Robbie Williams - The Christmas present

Robbie Williams- The Christmas present

Sony
VÖ: 22.11.2019

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 3/10

Alle im Sack

Eine erfolgreiche Boybandkarriere? Check! Eine (Neu-)Erfindung als Solokünstler? Check! Swingstandards und Duette mit den schönsten Frauen der Welt? Check? Mindestens ein von Kritik und Fans kontrovers diskutiertes Album? Check! Live-, Best-of- und B-Seiten-Sammlungen? Auch da! Ein Weihnachtsalbum mit Stars aus aller Herren Länder? Ch... Moment!

Mit "The Christmas present" hat es Robbie Williams dann endlich getan und sein erstes Weihnachtsalbum veröffentlicht. Nachdem sein letztes Solowerk "The heavy entertainment show" nunmehr drei Jahre auf dem Buckel hat und auch keine nachhaltig memorable Single aufweisen konnte, sollen es nun saisonale Klassiker, illustre Gäste und der als Co-Writer erneut anwesende Guy Chambers richten. Dass es darüber hinaus ein Doppelalbum geworden ist, könnte allerdings ein wenig zu viel des Guten sein. Aufgeteilt in "Christmas past" und "Christmas future" bietet das Werk mehr Geschmacksrichtungen als der bunte Teller unterm Weihnachtsbaum, und genau wie bei diesem kann der Griff zur verlockend aussehenden Süßware auch mal eine wenig genießbare Füllung aufweisen.

Mit Standards wie "Winter wonderland", "Let it snow! Let it snow! Let it snow!" oder dem unverwüstlichen und sehr gelungenen "The Christmas song (Chestnuts roasting on an open fire)" kommt man direkt in Stimmung, da Williams hier den bewährten Sound seiner Swingalben aufgreift und sich mit Jamie Cullum für Slades "Merry Xmas everybody" einen gleichgesinnten Interpreten ans Piano geholt hat. Noch besser ist das auf mit Versatzstücken von "The carol of the bells" versehene "Rudolph", weil es den vorhersehbaren Engelschor kaum in den Vordergrund rückt und die Geschichte vom rotnasigen Rentier einmal nicht im Sinne eines Kinderliedes interpretiert. Das viel kommentierte Duett "Santa baby" mit Helene Fischer fügt sich zudem relativ schmerzfrei in den Gesamtkontext ein, die provozierende laszive Niedlichkeit der Sängerin wirkt allerdings einstudiert wie das Adventsgedicht eines Erstklässlers im Angesicht des Weihnachtsmanns. Soviel Glätte raut halt auch der lässigste Robbie nicht auf.

Mit Weihnachtsgrüßen von Familie Williams, von der neben Robbie selbst auch seine älteste Tochter ein paar Töne trällern darf, wechselt Williams die Seite und lässt auf "Christmas future" so richtig die Rute aus dem Sack. Doch "future" ist hier mal bis auf die Tatsache, dass es sich fast alles um Neukompositionen handelt, kaum etwas. Einfallsloser, gestriger Stadionrock und antiquiert angefunkte Ständchen mit unter anderem Bryan Adams und Tyson Fury (!) im Schlepptau bestimmen das Bild. Weihnachtstimmung ist anders, auch wenn es "Darkest night" mit leichter ABBA-Melodik zumindest versucht. Die The-Pogues-Pastiche "Fairytales" ist eine zahme, farblose Folkrocknummer, Rod Stewart ist halt kein Shane MacGowan und überhaupt ist das eben nicht New York. Dann doch lieber der lässige, augenzwinkernde Weihnachtsshuffle "Happy birthday Jesus Christ", der richtig Laune macht und mit dem hübschen Gospelchor sogar zum Tanz um die Krippe einlädt.

Dass das erste Weihnachtsalbum keine komplett besinnliche Angelegenheit werden würde, konnte man sich aufgrund der Spitzbübigkeit des Musikers, der gerade auf der ersten CD sehr gut bei Stimme ist, vorstellen, doch dass man sich nach der ärgerlichen ersten Hälfte der "Christmas future" sogar über das kitschige Vater-Tochter-Duett im feierlichen "Home" freut, ist schon erschreckend. Die sichere und in weiten Teilen hübsch anzuhörende Bank der traditionellen "Christmas past" verlassend, packt Williams zu viel von dem in den Sack, was sowieso schon jeder kennt. Selbst die Verpackung wirkt zu gestrig, was sich halt eben auch an den Gaststars ablesen lässt. So ist die Weihnachtszukunft schon ein Rückschritt, der auch von den Klassikern nur bedingt aufgefangen werden kann.

(Carl Ackfeld)

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Highlights

  • The Christmas song (Chestnuts roasting on an open fire)
  • Rudolph
  • Happy birthday Jesus Christ

Tracklist

  • CD 1
    1. Winter wonderland
    2. Merry Xmas everybody (feat. Jamie Cullum)
    3. Let it snow! Let it snow! Let it snow!
    4. The Christmas song (Chestnuts roasting on an open fire)
    5. Coco's Christmas lullaby
    6. Rudolph
    7. Yeah! It's Christmas
    8. It's a wonderful life (feat. Poppa Pete)
    9. Let's not go shopping
    10. Santa baby (feat. Helene Fischer)
    11. Best Christmas ever
    12. One last Christmas
    13. Coco's Christmas lullaby reprise
  • CD 2
    1. Time for change
    2. Idlewild
    3. Darkest night
    4. Fairytales (feat. Rod Stewart)
    5. Christmas (Baby please come home) (feat. Bryan Adams)
    6. Bad Sharon (feat. Tyson Fury)
    7. Happy birthday Jesus Christ
    8. New Year's day
    9. Snowflakes
    10. Home
    11. Soul transmission

Gesamtspielzeit: 78:17 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

squand3r

Postings: 28

Registriert seit 24.01.2019

2019-12-23 17:20:39 Uhr
Ich weiß ganz genau, dass jeder einzelne Grinch hier heimlich im Auto brav Weihnachtslieder mitsingt! In diesem Sinne: Merry Christmas, everyone! :) Robbie Williams, The Christmas Present, forever.

Eurodance Commando

Postings: 546

Registriert seit 26.07.2019

2019-12-23 16:56:26 Uhr
Aber sowas von!!!111elf

Deaf

Postings: 298

Registriert seit 14.06.2013

2019-12-23 16:31:31 Uhr
Bitte hört doch auf, ständig Weihnachtsalben-Hörer indirekt anzugreifen!

Jahreslisten der Magazine

Postings: 41

Registriert seit 14.12.2019

2019-12-23 16:30:28 Uhr
Na, wenn Eurodance Commando das moniert, ist ja wohl eine Entschuldigung der Redaktions-Jenny vom Dienst auch hier das Mindeste.

Eurodance Commando

Postings: 546

Registriert seit 26.07.2019

2019-12-23 16:01:52 Uhr
Weihnachtsalben sind einfach der Inbegriff von Indie. Und wenn's dazu noch von Robbie Williams ist...
Das ist quasi die Speerspitze von Indieness, da kommt kein LoFi-Indie-Artist der letzten 20, 30 Jahre ran. Schön, dass man es dann hier bespricht. Ist ja auch das Beste aus Rock und INDEPENDENT(!!!!). Voll indie Fresse!
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