Beach Slang - The deadbeat bang of Heartbreak City

Beach Slang- The deadbeat bang of Heartbreak City

Bridge Nine / Quiet Panic
VÖ: 10.01.2020

Unsere Bewertung: 4/10

Eure Ø-Bewertung: 3/10

Pfeifen im Gebälk

Könnte das Jahr 2020 für Gitarrenrock-Anhänger hochkarätiger beginnen als mit einer neuen Platte von Beach Slang? Auf dem Papier wohl kaum, würde die Sportreporter-Gilde an dieser Stelle frohlocken. James Alex, Mastermind und eigentlich Beach Slang himself, hat sich etwas Zeit gelassen, das Label gewechselt und tatsächlich, man mag es kaum glauben, auch mal Tournee-Pausen eingelegt. Denn zuvor stand die Truppe aus Philadelphia, die mit der gefeierten Killer-Compilation "Broken thrills" und ihrem klasse Debüt "The things we do to find people who feel like us" dem fuzzigen Punkrock der späten Achtziger und Neunziger zu neuem Leben erweckte, ausschließlich im stürmischen Rockstar-Fahrtwind.

Beach Slangs in Moll-Akkorde getünchter Punkrock hat in der zweiten Hälfte der Zehner zahlreiche Herzen nostalgisch berührt. Und auch diesen James Alex muss man einfach liebhaben, Wer dem selbsternannten Fanboy auf den sozialen Kanälen folgt, weiß diese kleinen freundschaftlichen Gesten wie seine "Here, I made this for you"-Mixtapes zu schätzen, denn diese sind tatsächlich handverlesen und gespickt mit kleinen, oft nur Nerds geläufigen Perlen aus der Rock'n'Roll-Schatzkiste vergangener Jahrzehnte. Dennoch sollten Fans sich auf ein schwieriges Kennenlernen mit dem dritten Beach-Slang-Album "The deadbeat bang of Heartbreak City" gefasst machen. Denn jenes lässt den Underground-Punk hinter sich, öffnet eineinhalb Augen für den Hardrock und schielt auf die größeren Bühnen. "Let it ride", eigentlich ein fein kajal-umrandeter, erst spät zündender Rocker, deutet die neue Richtung durch seinen markanten Basslauf nur an, während das vorab bekannte "Bam rang rang" trotz seines Bruchs kurz nach dem Mittelteil über monotones Schweinerock-Riffing gar nicht erst nicht hinauswill.

"Tommy in the 80s" huldigt nicht nur Gast-Bassist Tommy Stinson, den James Alex für das Album an Land ziehen konnte, sondern geht als 80s-Hardrock-Hymne zunächst ganz gut ins Ohr. Leider wird die an sich gute Idee des Bläser-Themas hintenraus bis zum Erbrechen monoton durchgeballert. Womit das große Problem dieses Albums schon nach gut einem Drittel halbwegs umrissen wäre: das Songwriting der neuen Stücke. Schmerzlich vermisst man die feinen Haken, die kleinen Kniffe, und ein bisschen fassungslos stellt man fest, dass Beach Slang die überraschenden Details, die kleinen herzlichen Hymnen, weitestgehend fehlen. Stattdessen verlässt sich "The deadbeat bang of Heartbreak City" bloß auf die Rock'n'Roll-Attitüde. Das brät zwar akustisch mal ganz nett, wie im Rocker "Born to raise hell" und zu Beginn von "Stiff", ermüdet mit ewig gleichtönenden Riffs allerdings im selben Atemzug. Unschöner Nebeneffekt: Die lyrischen Plattitüden rund um den Alkohol und den Rock'n'Roll können sich dieses Mal nicht hinter der kompositorischen Größe eines James-Alex-Songs verstecken und stechen unangenehm heraus.

"The deadbeat bang of Heartbreak City" wäre beinahe gar ein krasser Fehlschuss, gäbe es nicht auch zarte, von Streichern begleitete Songs auf der Akustischen wie etwa den leicht kitschigen Closer "Bar no one" und "Nowhere bus", die die Quiet-Slang-Phase recht gekonnt weiterleben lassen. Und wäre da nicht der kompakte Stadion-Punker "Kicking over bottles", der die Bläser an die richtige Position setzt und ganz im Sinne von Cheap Trick endlich mal zum Pogo-Tanz animiert. So wirklich über den Strich bringen diese kleinen Versöhnungsgesten die Platte aber auch nicht. Schwer zu glauben, dass James Alex mit diesem seltsam einfallslosen Album zufrieden sein kann, das ein Hardrock-Gewittersturm sein will, aber bloß ein Pfeifen im Gebälk entfacht. Der Rock'n'Roll hätte definitiv einen besseren Start ins neue Jahrzehnt verdient.

(Eric Meyer)

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Highlights

  • Let it ride
  • Kicking over bottles

Tracklist

  1. All the kids in L.A.
  2. Let it ride
  3. Bam rang rang
  4. Tommy in the 80s
  5. Nobody say nothing
  6. Nowhere bus
  7. Stiff
  8. Born to raise hell
  9. Sticky thumbs
  10. Kicking over bottles
  11. Bar no one

Gesamtspielzeit: 31:03 min.

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User Beitrag

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 16583

Registriert seit 08.01.2012

2020-01-03 22:44:46 Uhr
Kleiner Hinweis: Ich hatte die Bewertung zu Beach Slang falsch in den Newsletter übertragen. Dort steht 7/10, korrekt sind aber 4/10.

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 16583

Registriert seit 08.01.2012

2020-01-03 21:24:47 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

Meinungen?

wilson

Postings: 152

Registriert seit 10.08.2015

2019-11-07 20:06:54 Uhr
ich habe es immer mal wieder versucht....komme aber auf die band nicht klar...höre dann doch lieber jawbreaker, knapsack, samiam oder rusty james...

ƒennegk

Postings: 212

Registriert seit 07.11.2019

2019-11-07 19:09:01 Uhr
"The Things We Do..." war großartig, der Nachfolger verschmerzbar ein bisschen weniger toll; Quiet Slang war auf EP-Länge eine okaye Sache, auf Albumlänge verzichtbar.
Insofern also: Freudig gespannt auf Januar.

Given To The Rising

Postings: 1585

Registriert seit 27.09.2019

2019-10-28 19:18:15 Uhr
Haben die sich nicht von einigen Bandmitgliedern getrennt seit dem letzten Album? A Loud Bash of Teenage Feelings fand ich ziemlich gut.
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