Gang Starr - One of the best yet

Gang Starr- One of the best yet

Gang Starr / Rough Trade
VÖ: 01.11.2019

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Die Unvollendeten

Comeback einer Legende? Fauler Kompromiss? Etikettenschwindel? Es wirft Fragen auf, wenn eins der meistgeschätzten HipHop-Duos nach 16 Jahren neues Material veröffentlicht, obwohl eins von zwei Mitgliedern seit 2010 nicht mehr lebt. Am Renommee von Gang Starr bestehen dabei keinerlei Zweifel: Der versierte Produzent DJ Premier versöhnte HipHop mit Jazz und pflegte an den Decks die hohe Kunst der Schnipselogie, der inzwischen verstorbene Guru wachte als MC mit strengem Flow über den guten Genre-Ton und klopfte der Konkurrenz mahnend auf die Style-Finger. Platten wie "Hard to earn" oder "Step in the arena" gelten als Meilensteine: Kaum jemand scratchte und sampelte so rasant und kickte so pointierte Rhymes. Woran sich auf diesem Guru-Verherrlichungs-Album kaum etwas geändert hat. Doch das ist längst noch nicht alles.

Denn nicht genug damit, dass "One of the best yet" – sowohl eine Referenz an Guru als auch ein Fetzen aus der 1999er-Single "Full clip" – natürlich Vocal-Takes des Verblichenen enthält, die Premier dessen Intimus Solar für ein vermutlich hübsches Sümmchen abkaufte. Größen wie A Tribe Called Quests Q-Tip, alte Weggefährten aus der Brooklyner Hood, junge Conscious Rapper, die ohne Gang Starr womöglich nie zum Mic gegriffen hätten, Gurus Sohn per Interlude – sie alle drängeln sich auf einem zeitlich sparsamem Album. J. Cole gebührt gar die Ehre, beim vorzüglichen Vorabtrack "Family & loyalty" mitzutun, der sich mit versonnenem Piano und sorgfältig drapierten Strings zudem vor Wu-Tang Clan und Eric B. & Rakim verneigt. Und wer wollte daran zweifeln, dass Gang Starr schon lange können, was Loyle Carner in "You don't know" kann?

Eine Art Ruhepol auf halber Strecke von "One of the best yet", der den Zusammenhalt der heimischen Hood feiert – drumherum geht es währenddessen drunter und drüber. Schon "Lights out" bombt die Sache mit so stumpfem wie zwingendem Groove wenn nicht in die Steinzeit, so doch Richtung 2000, als die gastierenden M.O.P. noch "Ante up" grölten. Q-Tip dagegen gibt in "Hit man" wenig sinnstiftend, aber wunderbar durchgeknallt irgendetwas zwischen Human Beatbox und gutturalem Maschinengewehr, und auch Jeru The Damaja lässt sich bei "From a distance" zu unablässig schabenden Rhythmen nicht lumpen. Veritable Monster-Tracks also, die darüber hinwegtrösten, dass Premier die Streicher-Soße manchmal etwas arg dick aufträgt und Guru im schmierigen "Get together" vor lauter Ne-Yo und Nitty Scott beinahe verlorenzugehen droht.

Zumindest wenn der Kuchen über die Schwachheiten der stümpernden Konkurrenz rappt, haben die Krümel Pause: Beklagt Guru in "Bad name" oder "So many rappers" ganz ohne Features die "mediocre prose" seiner Zeitgenossen, wirkt das zwangsläufig aus der Zeit gefallen, aber dank Zeilen wie "It's all madness, there's too many to count / Everybody and your mom wanna rap, no doubt" sehr wohl amüsant – "Ja, ja ... Deine Mudder!" einmal andersherum. Und auch ein vierter Teil der "The militia"-Reihe passt noch in diese 37 randvollen Minuten, nach denen man trotzdem das Gefühl hat, dass irgendetwas fehlt. Gurus Asche, die während der Produktion auf dem Mischpult präsent war und von Royce Da 5'9'' einen Shout bekommt, kann es nicht gewesen sein – ein treffendes Sinnbild für eine bahnbrechende Band, die aus tragischen Gründen unvollendet bleibt.

(Thomas Pilgrim)

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Highlights

  • Lights out (feat. M.O.P.)
  • Hit man (feat. Q-Tip)
  • Family & loyalty (feat. J. Cole)
  • So many rappers

Tracklist

  1. The sure shot (Intro)
  2. Lights out (feat. M.O.P.)
  3. Bad name
  4. Hit man (feat. Q-Tip)
  5. What's real (feat. Group Home & Royce Da 5'9'')
  6. Keith Casim Elam (Interlude)
  7. From a distance (feat. Jeru The Damaja)
  8. Family and loyalty (feat. J. Cole)
  9. Get together (feat. Ne-Yo & Nitty Scott)
  10. NYGz / GS 183rd (Interlude)
  11. So many rappers
  12. Business or art (feat. Tabib Kweli)
  13. Bring it back here
  14. One of the best yet (Big Shug interlude)
  15. Take flight (Militia pt. 4) (feat. Big Shug & Freddie Foxxx)
  16. Bless the mic

Gesamtspielzeit: 37:04 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

Kojiro

Postings: 135

Registriert seit 26.12.2018

2020-01-08 14:58:53 Uhr
Nach etwas mehr Zeit, ist es etwas besser als anfangs bewertet, aber noch Meilenweit davon entfernt, als Gang Starr-ALbum durchgehen zu können. Ich finde vor allem Albumhälfte zwei richtig mies / schlampig.

Erste Hälfte des Albums völlig ok / gut. Gibt außer Family / Royalty und Hit-Man leider keine weiteren Konzeptsongs bzw. Songs mit mehr als einem Guru-Vers.

Highlight inzwischen das anfangs völlig belächlte Get Together. Richtig klasse. Bis auf die Hook...

fuzzmyass

Postings: 2465

Registriert seit 21.08.2019

2020-01-06 17:37:03 Uhr
also ich habe nach langem Zögern das Ding auf Vinyl geholt und endlich mal richtig gehört... es ist natürlich von den alten Großtaten entfernt, aber es ist auch überraschend gut geworden und macht richtig Spaß... klar, hin und wieder ist GURU etwas leise im Mix um evtl die Aufnahmequalität seiner Vocals zu cachieren, aber im Großen und ganzen sehr solides Album, was vollkommen in Ordnung geht und nicht am Denkmal kratzt.

Sehr gute 7/10

cipo

Postings: 12

Registriert seit 13.06.2013

2019-12-10 17:51:09 Uhr
[...] Denn nicht genug damit, dass "One of the best yet" – sowohl eine Referenz an Guru als auch ein Fetzen aus der 1999er-Single "Full clip" [...]

Klugscheiß: "Full Clip" samplet hier auch nur das Original, und das ist "You Know My Steez" von 1997 (Moment of Truth)

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 18110

Registriert seit 08.01.2012

2019-12-09 21:26:23 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

Meinungen?

Kojiro

Postings: 135

Registriert seit 26.12.2018

2019-11-05 20:34:41 Uhr
Gut, Schrott ist vielleicht übertrieben, aber gibt zu viele Dinge, die negativ aufstoßen:

- Premier hat die Vocals für 30.000$ freigekauft. Zwar schön, dass die nicht mehr in den Händen Solars sind, aber dafür und angesichts der Tatsache, ein emotionales Gang Starr Album nach 16 Jahren zu veröffentlichen, ist das viel zu wenig

- Gurus Vocals klingen oft einfach off-beat und zu steril. Lediglich auf Family / Loyalty, Bad Name und Get Together klingt er nicht wie ein Fremdkörper.

- Beats klingen - wie fast alle Premier-Produktionen der letzten Jahre - extrem lasch, unmotiviert, ungroovig

- Erste Albumhälfte noch ganz gut bis okay. Hälfte Zwei dafür deutlich schlechter. Teilweise sogar schlampig.



Beste Songs:

- Bad Name
- Hit Man
- Family / Loyalty
- What´s Real
- Get Together

Mir ist das für ein Gang Starr Album zu wenig. Da hätte ich von Premier schon etwas mehr Herzblut erwartet. Vieles wirkt einfach zu sehr hingerotzt...
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