Pop. 1280 - Way station

Pop. 1280- Way station

Weyrd Son / Cargo
VÖ: 06.12.2019

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Unfallkurve

Die Welt ist in den letzten Jahren nicht heller geworden. Auch nicht die von Pop. 1280. Das mag beides nicht überraschen, zweites ist aber durchaus erfreulich. Und so hält sich"Boom operator" keine Sekunde zurück. Kreischende Noise-Samples erklingen, kalte Drum Machines hämmern sich in den Gehörgang, schneidende Gitarren sezieren den Song. Aus dem Hall herausgerotzte, bedrohlich alkoholdurchtränkte Vocals führen einen in die kaputte Welt von "Way station". Seit dem letzten Album "Paradise" hat sich nicht nur die Band halbiert, die Minimierung hat sich auch im Songwriting niedergeschlagen. Die Synths sind noch präsenter, alles Organische wurde noch weiter entschlackt. Zurück bleibt ein eisiges Soundgerippe, das aber nicht weniger atmosphärisch ist.

Nachdem der Opener einen unsanft ins Album katapultiert hat, fährt die Band in "Under duress" einen Gang runter, ist dabei aber kein Stück weniger abgründig. Zwischen Klavierakkorden und minimalen Beats raunt Chris Bug "Still bleeding" und klingt dabei wie ein junger derangierter Nick Cave in seinen dunkelsten Drogennächten. In dieser kargen synthigen Goth-Ballade wird dann auch ein erzählerisches Motiv etabliert, das sich durch das gesamte Album ziehen wird, "Crossing the four way / You seem to expect it / You’re never looking both ways". Autounfälle als roter Faden, so weit, so erheiternd. Auf das Interlude "The convoy", das einen mit einem schaurigen Piano und lofigen Field Recordings weiter in den Abgrund entführt, folgt mit "Doves" ein Song, der wieder an den synth-punkigen Sound des ersten Liedes anknüpft. Eiskalte Beats, ebenso frostige Gitarren und zementartige Basslinien fundieren diese Anleihen einer cyber-punkigen Birthday Party, auf der keiner tanzt, auch wenn Bug immer wieder manisch den Nick Cave der Achtziger auferstehen lassen will. Mit "Hospice" kommt ein Surfrock-Riff daher, das in einem anderen Kontext catchy wäre. Der Gesang rückt in den Vordergrund, "Life is like a car crash / Sudden and sweet / Sometimes you’re the automobile / And sometimes you’re the street". Damit ist dann wohl jedes erbauliche Gefühl dahin, die Lässigkeit des Songs entpuppt sich als umso trügerischer.

Von hier an kommt kein Ausbruch mehr, keine Lichtung des sauren Nebels, keine Erlösung. Während "Monument" in der Tat monumental die Magengrube malträtiert, hört man Bug, wie in einem Käfig gefangen, den Verstand endgültig verlierend, nur noch unverständliche Worte aus der Tiefe faseln. "Empathetics" mäandert ohne Ziel, die Beats rücken näher, der Song endet. Im Ohr hängen schwere Worte nach "There’s a wreck on the highway / glad it’s not me / Keep the windows up / and try not to breathe." Auch das Mantra "Leading the spider on" im namensgebenden Track führt ins Nichts. Der Abgrund gähnt und scheint infernalischer denn je. Spätestens, wenn "Home sweet hole" läuft, wird auch dem Letzten klar, dass es aus diesem Unfall keinen Ausweg gibt. So bleibt nichts anderes übrig, als sich dem mechanischen Beat hinzugeben, sich vom Puls tief ins heimelige Loch hinein drücken zu lassen. Im Closer ertönt eine Orgel, und Bug tritt resigniert, fast sanft auf und doch ohne jeglichen Hoffnungsschimmer – eine kathedralische Düsterromantik, nur ohne die Romantik. Pianoklänge füllen die Zwischenräume, tupfen so etwas wie zarte Pinselstriche in dieses schwarze Klanggemälde, hinterlassen feuchte Spuren. Eines ist klar, es geht weiter – von einer fatalen Unfallkurve zur nächsten.

(Benedikt Stamm)

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Highlights

  • Under duress
  • Hospice
  • Secret rendezvous

Tracklist

  1. Boom operator
  2. Under duress
  3. The convoy
  4. Doves
  5. Hospice
  6. Monument
  7. Empathetics
  8. Leading the spider on
  9. The deserter
  10. Home sweet hole
  11. Secret rendezvous

Gesamtspielzeit: 39:24 min.

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User Beitrag

Mann 50 Wampe

Postings: 555

Registriert seit 28.08.2019

2019-12-29 10:45:06 Uhr
Die richtige Musik für einen gemütlichen Abend unterm Weihnachtsbaum.

Der Untergeher

User und News-Scout

Postings: 1441

Registriert seit 04.12.2015

2019-12-27 22:40:07 Uhr

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 18088

Registriert seit 08.01.2012

2019-12-20 19:24:01 Uhr
Danke, wird gleich gesammelt korrigiert.

Klaus

Postings: 1282

Registriert seit 22.08.2019

2019-12-19 21:58:20 Uhr
Du hast die falsche Rezension verlinkt... Der Link geht zu lightning bolt...

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 18088

Registriert seit 08.01.2012

2019-12-19 21:46:44 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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