SSIO - Messios

SSIO- Messios

Alles Oder Nix / Universal
VÖ: 06.12.2019

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Heiland ohne Grund

"Messios", das dritte Album von SSIO, macht ratlos. Da ist ein MC am Werk, der nicht nur über ein funktionierendes Gehirn, sondern auch über einen unverwechselbaren Style verfügt. In Sachen Beatauswahl ragt der Bonner ohnehin schon immer heraus. Doch irgendetwas fehlt. Innovation? Mut? Wahrscheinlich beides. Aber der Reihe nach: Ssiawosch Sadat hat sich drei Jahre Zeit gelassen, um dem Kassenschlager "0,9" einen Nachfolger zu spendieren. Ganz schön lange, wenn man bedenkt, in welcher Frequenz die Konkurrenz Alben und Mixtapes rausfeuert. Womit natürlich auch die Erwartungen an die Rückkehr der rappenden Nase von Monat zu Monat stiegen. Mit dem leider nur soliden "Hash hash" bekam der Hype dann die erste Delle. Klar, witzig ist der Track allemal, gerade in Kombination mit dem herrlich selbstreferentiellen Video. Mehr aber auch nicht.

Überhaupt fällt auf, dass SSIO diesmal sich ganz auf sich selbst konzentriert. Außer ein paar Frauenstimmen in gesungenen Refrains gibt es keinerlei Features. Auch thematisch wagt er nichts Neues. Fast wörtlich könnte man hier fast unverändert einen Satz aus der Rezension zum Vorgänger übernehmen: Noch immer geht es um Drogen, Huren und Mäcces. Diese Beschränkung auf die wesentlichen Dinge erhöhen den Druck auf SSIO immens. Ein Witz wird in der Regel nicht besser, wenn man ihn dreimal erzählt. Teils gelingt es ihm formidabel, sein Repertoire trotz gleicher Inhalte zu erweitern. So ist "Huli" nicht nur wegen der herrlich absurden Hook ein heißer Kandidat für den Deutschrap-Track des Jahres. Auch "Hochzeitskorso" überzeugt dank furztrockenem Boombap-Beat und cleverer Assoziationsketten. Technisch ist SSIO im Rahmen seiner Möglichkeiten weiterhin versiert unterwegs.

Das alles kann "Ibis Hotel" nicht retten. Zu uninspiriertem Gestampfe erzählt SSIO die alte Mär vom alles wegbumsenden Pimp. Fazit: braucht kein Mensch. Nicht viel besser gerät "Warum lügst Du?", dessen Refrain schon nach dem zweiten Durchgang zu nerven beginnt. Dass die dem Track zugrundeliegende Idee bestenfalls für einen Schmunzler gut ist, hilft nicht. Die größte Gurke des Albums stellt allerdings "Zizziz" dar. Völlig uninspirierte Lines treffen auf eine Hook, die es in Sachen Penetranz mit einem Zahnarztbesuch aufnehmen kann. Dabei kann SSIO noch immer richtig gut sein, wenn er denn will: "Von Mio zu Ssio" packt klassischen G-Funk aus und bewegt die Nackenmuskulatur. Ebenfalls grandios ist "Shishabar hit", das den Wettkampf im Fußballer-Namedropping zu SSIOs Gunsten entscheidet. Denn über "Jens Jeremies" kommt keiner mehr drüber.

"Messios" ist ein grundsolides Album, mit dem SSIO sich endgültig in die Sackgasse manövriert hat. Bei allem Unterhaltungswert, den er immer noch verkörpert, wächst mit jedem Release die Gefahr, dass er irgendwann als der Clown der deutschen Rapszene abgestempelt wird. Diese Vermutung unterstreicht "Jabi", in welchem er ein weiteres Mal die Bonner Bi-Sprache bemüht. Zwar sind auch hier einige Verse herrlich bescheuert, der Überraschungseffekt ist jedoch dahin. Vielleicht hätte es mehr in die Richtung von "Testo E" gehen müssen. Hier preschen Beat und Rapper kompromisslos voran, hier passen auch die ironischen Untertöne zum Gesamtbild. Vielleicht kann SSIO aber auch einfach nicht aus seiner Haut. Breit gebaut, braun gebrannt, hundert Kilo Hantelbank.

(Christopher Sennfelder)

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Highlights

  • Testo E
  • Huli
  • Shishabar hit
  • Von Mio zu Ssio

Tracklist

  1. Hash hash
  2. Testo E
  3. Huli
  4. Jabi
  5. Warum lügst Du?
  6. Hochzeitskorso
  7. Shishabar hit
  8. Ibis Hotel
  9. Zizziz
  10. An alle Lutschpastillen
  11. 1 min
  12. Von Mio zu Ssio
  13. Übertreib nicht deine Roli

Gesamtspielzeit: 40:00 min.

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User Beitrag

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 16794

Registriert seit 08.01.2012

2019-12-20 19:23:58 Uhr
Danke, wird gleich gesammelt korrigiert.

Affengitarre

User und News-Scout

Postings: 6286

Registriert seit 23.07.2014

2019-12-19 22:38:22 Uhr
Leider falsch verlinkt.

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 16794

Registriert seit 08.01.2012

2019-12-19 21:47:02 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

Meinungen?

Christopher

Plattentests.de-Mitarbeiter

Postings: 1431

Registriert seit 12.12.2013

2019-11-29 20:24:58 Uhr
Er stagniert, aber immerhin auf akzeptablem Niveau. "Huli" und "Hash Hash" mag ich, die anderen beiden nicht so.

Affengitarre

User und News-Scout

Postings: 6286

Registriert seit 23.07.2014

2019-11-29 19:35:25 Uhr
Wenn ich ehrlich bin, finde ich die Sachen bis auf "Hash Hash" nicht so wirklich toll..
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