Frail Body - A brief memoriam

Frail Body- A brief memoriam

Deathwish / Membran
VÖ: 01.11.2019

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Aufgeben für Anfänger

"It seems that I'm slowly at peace with leaving / It seems that I'm slowly at peace with giving up." Resignation, beschrieben in zwei Versen, die so scharf runtergehen, als hätte man versehentlich zum Fläschchen Isopropanol gegriffen. Die einen ganzen Song tragen und dort auch noch zu allem Überfluss vor Fieldrecordings von fröhlich diskutierenden Leuten geworfen werden. So geht es im Song "At peace" zu. 95 Sekunden vertonter Tristesse, eineinhalb Minuten ausufernder Projektionsfläche für wirklich alles, was jeden Tag Energie und Mut raubt. Ob man jetzt nur seine negativen Emotionen dort ablädt, oder sich hemmunglos der völligen Trostlosigkeit von "At peace" hingibt: eine musikalische Müllhalde, im positivsten aller Sinne.

Aufgenommen schon 2017, von Frail Body, einer Band, die man zu den äußerst positiven Überraschungen zählen darf. Das sah man jedenfalls im Hause Deathwish so, weshalb man das Trio aus Illinois kurzerhand ins Programm genommen hat und jetzt das erste Album der Band – das streng genommen drei Songs aus dem Jahr 2017 enthält, aber sei's drum – veröffentlicht. Und wie schon auf dem beschriebenen "At peace" sind Frail Body niedergeschlagen. Dass die Platte dann auch "A brief memoriam" heißt, erscheint da nur konsequent. Dass es mit "Your death makes me wish heaven was real" einen Songtitel gibt, der so entwaffnend und zugleich brutal ist, zieht einem aber schon ein Stück weit den Boden unter den Füßen weg. "A brief memoriam", das ist nicht nur ein bisschen schlechte Laune und dunkle Schminke. Hier wird getrauert und verabschiedet, hier wird gelitten, ohne jede Form von Schutz.

Dafür aber mit jeder Menge ausgezeichneter Songs. "Pastel" wuselt noch zehn Sekunden im Studio herum, ehe sich das Stück vor Birds In Row verneigt und dabei das Kunststück vollbringt, qualitativ in ähnlichen Regionen zu spielen. Das heisere Geschrei, die halsbrecherische Geschwindigkeit, das zügellose Tempo, die punktgenau gesetzten Melodien, die trotz morbider Zeilen wie "You're not breathing / With your blank stare" zum Ende des Song fast hoffnungsvoll klingen dürfen. Für einen Moment. Bevor eben "Your death makes me wish heaven was real" übernimmt und für die nächsten vier Minuten und 23 Sekunden der Baum, die Luft, der komplette Cortex brennt. "I'll hold your hand while you die / delineate through your pale eyes." Frail Body überschreiten sehenden Auges die Schmerzgrenzen.

Mit einem Hardcore, der voller Emotion steckt, auch abseits der Lyrics. Der auf den ersten Blick anschmiegsam wie ein Kantholz daherkommt, aber sowohl großzügig ausstaffiert ist, als auch keine Scheu vor eingängigen Melodien aufweist und entsprechend viel zu entdecken bietet. Und mit einem gewissen Sinn für Sequenzierung, wie "Traditions in verses" eindrücklich zeigt. Da wird zum Übergang in die älteren Stücke erstmal Tempo rausgenommen, das "Cold new home" dann langsam wieder aufnimmt. Da darf das ausladend instrumentierte "Old friends" den Vorhang schließen. Und obwohl man dem Klangbild entnehmen kann, dass diese sieben Songs nicht in einem Rutsch aufgenommen wurden, bricht hier nichts, ergibt sich ein stimmiges Ganzes.

(Martin Smeets)

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Highlights

  • Pastel
  • Your death makes me wish heaven was real
  • Traditions in verses
  • At peace

Tracklist

  1. Pastel
  2. Your death makes me wish heaven was real
  3. Aperture
  4. Traditions in verses
  5. Cold new home
  6. At peace
  7. Old friends

Gesamtspielzeit: 21:25 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

kiste

Postings: 23

Registriert seit 26.08.2019

2019-11-26 10:04:29 Uhr
Ich habe mich nun nach einigen Durchläufen mit den Texten beschäftigt. Es ist schon stellenweise sehr schwer, dem ganzen zu Folgen, da man kaum etwas versteht. Dies schmälerte etwas den bisher sehr guten Gesamteindruck. Dennoch ein Brett und trotz des hohen Krachfaktors mit erstaunlich differenzierten Sound!

tjsifi

Postings: 370

Registriert seit 22.09.2015

2019-11-25 13:14:18 Uhr
Hat definitiv was! Letztet Funke ist aber noch nicht übergesprungen.
Höre mich gerade noch an Greet Death fest und da ist das Geschrei dann doch ein bisschen anstregend...Deathwish hat aber gerade mit den beiden Bands mal wieder bewiesen was für ein gutes Händchen sie haben!

boneless

Postings: 2557

Registriert seit 13.05.2014

2019-11-24 22:02:27 Uhr
Hui, hätte nicht gedacht, dass ich mal ein Album aus dieser Sparte hier entdecken würde. Richtig fantastisch, so auf den ersten Hör. Wenn alles glatt läuft, sieht man sich in den Jahrescharts, braucht sich vor anderen Größen des Genres jedenfalls nicht zu verstecken.
Falls jemand noch ähnlich schönes Geschrei aus 2019 braucht: Nuvolascura und State Faults.

Mayakhedive

Postings: 1272

Registriert seit 16.08.2017

2019-11-24 18:20:23 Uhr
Der "Gesang" ist hier für mich gerade der Knackpunkt. Der passt mir irgendwie nicht so.
Darüber lachen muss ich aber andererseits auch nicht, das wär dann vielleicht sogar ein Pluspunkt.

Autotomate

Postings: 1376

Registriert seit 25.10.2014

2019-11-24 17:50:47 Uhr
Ich bin eigentlich gar nicht so dicke mit "Screamo". Mich stört, dass ich anfangs häufig über den Gesang lachen muss, was sich zwar mit der Zeit legt, worauf zu warten mir aber häufig die Geduld fehlt. Hier hat mir mal wieder irgendwas drüber weg geholfen... Meine Highlights sind momentan "Your Death Makes Me Wish...", "Cold New Home" und "Old Friends".
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