Editors - Black gold: Best of Editors

Editors- Black gold: Best of Editors

PIAS / Rough Trade
VÖ: 25.10.2019

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

An end and a start

Der Tenor könnte lauten, dass eine Best-Of-Zusammenstellung des bisherigen Editors-Œuvres als Einschnitt genau richtig kommt oder sogar schon zu spät. Schließlich schmeckte nicht jedem der Wandel der Band, welcher die Post-Punk-Anleihen zugunsten von Gothic-Synthpop zurückschraubte und gleichzeitig das bereits allein durch Tom Smiths markante Stimme vorhandene Pathos in schwindelnde Höhen trieb. Keine Geste zu groß, kein Sound zu wuchtig. "Black gold: Best of Editors" verzichtet nun auf Chronologie, mischt alte, junge und brandneue Tracks. 13 von den Alben bekannte Songs treffen auf drei Neukompositionen, obendrein haben die Briten für "Distance: The acoustic recordings" acht weitere Stücke ohne elektrische Verstärkung aufgenommen.

Man kann angesichts des bis dato unbekannten Openers "Frankenstein" nur hoffen, dass dieser lediglich aus dem letzten Zusammenfegen der Session-Reste entstanden ist, statt ein Fingerzeig in eine neue Richtung zu sein. Der Bass tuckert schmierig, Smith legt trotz dämlicher Textzeilen noch eine Schippe in der Intonation drauf und endgültig verloren ist die Schlacht mit dem stumpf bollernden Tanzrefrain. "Won't you dance like a monster with me?", lautet die Frage und man erinnert sich daran, dass Lady Gaga sowas viel besser kann. Dagegen sind "Upside down" und der Titeltrack wahre Wohltaten, die zwar auch nur unspektakulär die aktuelle, artifizielle Marschrichtung der Band widerspiegeln, aber immerhin nicht allzu negativ auffallen. "People don't play that sound / It's not what we're into", heißt es in Ersterem. Irgendwie auch bezeichnend.

Die Auswahl der bereits bekannten Songs, die sich zum Großteil auf Singles stützt, ist selten überraschend – und wenn, dann eher, weil man ein döseliges "No sound but the wind" auf der Rausschmeißerposition viel lieber gegen "In this light and on this evening" oder "Marching orders" getauscht hätte. Das Sequencing sorgt ohnehin ab und zu für Irritationen. Der sphärische "In dream"-Opener "No harm" mitten im Album? Die besten Songs dicht gedrängt gleich am Anfang? Gegen eines lässt sich jedoch nichts sagen: Fast alle Stücke haben ihre ursprüngliche Qualität über die Zeit behalten, sei es das treibende "Papillon", das zu Recht als Klassiker der 2000er-Jahre gilt, oder das bärbeißige "Sugar", das auf "The weight of your love" den Rest locker in die Tasche steckte. Etwas wehmütig darf man aber schon werden, wenn "An end has a start" im Vergleich klar macht, dass Editors solche Killer-Refrains nicht mehr schreiben können oder wollen.

Wer sich für diesen zumindest einigermaßen gelungenen Überblick des Bandschaffens als Einstieg entschieden hat, darf sich am Ende noch durch die akustische halbe Stunde aus Gitarren, Klavier und Streichern hangeln, die für kurze Zeit nett, in geballter Form jedoch leider zu viel des Guten ist. Es erscheint sinnvoll, dass die melodischere Frühphase mit drei Tracks von "The back room" und der B-Seite "Let your good heart lead you home" hier am meisten repräsentiert ist. "Walk the Fleet Road" funktioniert ohne den Pomp wiederum gar nicht – und dass ausschließlich langsame Songs ausgewählt wurden, macht die Sache nicht abwechslungsreicher. "Black gold: Best of Editors" hätte angesichts des Gesamtwerks also noch besser sein können, so bleibt nur eine bedingte Empfehlung für Neulinge und die Sorge darum, was jetzt noch kommen soll. Weiter so oder Kurswechsel? Eine Neuorientierung wäre nicht das Verkehrteste.

(Felix Heinecker)

Bei Amazon bestellen / Preis prüfen für CD, Vinyl und Download
Bei JPC bestellen / Preis prüfen für CD und Vinyl

Bestellen/anhören bei Amazon

Highlights

  • Papillon
  • Munich
  • Sugar
  • An end has a start

Tracklist

  • CD 1
    1. Frankenstein
    2. Papillon
    3. Munich
    4. Sugar
    5. Hallelujah (So low)
    6. An end has a start
    7. Upside down
    8. Bullets
    9. Ocean of night
    10. No harm
    11. Smokers outside the hospital doors
    12. A ton of love
    13. Magazine
    14. The racing rats
    15. Black gold
    16. No sound but the wind
  • CD 2
    1. Violence (Distance: The acoustic recordings)
    2. Walk the Fleet Road (Distance: The acoustic recordings)
    3. Blood (Distance: The acoustic recordings)
    4. Let your good heart lead you home (Distance: The acoustic recordings)
    5. Smokers outside the hospital doors (Distance: The acoustic recordings)
    6. Fall (Distance: The acoustic recordings)
    7. Two hearted spider (Distance: The acoustic recordings)
    8. Distance (Distance: The acoustic recordings)

Gesamtspielzeit: 102:59 min.

Bestellen bei Amazon

Threads im Plattentests.de-Forum

Anhören bei Spotify