Yorkston/Thorne/Khan - Navarasa : nine emotions

Yorkston/Thorne/Khan- Navarasa : nine emotions

Domino / GoodToGo
VÖ: 24.01.2020

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Schotten-Sari

Manches braucht seine Zeit, bis es passt. Der Ansatz, die Absicht, welche den schottischen Folkmusiker James Yorkston mit dem indischen Sarangi-Spieler Suhail Yusuf Khan zusammenbrachte, war von Beginn an spannend. Würde klassisch gespieltes Liedermaterial britischer Prägung sich mit dem Orient vertragen, ja würde dies sogar zu neuen Ausdrucksformen führen, die über die Grundbestandteile hinaus wiesen? Der erste aufgenommene Versuch, "Everything sacred" aus dem Jahr 2016, wirkte leider etwas sperrig und unentschieden, verknüpfte die beiden musikalischen Welten vielleicht zu zaghaft. Doch Yorkston und Khan, unterstützt vom Kontrabassisten Jon Thorne, sind drangeblieben, arbeiteten weiter an der Verquickung des offensichtlich Gegensätzlichen. Unter dem konzeptionellen Dach der "Navarasa", den neun Grundemotionen der darstellenden Künste Indiens, hat sich das Trio daran gemacht, eine einzigartige Kommunikation zwischen den Musiken Asiens und Europas herzustellen und dieses Mal sei direkt gesagt, dass die resultierenden Stücke wunderbar intuitiv und gar nicht angestrengt wirken.

Vielleicht war es dabei ein Segen, dass bereits drei Viertel der Songs fertig waren, bis den Beteiligten aufging, dass das Material gut zu "Navarasa" passen würde. Man hat also nicht krampfhaft versucht, Stücke zu schreiben, die in das indische Konzept der neun Emotionen passen, sondern merkte eher zufällig die Übereinstimmungen im Nachhinein. Dies gewährleistet eine Lockerheit und auch Wandelbarkeit in der Interpretation von "Navarasa : nine emotions". Da mag der auf Wiederholung fußende Folk-Song "The shearing's not for you" einen gewissen Langmut besitzen, die resignative Enttäuschung nagt aber stetig an dem Stück, welches durch das durchaus an westliche Streicher angelehnte Sarangi-Spiel Khans einige leidenschaftliche Schimmer erhält.

Überhaupt Leidenschaft: Davon gibt es jede Menge in Khans Gesangsvorträgen. In ruhigerem Fahrwasser einem spröden Leiern ähnelnd, kommt der Gesang des Inders in "Thumri bhairavi" und "Westlin winds" bei einer wirbelnden Ekstase an, die ihren Weg merklich durch Leid und Qual angetreten hat. In solchen Momenten merkt man, dass die konzeptuelle Strenge gesprengt wird, dass den Emotionen freien Lauf gelassen wird. Wenn dann noch bei "Westlin winds" auf den entfesselten Vortrag Khans eine nüchtern im britischen Küstennebel treibende Passage Yorkstons folgt, die auch noch mit einer gezähmten Sarangi aufwartet, sind die Kontraste und Übergänge wunderbar lebendig und überraschend.

Ein weiterer Vorteil ist, dass einer Meditation wie "The north carr" Raum erhält, ein versonnenes Gitarrenspiel aufzuziehen, welches von einigen kräftigen Klavier-Anschlägen unterfüttert wird. Dazu noch die klagende Sarangi und man hat erneut eines dieser reizvollen Zerrbilder aus goldenem Sonnenaufgang und nordischer Wolkendecke. Dass Khans Instrument im abschließenden "Darbari" schließlich fast gänzlich das Feld überlassen wird, bekräftigt nur noch einmal den Eindruck der Freigiebigkeit mit Zeit und Raum. Die Sangari scheint über ganze Kontinente zu gleiten, durch Jahrhunderte hindurch. Ihr Wimmern, ihr leidendes Klagen hallt durchgreifend, schlängelt sich ohne große Erruptionen dahin und kocht so epochale Ereignisse zu einem Wimpernschlag ein. Solche allumfassenden Eindrücke zu hinterlassen, ist dann wohl auch der größte Gewinn dieser musikalischen Verschwesterung ursprünglich gegensätzlicher Welten.

(Martin Makolies)

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Highlights

  • The shearing's not for you
  • Westlin winds
  • Darbari

Tracklist

  1. Sukhe phool
  2. The shearing's not for you
  3. Thumri bhairavi
  4. Westlin winds
  5. Song for Oddur
  6. The north carr
  7. Twa brothers
  8. Waliyan da raja
  9. Darbari

Gesamtspielzeit: 57:35 min.

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User Beitrag

myx

Postings: 1350

Registriert seit 16.10.2016

2020-01-14 09:15:44 Uhr
Nach dem ersten Reinhören in alles für mich das beste Album dieses Updates. Wunderschöner Zusammenklang von Orient und Okzident. Danke für die Rezension.

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 18609

Registriert seit 08.01.2012

2020-01-12 22:54:17 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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