Annihilator - Ballistic, sadistic

Annihilator- Ballistic, sadistic

Silver Lining / Warner
VÖ: 24.01.2020

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Die kanadische Axt

Jeff Waters ist das, was man gemeinhin als "authentisch" bezeichnet. Immer nahe an den Fans, immer für einen kurzen Plausch zu haben. Und auf Festivals wie dem Wacken Open Air lässt es sich Waters nicht nehmen, zwischendurch den Nachwuchswettbewerb "Metal Battle" zu moderieren. Wenn man ihm denn nicht gleich mitten im Pit begegnet. Anders sieht es aus, wenn es um seine Band Annihilator geht. Der Begriff "Alleinherrscher" ist eigentlich zu negativ besetzt, trifft aber angesichts zahlloser Personalwechsel durchaus zu. Bleiben wir einfach einmal dabei, dass Annihilator seit den ersten Demos 1984 Waters' Baby ist und wohl immer sein wird. Die Band bin ich.

Insofern ist es durchaus erstaunlich, dass das 17. Album der kanadischen Thrasher mit dem leidlich dickeirigen Namen "Ballistic, sadistic" das erste seit Ewigkeiten ist, das mit der selben Besetzung wie auf der Vorgängerplatte aufwartet. Nach Vorgaben des Chefs, versteht sich, der in der Vergangenheit auch gerne mal Studioalben komplett einspielte. Diese Vorgaben scheint die Band jedoch zur Zufriedenheit erfüllt zu haben, spricht der unlängst nach Großbritannien ausgewanderte Kanadier doch von einem der stärksten Alben seit den frühen Erfolgsplatten der Neunziger. Und direkt nach dem Opener "Armed to the teeth", das vor Signature-Riffs nur so strotzt, fühlt man sich in der Tat an Platten wie "Carnival diablos" erinnert und gönnt der Nackenmuskulatur ein erstes Workout.

Was nicht bedeutet, dass es nicht auch im weiteren Verlauf zünftig auf die Glocke gibt. So hinterlässt "The attitude" nicht viel außer rauchende Trümmer, und "Psycho ward" zeigt gar eine angemessen räudige Punk-Schlagseite. "Out with the garbage" hingegen ist ein wunderbares Beispiel dafür, wie meisterhaft Waters Brutalität mit Virtuosität verknüpfen kann – wohl nur wenige Gitarristen schaffen es, in knallharte Riffs diese kleinen Spielereien einzubinden, um das pure Geknüppel einmal aufzulockern. Was allerdings mit zunehmender Spieldauer neben dem übelst verhallten Sound auffällt, sind gewisse Längen. Um dies zu erkennen, braucht es allerdings einen großartigen Song wie "One wrong move", der nämlich genau so ein Break aufweist, wie es anderen Songs, zumal gegen Ende der Platte, gut zu Gesicht stehen könnte. Genau das ist dann auch der Grund, warum "Ballistic, sadistic" vielleicht nicht ganz das von Jeff Waters proklamierte Highlight in der Diskographie darstellt. Ist das nun enttäuschend? Nein. Denn gerade in den letzten zehn, fünfzehn Jahren zeigten sich Annihilator allzu oft orientierungslos, dümpelten die Alben allzu oft lustlos vor sich hin. Und jenen Vergleich entscheidet "Ballistic, sadistic" mal ganz locker für sich. Mit dem Umzug ins nordenglische Durham hat Jeff Waters nicht nur sein Privatleben neu geordnet, sondern offensichtlich auch seine Band auf einen neuen, stringenten Weg gebracht.

(Markus Bellmann)

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Highlights

  • Armed to the teeth
  • Out with the garbage
  • One wrong move

Tracklist

  1. Armed to the teeth
  2. The attitude
  3. Psycho ward
  4. I am warfare
  5. Out with the garbage
  6. Dressed up for evil
  7. Riot
  8. One wrong move
  9. Lip service
  10. The end of the lie
  11. That's life

Gesamtspielzeit: 51:00 min.

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Armin

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2020-01-12 22:48:47 Uhr - Newsbeitrag
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