Fleetwood Mac - Rumours (4 CD-Box)

Fleetwood Mac- Rumours (4 CD-Box)

Warner
VÖ: 08.11.2019

Unsere Bewertung: 9/10

Eure Ø-Bewertung: 9/10

Paartherapie

Ohne Zweifel zählt "Rumours", das elfte Studioalbum der britisch-amerikanischen Rockband Fleetwood Mac, zu den ikonischen Werken der Pop-Geschichte. Mythenumrankt sind die Machtspiele und Streitigkeiten, die während der Aufnahmen hinter den Kulissen stattfanden. Geprägt ist das Album von Trennungen und Eifersüchteleien zwischen den Bandmitgliedern und auch die eine oder andere Drogengeschichte scheint in den Songs verarbeitet worden zu sein. Alles in allem waren Fleetwood Mac Ende der Siebzigerjahre ein ziemlich obergäriger Haufen, es brodelte an allen Ecken und Enden. Was zwischenmenschlich zu teils heftigen Problemen führte, hat auf der künstlerischen Ebene tolle Früchte getragen: "Rumours" fehlt praktisch in keiner ernstzunehmenden Bestenliste der einflussreichsten Alben der Musikgeschichte. So unterschiedliche Künstler wie Haim, Smashing Pumpkins und The Cranberries bezogen sich auf den Sound der Band. Nicht ohne Grund zählen ihre Songs zu den meistgecoverten überhaupt. Fleetwood Mac sind Legenden und "Rumours" ist ihre legendärste Platte. Ebenjene erhält nun zum, nun ja, 42-jährigen Jubiläum eine spezielle Würdigung mit jeder Menge Bonusmaterial.

Okay, der Anlass ist natürlich Quatsch, aber den braucht es letztlich ohnehin nicht. "Rumours" ist schließlich ein Album, das man auf Grund der bestechenden Qualität jeden Tag hören könnte. Auch gerne ohne speziellen Grund. Das fängt ja schon mit dem sonnigen Rhythmus des Openers "Second hand news" an. Wäre dieser Song nicht auf Dauerschleife im Jugendzimmer von Ezra Koenig gelaufen, wer weiß, wie Vampire Weekend heute klängen. "Dreams" bleibt die schwelgerische Scheinballade, die mit ihrem warmen Basslauf noch jeden tristen Wintertag ins lichtdurchflutete Gegenteil verkehrt. Fleetwood Mac waren zu jener Zeit Meister aller Klassen: Zupackende Rocksongs finden sich hier neben herzzerreißenden Balladen, lässige Folk-Fingerübungen gehen Hand in Hand mit vernebeltem Psych-Pop. Die Anknüpfungspunkte sind so vielfältig, so polytrop, dass man "Rumours" schon fast als die eierlegende Wollmilchsau der Pop-Welt bezeichnen könnte. Bei aller stilistischen Vielfalt werden Fleetwood Mac hier eines jedoch nie: beliebig.

Das vorliegende Boxset lässt nun also eintauchen in den "Rumours"-Kosmos, mit diversen Alternative-Takes, Live-Versionen und Demo-Aufnahmen, die einen wunderbaren Einblick in das Schaffen der Band geben, strenggenommen aber wohl nicht nötig gewesen wären. Nichtsdestotrotz machen diese Erkundungen Freude, denn "Rumours" wird hier von sämtlichen Blickwinkeln aus betrachtet. Etwa wenn man die Entwicklung eines Stückes wie "Gold dust woman" mitbekommt, vom frühen Demo, über eine ungehübschte Session-Aufnahme bis hin zum finalen Glanzstück, das ja auf zauberhafte Weise das reguläre Album beschließt. Ein Song wie das Lebkuchenhaus aus dem Grimm'schen Märchen "Hänsel und Gretel": süß und verlockend, aber auch gefährlich, weil man den dunklen Kern des Stückes durch die zuckrige Oberfläche schimmern sieht. Auch das erst nachträglich ans Album geheftete "Silver Springs" fügt sich in die Gesamtstimmung und wird hier in verschiedenen Versionen dargeboten.

Die Live-Platte kommt dann überraschenderweise mit Songs daher, die im Grunde gar nichts mit dem hier zelebrierten "Rumours" zu tun haben, was den Grundgedanken dieses Boxsets in gewisser Weise unterminiert. Sei's drum: Auch "Monday morning", "World turning" und natürlich "Rhiannon" sind spitzenmäßige Stücke, allesamt vom selbstbetitelten Vorgängeralbum aus dem Jahr 1975. Ein Tränchen verdrückt man dann halt, weil mit "Landslide" das vielleicht schönste aller Fleetwood-Mac-Lieder fehlt. Dafür darf man sich jeweils viermal die Aufbruchshymne "Go your own way" und die hypnotische Therapiesitzung "Oh daddy" zu Gemüte führen. Auch hier sind die Unterschiede der Versionen nicht gravierend, mindestens aber interessant. Dass man letzten Endes aber schon ein gesteigertes Interesse an dieser Band und ihrem Meisterwerk haben muss, um das fast vierstündige Boxset vollumfänglich zu goutieren, versteht sich ja auch von selbst. Es zahlt sich aus.

(Kevin Holtmann)

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Highlights

  • Dreams
  • Don't stop
  • Go your own way
  • The chain

Tracklist

  • CD 1
    1. Second hand news
    2. Dreams
    3. Never going back again
    4. Don't stop
    5. Go your own way
    6. Songbird
    7. The chain
    8. You make loving fun
    9. I don't wanna know
    10. Oh daddy
    11. Gold dust woman
    12. Silver Springs
  • CD 2
    1. Intro (Live 1977)
    2. Monday morning (Live 1977)
    3. Dreams (Live 1977)
    4. Don't stop (Live 1977)
    5. The chain (Live 1977)
    6. Oh daddy (Live 1977)
    7. Rhiannon (Live 1977)
    8. Never going back again (Live 1977)
    9. Gold dust woman (Live 1977)
    10. World turning (Live 1977)
    11. Go your own way (Live 1977)
    12. Songbird (Live 1977)
  • CD 3
    1. Second hand news (Early take)
    2. Dreams (Take 2)
    3. Never going back again (Acoustic duet)
    4. Go your own way (Early take)
    5. Songbird (Demo)
    6. Songbird (Instrumental take 10)
    7. I don't wanna know (Early take)
    8. Keep me there (Instrumental)
    9. The chain (Demo)
    10. Keep me there
    11. Gold dust woman (Early take)
    12. Oh daddy (Early take)
    13. Silver Springs (Early take)
    14. Planets of the universe (Demo)
    15. Doesn't anything last (Acoustic duet)
    16. Never going back again (Instrumental)
  • CD 4
    1. Second hand news (Sessions roughs outtakes)
    2. Dreams (Sessions roughs outtakes)
    3. Brushes never going back again (Sessions roughs outtakes)
    4. Don't stop (Sessions roughs outtakes)
    5. Go your own way (Sessions roughs outtakes)
    6. Songbird (Sessions roughs outtakes)
    7. Silver Springs (Sessions roughs outtakes)
    8. You make loving fun (Sessions roughs outtakes)
    9. Gold dust woman (Sessions roughs outtakes)
    10. Oh daddy (Sessions roughs outtakes)
    11. Think about it (Sessions roughs outtakes)
    12. Never going back again (Early demo)
    13. Planets of the universe (Early demo)
    14. Butter cookie keep me there (Early demo)
    15. Gold dust woman (Early demo)
    16. Doesn't anything last (Early demo)
    17. Mic the screecher (Jam sessions)
    18. For Duster (The blues) (Jam sessions)

Gesamtspielzeit: 228:40 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

jo

Postings: 1712

Registriert seit 13.06.2013

2019-12-21 11:28:29 Uhr
So wie letztes Jahr "The Beatles" ;). Aber ja, ich bin ja schon ruhig.

Davon abgesehen kann ich der Rezension nur zustimmen *daumenhoch*.

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 18117

Registriert seit 08.01.2012

2019-12-21 11:00:21 Uhr
Lag auch bisschen dran, dass wir für solche Rezensionen am Jahresende im Rahmen der Specials offener sind. Und da eben die Fleetwood Mac kam.

jo

Postings: 1712

Registriert seit 13.06.2013

2019-12-21 05:48:38 Uhr
Hatte ich doch von vornherein in Relation gesetzt...

Mic

Postings: 276

Registriert seit 24.08.2019

2019-12-20 23:41:49 Uhr
Ganz ehrlich, ich war ein R.E.M. Fan von der ersten Stunde. Aber Rumors ist so ein Brett.

jo

Postings: 1712

Registriert seit 13.06.2013

2019-12-20 23:24:19 Uhr
Klar. Wir verstehen uns seit circa 2002 ;).

Und ohne Wenn und Aber ist das bei "Rumours" auch durchaus nachvollziehbar. Ich gehe, was das Schreiben solcher "historischer Werke" angeht, ja lediglich rein analytisch vor. Und von dieser Seite aus gesehen denke ich eben nicht, dass es musikhistorisch gesehen "relevanter" als zum Beispiel "Sgt. Pepper's" oder das "weiße" Album von The Beatles ist (vor allem letzteres hätte letztes Jahr hervorragend auch in den Zeitraum gepasst).

Hilft aber natürlich nichts, wenn das in der Redaktion niemand besprechen will und die Resonanz bei (dem natürlich auch über alle Zweifel erhabenen) "Rumours" ungleich höher ist...
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