Various Artists for Sweet Relief - If you're going to the city: A tribute to Mose Allison

Various Artists for Sweet Relief- If you're going to the city: A tribute to Mose Allison

Fat Possum / Membran / Bertus
VÖ: 29.11.2019

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Die Weisheit des Jazz

Jimi Hendrix, Tom Waits, The Who, Randy Newman, Van Morrison – die Liste der Künstler, die den Songschreiber und Pianisten Mose Allison zu ihren Einflüssen zählen, ist namhaft und lang. Sehr häufig wurden seine Lieder gecovert, die den rauen Blues des Deltas, aus dem Mose Allison stammt, im lässigen Jazz New Yorks aufheben, der Stadt, in die es Allison als jungen Mann zog. Seine äußerst pointierten Texte legen dabei immer wieder Zeugnis ab über einen Scharfsinn, dessen Humor stellenweise in bitteren Sarkasmus zu kippen droht, der aber nie seine Launigkeit verliert. Allison, der 2016 verstarb, ist so etwas wie das Paradebeispiel eines Songwriters für Songwriter: Hochgeschätzt und in Musikerkreisen vielbeachtet, war ihm doch nicht vergleichbarer Ruhm vergönnt wie einigen seiner Adepten. Umso mehr scheint Allison prädestiniert für eine Kompilation verschiedener Künstler, die sich auf unterschiedlichste Weise an seinem Material austoben. Genau die liegt mit "If you're going to the city" im Paket mit der Dokumentation "Ever since I stole the Blues" nun vor, der Erlös geht an eine Wohltätigkeitsorganisation für Musiker in prekären Verhältnissen.

Ein Blick auf die Beteiligten verrät zunächst, dass Allisons markanter Stil genre- und generationenübergreifend seinen Reiz ausübt. Weggefährten wie Loudon Wainwright, der mit einer wunderbar eindringlichen und reduzierten Folkvariante des Klassikers "Ever since the world ended" vertreten ist, reihen sich an Legenden der Rock- und Indie-Geschichte wie Iggy Pop, Elvis Costello, Fiona Apple (in der Tracklist verborgen als Teil der The Tippo All Stars), Bonnie Raitt und Pixies-Frontmann Frank Black. Den Auftakt macht aber Taj Mahal, der eine abgehangene, dem Klanggewand des Originals ähnliche Version eines der größten Hits Allisons vorlegt: "Your mind is on vacation, but your mouth is working overtime", heißt es da knapp und bissig angesichts der Allison so fern liegenden Geschwätzigkeit der Welt. Schon Robbie Fulks bricht aber den lakonischen Jazz seines Vorbilds auf: Abstrakt-perkussive Gitarren illustrieren lautmalerisch den nervösen Text über einen Kopf, der nicht abschalten kann, bevor sich nach und nach eine beschwingte Bluegrass-Nummer inklusive schräg jaulender Geige einstellt. Das Grundvokabular amerikanischer Musiktradition wird auch im Folgenden bespielt und gebrochen: Ben Harper und Charles Musselwhite klingen so, als drängten ihre dreckige Mundharmonika und angezerrten Bluessoli geradewegs aus dem nächsten Juke Joint zu uns, Richard Thompsons akustischer Blues führt zurück nach Mississippi, in Allisons Heimat. Der Kontrast zwischen Urbanität und seinen ländlichen Wurzeln zieht sich dann auch in spannender Weise durch das ganze Album. Iggy Pop knüpft mit pluckerndem Beat, Synth-Bass und verfremdeten Trompeten an "Nightclubbing"-Zeiten an, bis ihn Allisons Wörter in schallendes Gelächter ausbrechen lassen und der Song langsam ausfadet. Frank Black wiederum gefällt sich gut als subtiler Zyniker in "Numbers on paper" und erweist einem Idol die Ehre, das bereits ein Lied der Pixies getauft hat: "Hooray the Blues for everyone - Allison."

Positiv auf den Gesamteindruck der Kompilation wirkt sich zudem aus, dass Allisons Œuvre sehr kohärent ist, sich somit trotz des ein oder anderen Experiments eine erstaunliche Schlüssigkeit für ein Album diverser Interpreten herstellt. Man möchte es Wainwright gleichtun, der den Besuch eines Allison-Konzerts einst als Pilgerfahrt bezeichnet hat. Ein ähnlicher Eindruck stellt sich auch beim Hören dieses Tributes ein, denn Pilgern lässt sich besonders gut gemeinsam zu den Liedern dieses großen Songwriters. Gerade auch in diesen Tagen. Denn nur wenige haben Verdruss je so cool klingen lassen: "Ever since the world ended, I don't go out as much."

(Viktor Fritzenkötter)

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Highlights

  • My brain (Robbie Fulks)
  • Nightclub (Ben Harper/Charlie Musselwhite)
  • If you're going to the city (Iggy Pop)
  • Everybody's crying mercy (Bonnie Raitt)
  • Ever since the world ended (Loudon Wainwright III)

Tracklist

  1. Your mind is on vacation (Taj Mahal)
  2. My brain (Robbie Fulks)
  3. If you live (Jackson Browne)
  4. Your molecular structure (The Tippo Allstars)
  5. Nightclub (Ben Harper/Charlie Musselwhite)
  6. Stop this world (Chrissie Hynde)
  7. If you're going to the city (Iggy Pop)
  8. Everybody's crying mercy (Bonnie Raitt)
  9. Ever since the world ended (Loudon Wainwright III)
  10. Parchman Farm (Richard Thompson)
  11. I don't worry about a thing (Peter Case)
  12. Wild man on the loose (Dave Alvin and Phil Alvin)
  13. The way of the world (Anything Mose!)
  14. Numbers on paper (Frank Black)
  15. Monsters of the Id (Amy Allison with Elvis Costello & Mose Allison)

Gesamtspielzeit: 51:16 min.

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Armin

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2019-12-19 21:45:32 Uhr - Newsbeitrag
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