William Patrick Corgan - Cotillions

William Patrick Corgan- Cotillions

Martha's Music / Warner
VÖ: 22.11.2019

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Hü und hott

"Billy!"

"William Patrick!"

"Billy!"

"William Patrick!"

Was denn nu? Mr. Corgan kann sich einfach nicht entscheiden. Für sein zweites Soloalbum "Ogilala" wechselte er mit großem Trara zu seinem vollen Namen William Patrick Corgan, nur um wenige Wochen nach Veröffentlichung das Ding zurück auf Billy Corgan umzumelden. Der unzeremoniös angekündigte Nachfolger "Cotillions" erscheint nun wieder als William Patrick, es ist aber nur eine Frage der Zeit, bis dort Billy, Willy, Billiam Patrick oder etwas gänzlich Anderes in der Interpretenzeile steht. "Call me rider, call me anyone." Stabiler ist da schon der Sound, der in seiner Reduktion nahtlos an die Besinnlichkeit von "Ogilala" anknüpft. Percussion ist Fehlanzeige, stattdessen dominieren akustische Gitarre, Streicher und dann und wann eine Fidel, die dieser Platte einen starken Country-Anstrich verleiht.

Ach, und natürlich ist Corgans unverkennbare und im Mix mal wieder unüberhörbare Stimme das wichtigste Bindeglied. Dass der Smashing-Pumpkins-Kopf auch auf "Cotillions" ein paar wunderhübsche Melodien unterbringt, sei ihm aber zugestanden. Gleich der Opener "To scatter one's own" startet mit der Bitte "Scatter me out on the prairie" in ein sehr harmonisches Songwriter-Stück. In eine ähnliche Kerbe schlägt der Titeltrack, der zudem wie einige andere Songs einen gospelartigen Backingchor einspannt und mit Blick auf die Jahreszeit der Veröffentlichung sicher saisonal richtig liegt. Neben den langsameren Elegien stehen flottere Stücke for the Road wie "Jubilee" oder "Faithless darlin'", in denen man Corgan förmlich mit Cowboyhut vor sich sieht. "6+7" treibt nach ominösem Schusswechsel im Intro die Lieblichkeit auf die Spitze. Irgendwo auf dem Weg zur Selbstfindung: "Tear the curtain down / There you are."

Das Hauptproblem von "Cotillions" ist die mangelnde Abwechslung. Es gibt keine Ausfälle unter den 17 Songs, aber wenn auf "Dancehall" mit "Cri de coeur" ein fast identisches Stück folgt und sich in der Mitte ein leicht penetrantes Gefidel durch mehrere Songs in Folge zieht, wünscht man sich wenigstens mal einen Ausbruch oder ein Wagnis. Oder eben die Schere, um diese Stunde ein wenig zusammenzuschnippeln. "Cotillions" läuft in all seiner Entspanntheit oft genug nämlich nur nett nebenher, ohne richtig zu packen. Das hatte "Ogilala" noch etwas stimmungsvoller hinbekommen mit seinem dichten Sound, während hier noch mehr Reduktion, aber eben auch weniger Intensität angesagt ist. Es ist ein weiterer Low-Key-Release, der Corgan keine neuen Fans gewinnen, aber zumindest die Alteingesessenen zufriedenstellen wird. Dafür steht er – mit irgendeinem Namen.

(Felix Heinecker)

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Highlights

  • To scatter one's own
  • Cotillions
  • Like lambs
  • Neptulius

Tracklist

  1. To scatter one's own
  2. Hard times
  3. Jubilee
  4. Fragile, the spark
  5. Cotillions
  6. Faithless darlin'
  7. Colosseum
  8. Martinets
  9. Buffalo boys
  10. Dancehall
  11. Cri de coeur
  12. Like lambs
  13. Rider
  14. Apologia
  15. Neptulius
  16. 6+7
  17. Anon

Gesamtspielzeit: 61:35 min.

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User Beitrag

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 18110

Registriert seit 08.01.2012

2019-12-09 21:26:05 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

Meinungen?

The MACHINA of God

User und Moderator

Postings: 22029

Registriert seit 07.06.2013

2019-11-26 19:29:35 Uhr
Früher war er halt einfach im Mix eingebettet, da passt auch das Nicht-Können gut. Auf "Mellon Collie" ist das super. Aber seit er sich so in den Vordergrund mischt (seit "Reunion") ist das schlimm.

UNd ja, "Original machines" von Conrad Keely ist sehr zu empfehlen

Vive

Postings: 308

Registriert seit 26.11.2019

2019-11-26 19:08:39 Uhr
@machina
Conrad keely Soloalbum? Geil, hör ich demnächst mal rein

Vive

Postings: 308

Registriert seit 26.11.2019

2019-11-26 19:07:24 Uhr
Ich ertrag ihn gar nicht mehr - seine ganze Art, aber vor allem seine absolute Gesangsunfähigkeit. Butch Vig hat ihn auf Siamese Dream perfekt geleitet und nachher mit Chorus und Kompressor gerettet. Aber wie man nach Jahrzehnten auf Bühnen nicht mal irgendwann Unterricht nimmt, obwohl man offensichtlich jeden zweiten Ton verhaut, ist mir schleierhaft.

The MACHINA of God

User und Moderator

Postings: 22029

Registriert seit 07.06.2013

2019-11-22 20:30:41 Uhr
Wie "Ogilala" halt wieder reduziert. Grad aber irgendwie kein Bock drauf. Höre lieber die Solo-Scheibe von Conrad Keely. :)
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