Skemer - Benevolence

Skemer- Benevolence

Avant! / Wool-E-Tapes
VÖ: 25.10.2019

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

A walk in the dark

Welche Musik hört eigentlich die Schlange Kaa aus "Das Dschungelbuch"? K.A. Aber wir mussten an sie denken, als Skemers "Benevolence" erstmals lief. Denn das belgische Duo betört im Auftakt seines Debütalbums mit hypnotischen Nebelschwaden, die Dich in ihre Welt ziehen wollen. Was verblüffend reibungslos funktioniert. Sinister vibrierende Flächen machen schnell klar, dass hier viel zu finden sein wird, aber kein Gemütlichkeitsswing. Schon flackern Schlaglichter auf, rücken immer näher und verdichten sich schließlich zum rhythmischen Knochen des Openers "Shout or cry". Dem Titel verleiht Sängerin Kim Peers dann auch lautmalerischen Nachdruck in einem Stück über Wut, Lust, Macht und Devotion.

Peers zählt im Opener vielleicht nicht zu den größten Sängerinnen, aber erstens wohnt in diesem finsteren Sumpf sowieso nur eine Nachtigalle und zweitens beherrscht sie den Spagat zwischen Melancholie und kaltherzigem Duktus sehr gut, sodass die Songs die letzten Stückchen Seelenheil und Seelenbeil alleine ihr verdanken. Peers arbeitet seit über 20 Jahren als Model, streift musikalisch aber die Glitzerwelt ab. Gemeinsam mit ihrem Freund Mathieu Vandekerckhove, dem Gitarristen der Post-Metal-Band Amenra, nageln sie als Skemer kompromisslose, aber melodische Dark-Wave-Konstrukte an das versiffte Portal eines verlassenen Darkrooms. "Sunseeker" begehrt dann auch nicht höflich Einlass, sondern marschiert energisch mit Snare an der Seite in elegische und somnambule Räume. Helle Tupfer ja, von Sonnenlicht kann bei all der Suche aber keine Rede sein, und so vergräbt "Rhoeas" die Synthies gleich Etagen tiefer.

Wer schon lange nach einem Nachfolger von Zombie Nations "Kernkraft 400" sucht, dürfte zumindest im hämmernden Intro von "Best" verstörende Freude empfinden, zumal in der Folge radioaktiver Industrial, EBM sowie Elektro-Punk eingeschmolzen und konserviert werden. Brutalität und Schönheit liegen bei Skemer nahe beieinander – mitunter sogar in einem Song. Vandekerckhoves Gitarrensounds strecken in "Call me" die Arme zum Shoegaze aus und das wunderbare "Heartbreak" schafft es, gleichzeitig Stahl zu schmieden und Wehmut aufkommen zu lassen. Getrieben von einer Rhythmik, die etwas an Röyksopps "Monument" erinnert, zeigen uns Skemer bei synthetischem Wellengang im Bordprogramm von "Wait for me" die Performance von Chromatics' "Shadow" aus "Twin Peaks" und Ryan Goslings berühmte Fahrszene aus "Drive" – und gleiten damit nach gut 30 Minuten Laufzeit dahin, wo alles begann. Und was machen wir nun mit der hypnotischen Entlassungsurkunde aus "Benevolence"? Schlangestehen für die Wiederholung.

(Stephan Müller)

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Highlights

  • Sunseeker
  • Heartbreak
  • Wait for me

Tracklist

  1. Shout or cry
  2. Sunseeker
  3. Rhoeas
  4. Best
  5. Call me
  6. Heartbreak
  7. Wait for me

Gesamtspielzeit: 33:16 min.

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Armin

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2019-11-21 21:42:22 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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