song, dem der Hitfaktor-Preis des noch jungen 2020 erst einmal streitig gemacht werden muss. Wer noch nicht angefixt ist von der Heimeligkeit dieses Schunkel-Punkrocks, für den kredenzen 13 Crowes dann noch kleine Extra-Häppchen, wie die Mundharmonika und die nachhallenden Chöre im tollen "Dying breed". Was Bergleuten und Fabrikarbeitern in Strukturwandel-Regionen bereits widerfuhr, erfahren im Zeitalter der Digitalisierung auch Menschen mit Bürojob und in naher Zukunft dann vielleicht auch Menschen in Berufen, bei denen man das kaum ahnt. Was bringt die Zukunft, und wo findet man sich wieder? "Solway star" gibt mit seiner Rückspiegel-Romantik darauf keine Antwort – braucht es irgendwie aber auch nicht.

(Eric Meyer)

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Highlights

  • Solway star
  • Romantically broke
  • Dying breed

Tracklist

  1. Gipsy queen
  2. Solway star
  3. A 75
  4. Jimmy Tick Tock
  5. Nod to the Gods
  6. Romantically broke
  7. No guts no glory
  8. Dying breed
  9. We broke the rocks
  10. DG 12

Gesamtspielzeit: 34:18 min.

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Armin

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2020-01-19 20:36:21 Uhr - Newsbeitrag
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