Various Artists - Chicago 2018... It's gonna change

Various Artists- Chicago 2018... It's gonna change

Clearspot / EFA
VÖ: 10.03.2000

Unsere Bewertung: Ohne Bewertung

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Es war einmal in ferner Zukunft

Denkt man als nicht nur musikinteressierter Mensch an Chicago, fallen zuerst Al Capone, dann Billy Corgan und jede Menge Fleisch ein. Mit Maschinengewehren, Bratgitarren und Ex-Leben hat "Chicago 2018... It's gonna change" allerdings rein gar nichts zu tun. Jetzt "fleischlose Kunst" zu sagen wäre vermessen, auch wenn die Kuh auf dem Cover keine heilige, sondern eine ganz und gar (kunst-) stoffliche ist. Wo wir gerade bei Thema sind: Postrock wird in aller Musikjournalisten Mund als große Kunst des anbrechenden neuen Jahrtausends benannt. Weniger hektisch als das Ausliefern von Briefen und Päckchen klingt das, was "die Welt, wie sie sein soll" (Sam Prekop) reflektiert.

Einem Gewimmel zwischen Rock und Jazz, Folk und Country, Ambient und Drum'n'Bass, Electronica und Americana, Noise und Easy Listening entspringt so etwas wie eine gemeinsame musikalische Logik. Mit unkonzentriertem Reinhören ist denn auch diesem Verständnis nicht beizukommen. Zu komplex sind die Gedankengänge der Musiker, zu spontan wirken ihre Klangbilder. In fremden Sphären scheinen hier die einzelnen Elemente der Musik miteinander zu kopulieren und als Ergebnis dieser Schwangerschaften finden wir abstrakte Gebilde. Wenn ein langsamer Countryschieber mittels hintergründigem Geblubber zu einem Jazzwölkchen mutiert, darf man sich getrost an den versöhnlichen Geigenklängen festhalten oder gibt sich dem Ungewohnten hin. It's a Jazz thing, baby... und doch steckt mehr dahinter.

Während sich manch einer sehnsuchtsvoll nach den leichtverdaulichen Klängen von James Last oder von Peter Thomas sehnt und andere in die wirren Welten eines John Coltrane oder eines Charlie "Bird" Parker abtauchen wollen, erfrischen sich diese musikalischen Gebilde selbstbewußt an ihren Eigenarten. Effektheischerisches Getue ist hier ein Fremdwort. Zu unterbewußt wabern hier ganz eigene Welten durch die Gehörgänge. Strophe, Refrain, Strophe - das war einmal. Mit einem eingeschränktem Musikverständnis wird keine Zufahrt in die aufwühlenden Gewässer Chicagos möglich sein. Mag sein, daß die Welt (lies: deren musikalisches Bewußtsein) der Chicagoer Vision eines besseren Morgens nicht folgen kann. Schon Albert Einstein jedoch erkannte: "Der Unterschied zwischen Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft ist eine Täuschung - wenn auch eine hartnäckige". Vielleicht müssen erst ein paar unheilige Kühe geschlachtet werden.

(Oliver Ding)

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Highlights

  • CD1: The whistler (Bobby Conn)
  • The afternoon (Sam Prekop)
  • Never again (Jim O'Rourke)
  • Absolutism (Toe 2000)
  • King Cobra (Chicago Underground Duo)
  • 911 (Slam!)
  • Karissa (Pullman)
  • Imagining place (Bundy K. Brown)
  • Sunny Xmas day (Mick Turner)
  • Absolution (Tricolor)
  • CD2: Jetty 99 (Tortoise)
  • All life long (Remix) (Freakwater)
  • End of June (Joshua Abrahams)
  • Bewilderness (Eternals)
  • Hold that thought (NRG Ensemble)
  • California (Bobby Conn with Jim O\'Rourke)
  • Excerpt (Ken Vandermark 5)
  • LUH (Isotope 217)

Tracklist

  1. Karissa (Pullman)
  2. All life long (Remix) (Freakwater)
  3. LUH (Isotope 217)

Gesamtspielzeit: 106:07 min.

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