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Antilopen Gang - Abbruch Abbruch

Antilopen Gang- Abbruch Abbruch

JKP / Warner
VÖ: 24.01.2020

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Ich find' mich scheiße

"Abbruch Abbruch" schreibt die Antilopen Gang in großen Lettern auf das Artwork ihres neuen Albums, das ansonsten aussieht wie ein K.I.Z.-Bühnenbild. Es ist ja nun wahrlich nicht so, dass Danger Dan, Koljah und Panik Panzer in der Vergangenheit Samthandschuhe getragen hätten, wenn es darum ging, die Gesellschaft auseinanderzunehmen. Was die neue Platte allerdings von ihren beiden Vorgängern "Aversion" und "Anarchie und Alltag" unterscheidet, ist, dass sie vorwiegend in der Retrospektive ihre Wut auftut. Und zwar nicht in der Zeitspanne von 1933 bis 1945, sondern in der eigenen Bandgeschichte. So beginnt das Album mit "2013", das außerdem als erste Single ausgekoppelt wurde. Das besagte Jahr war jenes, im welchem Mit-Antilope Jakob Wich a.k.a. NMZS starb. Eine Zäsur für die Gang, das ist bekannt und dennoch weiterhin wichtig zu erwähnen. Zwischen dramatischen Streichern und Oli-P.-Gedächtnis-Instrumental um die Hook schildert die Gruppe mehr oder weniger chronologisch, was passiert ist und wie es weiterging. Und auch wenn die musikalische Beschreibung erstmal nicht so dolle klingt, so kann man doch festhalten, dass vor allem Koljahs Part wirklich kickt und die persönliche Sprengkraft der Ereignisse vorführt.

Von so einer Sache erholt man sich nicht so schnell, entsprechend zeigt "Der Ruf ist ruiniert" den Niedergang der Band-Reputation aufgrund permanenten Delinquententums. Während Koljah und Panik Panzer sich vor allem mit vergangenen (teilweise besoffen begangenen) Verfehlungen beschäftigen, sieht sich Danger Dan im Hier und Jetzt als "Schnösel" und klagt über die heutigen Fans, die nunmehr alle "SPD- und Grünen-Wähler" seien. Ähnlich zwiespältig gibt sich "Lied gegen Kiffer": "Wer dauernd kifft wird zwangsläufig Neu-Rechter", heißt es da zwischen orientalischen Saiten zum Beispiel und es wird schnell klar, dass der Song doch ein bissel durch die "Grüne Brille" zwinkert, auch dann noch, wenn der gleichnamige Track von Dynamite Deluxe und Eizi Eiz im Chorus neuinterpretiert wird. Lustigerweise wurde das von vielen Hörern der dritten Auskopplung nicht so freundlich kommentiert, obwohl das eigentlich immer noch derselbe Anarcho-Humor ist, der bei "Pizza" von kiffenden Rezipienten wohlwollend quittiert wurde. Oder, um Danger Dans Zeile aus der zweiten Single "Wünsch Dir nix" aufzugreifen: "Wärt Ihr nicht so dumm, wär' Pizza kein Hit." Der poppig-eingängige Titel watscht allgemein alles Mögliche ab, von Audiolith über HipHop.de bis hin zu SXTN. Doch hätte, wenn und wäre, Rap-Musik ist kein Spiel der Konjunktive, denn "am Ende scheitert alles an der Realität."

Auch Beziehungen findet die Antilopen Gang scheiße und formuliert zwischen traurigen Geigen und organischen Drums den Aufruf: "Trenn Dich!" Und auch das "erste Mal" kommt schlecht weg: "Bang bang" beklagt im trappigen Gewand den Druck, der auf vielen Jugendlichen lastet: "Es fickt nunmal Dein' Kopf, wenn Du noch nicht gefickt bist", bringt es Panik Panzer simpel auf den Punkt und Danger Dan erklärt, wie es ihm zu Zeiten seines ersten GV nicht gelang seine Homosexualität preiszugeben und er deswegen dann doch, völlig leidenschaftslos mit einer Frau schlief. Das ist schon alles sehr beschämend, dazu tragen auch die treffenden wie bildreichen Schilderungen der Truppe bei. "Wie wir leben" greift den selbstkritischen Tenor von Danger Dans Solo-Album "Reflexionen aus dem beschönigten Leben" auf, während die Line im Refrain nach Gzuz klingt, ohne dass er wirklich dabei gewesen wäre. "Keine Party" klaut zwar den Namen des Tracks von Deichkinds "Wer sagt denn das?" ist aber in Wirklichkeit der obligatorische, traurige Klaviertrack, der auf jedes Antilopen-Gang-Album gehört. Anknüpfend an die Aussage "Das Zentrum des Faschismus ist die Kleinfamilie" aus "Ikearegal" von der "Aversion" verdammt das Trio den Dorfplatz zum "Zentrum des Bösen". Aber auch das ist natürlich nicht ganz ernst gemeint, denn: "Jedes Dorf hat mehr Nazis als es Einwohner gibt." Es geht ums Umdenken, darum, nicht immer die einfache Kausalität zu suchen, nicht mehr die billige Logik zu wählen, und sich dabei ach so "Kluk" zu fühlen, wie dann auch der vorletzte Titel des Albums heißt, welcher stumpfe Nostalgie als Identitätsstifter verweigert.

"Abbruch Abbruch" ist eine Retrospektive, die sich schließlich selbst negiert. Die Antilopen Gang schaut zurück und weiß dann auch nicht viel mehr, hat dafür am Ende alles und jeden beleidigt und letztlich doch vor allem sich selbst scheiße gefunden. Das ist ein im HipHop seltenes und damit umso sympathischeres Ende, auch wenn das Album damit viele Erwartungen enttäuschen dürfte, zumal ihm ein wenig die Hits und Singalongs fehlen. Das liegt aber vor allem daran, dass die Tracks sich lyrisch viel komplexer und zerrissener geben, mal abgesehen vom etwas schnöden Verschwörungstheoretiker- und Hipster-Diss "Smauldo", der dafür immerhin ein schönes "Halt Dein Maul" zum Mitskandieren liefert und "Abraxas", dem dafür wohl melodiösesten Track der Platte, der der gleichnamigen Düsseldorfer Kneipe ein Denkmal setzt. Auch das witzige Crossover-Teil "Roboter" mit seinen Handclaps ist anders, fällt aber trotzdem nicht aus der Reihe. Die Antilopen Gang versteht es auf dieser Platte, Spaß und Ernst so ineinander zu verweben, wie es ihnen bisher noch nie gelungen ist. Man darf hoffen, dass der Ausruf "Abbruch Abbruch" kein Aufruf zum Rückzug ist.

(Pascal Bremmer)

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Highlights

  • Lied gegen Kiffer
  • Wünsch Dir nix
  • Abraxas

Tracklist

  1. 2013
  2. Der Ruf ist ruiniert
  3. Trenn Dich
  4. Wünsch Dir nix
  5. Wein zu Wasser
  6. Lied gegen Kiffer
  7. Bang bang
  8. Wie wir leben
  9. Smauldo
  10. Roboter
  11. Keine party
  12. Zentrum des Bösen
  13. Kluk
  14. Abraxas

Gesamtspielzeit: 55:52 min.

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User Beitrag

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 18878

Registriert seit 08.01.2012

2020-08-19 14:32:47 Uhr - Newsbeitrag



Sensation: Im Frühling 2021 geht die Antilopen Gang auf die große AUFBRUCH AUFBRUCH-Tour! Langsam ist ja auch mal gut mit Pandemie, die Gang wird sich nun höchstselbst um einen Impfstoff kümmern und dann dürfte eigentlich nichts mehr schiefgehen. Nachdem ihrer Tournee vor einigen Monaten ihr eigenes Motto ABBRUCH ABBRUCH so abrupt zum Verhängnis wurde, freut sich die Antilopen Gang umso überschwänglicher auf den AUFBRUCH AUFBRUCH im nächsten Jahr. Mit dabei sind auch neue Termine für die noch ausstehenden Konzerte in Hamburg und Bern sowie die bereits bekannt gegebenen Nachholtermine in Köln und das Benefizkonzert für Frauenhäuser in Düsseldorf.

Der Vorverkauf für die allseits ersehnte Comeback-Tournee der Antilopen Gang startet diesen Freitag, den 21.08. um 10 Uhr auf tickets.antilopengang.de sowie an den bekannten VVK-Stellen. Jeder kann dabei helfen, eine wichtige HipHop-Instanz vor dem Ruin zu bewahren!

„Aufbruch Aufbruch“ - Tour 2021
Präsentiert von Diffus und Jungle World

05.03.2021 AT – Graz, PPC
06.03.2021 Chemnitz, AJZ Talschock
18.03.2021 Reutlingen, Franz. K
19.03.2021 Erfurt, Central
20.03.2021 Kiel, Die Pumpe
24.03.2021 Oldenburg, Kulturetage
25.03.2021 Rostock, M.A.U. Club
26.03.2021 Hamburg, Grosse Freiheit 36 // Verlegt vom 23.12.2020
27.03.2021 Münster, Sputnikhalle
01.04.2021 Köln, E-Werk // AUSVERKAUFT
02.04.2021 Frankfurt, Batschkapp
03.04.2021 CH – Zürich, Rote Fabrik
04.04.2021 CH – Bern, Dachstock // AUSVERKAUFT, Verlegt vom 13.12.2020
07.04.2021 Nürnberg, Z-Bau
09.04.2021 Bremen, Schlachthof
10.04.2021 Düsseldorf, Zakk
11.04.2021 Düsseldorf, Zakk – Benefizkonzert für Frauenhäuser


„Aufbruch Aufbruch“ - Festivaltermine 2021

19.06.2021 Scheeßel, Hurricane Festival
20.06.2021 Neuhausen ob Eck, Southside Festival
17.07.2021 Regensburg, Piazza Festival
31.07.2021 Bonn, Green Juice Festival
06.08.2021 Mainz, Hinterhof Open Air
13.08.2021 Eschwege, Open Flair
14.08.2021 Großpösna, Highfield Festival
15.08.2021 Rothenburg, Taubertal Festival
21.08.2021 AT – St Pölten, FM4 Frequency Festival





Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 18878

Registriert seit 08.01.2012

2020-03-03 12:50:51 Uhr - Newsbeitrag
Liebe Musikfreund*innen, Liebe Medienpartner*innen,

auf ihrer neue Single „Trenn Dich“ stellt die Antilopen Gang eine der wichtigsten emanzipatorischen Errungenschaften der Moderne in den Mittelpunkt, einen mühsam erkämpften, historischen Fortschritt: Die Trennung. Und zwar als Chance, als stets bedenkenswerte Option. Im neuen Musikvideo zu „Trenn Dich“ darf aber auch endlich wieder - nach den legendären Kuss-Szenen zwischen Danger Dan und Monchi im Video zu „Verliebt“ - hemmungslos geknutscht werden:

ANTILOPEN GANG - TRENN DICH (Musikvideo)


Regie führte Aron Krause (u.a. „Beate Zschäpe hört U2“ von der Antilopen Gang, „Warten auf das Meer“ von Feine Sahne Fischfilet).

Antilopen Gang live:

06.03.2020 Karlsruhe, Substage
07.03.2020 Wiesbaden, Schlachthof
11.03.2020 Oberhausen, Kulttempel
12.03.2020 CH-Winterthur, Salzhaus
13.03.2020 CH-Bern, Dachstock (Ausverkauft!)
14.03.2020 Köln, E-Werk
23.12.2020 Hamburg, Grosse Freiheit 36 (Zusatzkonzert)


Christopher

Plattentests.de-Mitarbeiter

Postings: 2119

Registriert seit 12.12.2013

2020-01-26 16:17:22 Uhr
Ich habe vorhin mal versucht, das Album zu hören, aber ich halte das keine zwei Lieder lang aus. Fand die früher mal ganz ok, aber das war früher.

Otto Lenk

Postings: 623

Registriert seit 14.06.2013

2020-01-26 14:32:46 Uhr
https://www1.wdr.de/fernsehen/rockpalast/backstage/antilopen-gang-rockpalast-backstage-neunzehn-100.html

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 18878

Registriert seit 08.01.2012

2020-01-19 20:36:34 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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