Bring Me The Horizon - Music to listen to~dance to~blaze to~pray to ...

Bring Me The Horizon- Music to listen to~dance to~blaze to~pray to ...

RCA / Sony / Columbia
VÖ: 27.12.2019

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 3/10

Ist das Kunst oder kann das weg?

Wir erinnern uns: Eine ehemalige Deathcoreband begibt sich Anfang 2019 auf komplett neue Wege und erschafft ein Album irgendwo zwischen Pop, Elektro und wenigen Andeutungen des bisherigen Œuvres. Die illustre Gästeliste führt unter anderem Grimes an. Nun, Ende 2019 veröffentlichen jene Bring Me The Horizon völlig aus dem nichts ein Werk, welches jeden Rezensenten freut, der nach Zeichen bezahlt wird: "Music to listen to~dance to~blaze to~pray to~feed to~sleep to~talk to~grind to~trip to~breathe to~help to~hurt to~scroll to~roll to~love to~hate to~learn too~plot to~play to~be to~feel to~breed to~sweat to~dream to~hide to~live to~die to~GO TO". Spielzeit: 75 Minuten bei acht Songs, mal firmiert es als Album, mal als EP. Die Tracklist scheint dabei direkt aus dem Topf gekommen zu sein, aus dem sich sonst Bon Iver in jüngerer Zeit bedienen. Erste Reaktionen: "Wer soll denn das bitte hören?!"

Jene 75 Minuten und einen ersten Durchgang später lautet das vorläufige Urteil: "Wer soll denn das bitte hören?!" Ob es die Begegnung mit Grimes oder eine generelle Einstellung der Marke "Ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich ganz ungeniert" ist, die zu "Music to listen to ..." geführt hat, werden wir wohl nicht erfahren. Aber was genau bietet dieses "Album"? Einen Mix aus quasi allem. Arbeiten wir uns einmal durch: "Steal something" weist zu Beginn einige Parallelen zu "I apologise if you feel something", dem Opener von "Amo" auf, basiert auf einem schönen, leicht Trap-angehauchtem Beat und bekommt später durch den Einsatz von Bläsern eine breitbeinig jazzige Note. Zehn Minuten wabert der Track vor sich her, überzeugt durch ein gutes Maß an Coolness. Lediglich die letzte Minute mit ambientuntermalten Spoken-Word-Einsatz wirkt leicht schräg, bildet aber einen fließenden Übergang zu "Candy truck / You expected: LAB your result: green", welcher zwischenzeitlich IDM-Geplucker mit EDM-Klavierbeats und Autotune mischt. Es folgt "A devastating liberation". Klavier, Streicher, Pathos. Eine Blaupause für einen Filmscore oder einen Woodkid-Song.

Bislang ist "Music to listen to ..." zwar einigermaßen seltsam, aber mit den Ohren eines normalen Musikhörenden konsumierbar. Daran ändert auch "¿" nichts. Zusammen mit Gastsängerin Halsey schütteln Bring Me The Horizon mal eben einen potentiellen Chartbrecher irgendwo zwischen Breakbeat, Elektropop und PC Music aus dem Ärmel. Allerdings war es das dann auch erst einmal mit mit nachvollziehbaren Songstrukturen. "Underground Big {HEADFULOFHYENA}" hat 24 Minuten auf der Uhr und bis ca. 4:30 davon handelt es sich um einen semiaggressiven Trap-Rap-Track. Weitere dreißig Sekunden wird geballert, hier kommt die Metalcore-Vergangenheit durch, ehe man neunzehn Minuten lang einen verzerrter Beatsample samt Spoken-Word-Text erdulden darf. Derartige Feedback-ähnliche Spielereien würden sonst als versteckter Bonus irgendwo versteckt, hier jedoch platziert man so etwas mittig. Hält man dies durch – oder betätigt spätestens beim zweiten Durchlauf die Skiptaste – erhellt im Anschluss der schöne Ambientsong "Like seeing spiders running riot on your lover's grave" den Horizont. Zumindest die ersten vier Minuten, danach zerlegt Breakbeatgeschredder die Szenerie.

Auf der Liste der Dinge, die bislang sicherlich schmerzlich vermisst wurden, mögen bei vielen sicher Steeldrums stehen. Aber keine Sorge, auch hier kümmern sich Bring Me The Horizon um nie für möglich gehaltene Bedürfnisse: "Dead dolphin sounds 'aid brain growth in unborn child' virtual therapy / Nature healing 2 hours" eröffnet genau mit diesen. Dazu eine Prise Popappeal, Autotunesingsang, Jahrmarkt-EDM und Blechdosendrumming. Zehn Minuten wollen schließlich gefüllt werden. Schnell noch "±ªþ³§" – nein, das war nicht die Katze, der heißt genau so – zum Abschluss und wir sind durch. Der Closer (mit Yonaka als Gastsängerin) stellt eine schöne Melange aus Popbeats, oben genannter PC-Music und Clubsounds dar, die angesichts der vergangenen musikalischen Reise etwas versöhnliches für die Ohren bietet. Wäre da nicht das abrupte Ende. Zur Wertung muss man Bring Me The Horizon fairerweise zugestehen: Sie haben uns gewarnt. Der Titel spricht Bände und genau jenes "alles", was genannt wurde findet sich auch wieder und so wie eine Ausstellung abstrakter Kunst für eine Genuss, für andere Graus ist, so ist auch die Qualität von "Music to listen to ..." individuelle Interpretationssache.

(Klaus Porst)

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Highlights

  • Steal something
  • ¿ (feat. Halsey)

Tracklist

  1. Steal something
  2. Candy truck / You expected: LAB your result: green
  3. A devastating liberation
  4. ¿ (feat. Halsey)
  5. Underground Big {HEADFULOFHYENA} (feat. Bexey & Lotus Eater)
  6. Like seeing spiders running riot on your lover's grave (feat. Happyalone)
  7. Dead dolphin sounds 'aid brain growth in unborn child' virtual therapy / Nature healing 2 hours (feat. Toriel)
  8. ±ªþ³§ (feat. Yonaka)

Gesamtspielzeit: 75:29 min.

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User Beitrag

Klaus

Plattentests.de-Mitarbeiter

Postings: 846

Registriert seit 22.08.2019

2020-01-13 00:32:26 Uhr
Ne, Blau ist nur Forenmoderation. :) Aber in Zukunft verquatsch ich mich nicht mehr, wenn es um Rezensionen geht :)

Affengitarre

User und News-Scout

Postings: 6219

Registriert seit 23.07.2014

2020-01-13 00:06:45 Uhr
Jetzt verstehe ich erst, warum du wissen konntest, dass eine Rezi kam. Du rezensierst hier ja! Mobil sieht man ja deinen Rang nicht und ich dachte, alle Rezensenten bekommen einen blauen Usernick. Naja, egal.

Schöne Rezension jedenfalls. Hab zwar immer noch nicht reingehört, aber jetzt weiß ich wohl so ungefähr, wie das klingen könnte. Mittlerweile weiß man aber eigentlich eh nicht mehr so wirklich, was einem bei der Band erwartet. Die sind wirklich so verdammt schräg. Die erste EP ist total vertrackter Deathcore mit einer ordentlichen Portion The Dillinger Escape Plan, Das Debütalbum Deathcore, "Suicide Season" Metalcore mit elektronischen Elementen, "There is a hell.." das riesig aufgeblasene Metalcorekonzeptalbum mit Streichern, Samples und dem zumindest bis dahin längsten Albumtitel, "Sempiternal" dann ein melodisches, luftig-poppiges Ding zwischen Post-Hardcore und Metalcore, "That's the spirit" das poppige Alternativealbum und die "amo" hat dann alles nochmal im Mix mit deutlich elektronischeren Sachen. Und dann das hier. Man kann ja alles über die Band sagen, aber berechenbar sind die nicht. :D

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 16584

Registriert seit 08.01.2012

2020-01-12 22:49:42 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

Meinungen?

Dumbsick

Postings: 59

Registriert seit 31.07.2017

2020-01-09 18:25:19 Uhr
Das sagt Transcended Music Blog dazu:

https://www.transcendedmusic.de/2020/01/bring-me-the-horizon-music-to-listen-todance-toblaze-topray-tofeed-tosleep-totalk-togrind-totrip-tobreathe-tohelp-tohurt-toscroll-toroll-tolove-tohate-tolearn-tooplot-toplay-tobe/

Affengitarre

User und News-Scout

Postings: 6219

Registriert seit 23.07.2014

2019-12-30 12:17:15 Uhr
Schon durchgesickert? :D Hab das Ding bisher noch nicht gehört, das sollen ja hauptsächlich Überbleibsel aus den Sessions zu "Amo" sein. Aber werde demnächst auf jeden Fall ein Ohr riskieren.
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