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Montage - Pool ohne Rand

Montage- Pool ohne Rand

La Pochette Surprise
VÖ: 22.11.2019

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Schöner Schluss machen

Auf was man im Internet nicht alles stößt. "Geburtenstation Leopoldina Schweinfurt". Oder: "Vater wickelt Baby nicht." Und allen Ernstes: "Ich zeige Euch einen höheren Weg – Hitler Foto kaufen". Man sieht: Füttert man die Suchmaschine mit dem Namen des Hamburger Ein-Frau-Projektes Montage und dem Titel von dessen erstem Album, ist kaum mit hilfreichen Resultaten zu rechnen. Von den Anzeigen der Firmen, die einem ein Schwimmbecken andrehen wollen, ganz zu schweigen. Doch natürlich geht es auf "Pool ohne Rand" um andere Dinge: um die Existenz im Zerrspiegel der Einsamkeit, das Auseinanderdriften sozialer Kontinente, Liebesgeschichten, die keine mehr sind. Dazu rührt Montage zumeist musikalischen Lo-Fi-Beton an, aus dem lediglich karge melodische Mauerblümchen hervorlugen: Mehr als düster umwölkte Keyboards, hier eine gedämpfte Gitarre, dort einen knotigen Basslauf sowie ein rudimentäres Drumkit benötigt die anonym operierende Hanseatin für ihre dunkelgrauen Lieder nicht.

Grund für diese gibt es zur Genüge, wenn Montage von Geflüchteten erzählt, die es womöglich nicht lebend aus dem "Pool ohne Rand" geschafft haben, oder missmutig die Trümmer einer frisch an die Wand gefahrenen Beziehung aufklaubt – als hätten es sich Schnipo Schranke an der Schnittstelle von Post-Punk und Neuer Deutscher Welle unbequem gemacht oder Spillsbury zwei Wochen lang nichts zu essen bekommen. Unter diesen desolaten Bedingungen umso beachtlicher, wie sich "Unter Wasser" nach Intro-Kommentar zur staatlichen Sanktionierung von Armut zu einem glasklaren Stampfer voll präzise dosierter Wut auswächst und "Ohne Dich" das Zwischenmenschliche ähnlich geradeheraus abwickelt: "Was Du auch sagst, dass Du mir vertraust / Geht zum einen Ohr rein und zum Dickdarm wieder raus." Gegen leere Versprechungen, für schöneres Schlussmachen, kein Applaus für Scheiße – und zwischen Wehklagen und Übergeschnapptheit in der Stimme passt immer noch ein Seitenhieb.

Oder auch eine Breitseite für potenzielle Käufer des eingangs erwähnten Diktatoren-Konterfeis: Je brauner es in der Gesellschaft zugeht, desto deutlicher positioniert sich "Pool ohne Rand". Vor allem bei "Prügelei in der Kantine", das den Chef mit den Thor-Steinar-Klamotten zu wüstem Punkrock krachend übers Knie legt und mindestens genauso den Lauten macht wie die "Emanzenlesbenschlampe" von Deutsche Laichen. Denn so gekränkt und in sich gekehrt Stücke wie "Rosarote Brille" oder der diesig verorgelte Ohrwurm "Deine Schuld" auch wirken – heißt es zu monotonem New-Wave-Schleifen "Für das Kind vom Nachbarn bist Du Babysitter / In seinem CD-Regal Stahlgewitter", ist "Umboxen" das effektivste Mittel. So subtil wie möglich, so unmissverständlich wie nötig: Montage braucht keine Gesellschaft, um alleine zu sein und der Welt dabei den Allerwertesten zu präsentieren. Oder wie sie es selbst formuliert: "Ich will hier nicht das Opfer sein / Doch bin die einzige im Raum." Wer nicht vorbeischaut, verpasst eine dringliche halbe Stunde.

(Thomas Pilgrim)

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Highlights

  • Unter Wasser
  • Prügelei in der Kantine
  • Deine Schuld
  • Umboxen

Tracklist

  1. Intro?
  2. Bleiben hohl
  3. Unter Wasser
  4. Rosarote Brille
  5. Wer bin ich
  6. Ohne Dich
  7. Prügelei in der Kantine
  8. Das Beste
  9. Deine Schuld
  10. Umboxen

Gesamtspielzeit: 31:11 min.

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User Beitrag

Armin

Plattentests.de-Chef

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Registriert seit 08.01.2012

2019-12-19 21:46:19 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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