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Liz Phair - Liz Phair

Liz Phair- Liz Phair

Capitol / EMI
VÖ: 14.07.2003

Unsere Bewertung: 3/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Phair play

Früher war sie die Frau fürs Grobe. Liz Phair biß beherzt zu, wenn andere höchstens bellten, kam erst dann richtig auf Touren, wenn es dem Rest zu heikel wurde. Als Alanis Morissette noch nicht viel mehr als ein feuchter Label-Boß-Traum war, herrschte sie wahlweise mit fiesem Nackenschlag-Zynismus oder relaxter Entspanntheit über die beschauliche Frauen-Rock-Gemeinde und fitzelte sich auf drei Alben die paßgerechte LoFi-Musik zurecht. Wenn sie sang, hing man an ihren Lippen, und wenn dabei auch noch Textzeilen wie "I wanna be your blow-job queen" heraussprangen, lief nicht nur ihr das Wasser im Munde zusammen.

Zehn Jahre ist das jetzt auch schon wieder her. Und seitdem ist eine ganze Menge schief gelaufen. Hätte man Liz Phair damals zu fragen gewagt, was sie denn von Corporate-Rock-Göre Avril Lavigne halte, es hätte sicherlich eine hausgemachte Four-Letter-Schimpftirade gesetzt. Im am wenigsten schlimmen Falle. Und heute? Tja, heute holt sich Frau Phair den Feind ins eigene Bett. Nicht nur, daß Avrils hauseigene Matrix-Hitfabrik an vier Stücken mitwerkeln durfte. Über "Why can't I" könnte auch noch der letzte Tschetschene mit Sprachfehler völlig ohne Probleme "Complicated", den größten Renner des nervensägenden Vorschul-Punx, drübersingen. Probieren Sie's mal aus! Man möchte zu gerne wissen, was hier vor sich geht.

Alles, wofür Liz Phair einst stand, wurde auf ihrem vierten Album ersatzlos gestrichen. Keine Leidenschaft, keine lässigen Folk-Exkurse und statt schockierendem Schweinkram nur noch aufgesetzte Plattfüße wie "You feel like my favorite underwear / And I'm slipping you on again tonight". Statt mit dem Feuer zu spielen, dreht sie akustische Däumchen. Und wirkt dabei so zahnlos, daß man glatt meinen könnte, was einem da vom Cover entgegenschimmert, seien bereits die Dritten der guten Liz. Dabei ist sie doch erst 36. Zum kompletten Unglück fehlt eigentlich nur noch eine Coverversion von Meredith Brooks' altem "Bitch"-Gassenhauer.

Das erschreckendste an "Liz Phair" ist aber, daß ausgerechnet die Stücke, die zusammen mit dem Matrix-Team geschrieben wurden, noch die erträglichsten sind. "Extraordinary" macht einen sattsam lospreschenden Opener her, und wäre "Why can't I" nicht so dreist recycelt, man hätte es sich durchaus als zweite Single von Avril Lavigne gefallen lassen. Das war es dann aber auch schon. Der Rest ist nichts. Gar nichts. Höchstens aalglattes, sich schamlos anbiederndes Einerlei. Da fragt man sich, was Liz Phair während der Aufnahmen häufiger in der Hand gehalten hat. Die Gitarre oder das Bügeleisen?

(Daniel Gerhardt)

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Highlights

  • Extraordinary

Tracklist

  1. Extraordinary
  2. Red light fever
  3. Why can't I
  4. It's sweet
  5. Rock me
  6. Take a look
  7. Little digger
  8. Firewalker
  9. Favorite
  10. Love/hate
  11. H.W.C.
  12. My bionic eyes
  13. Friend of mine
  14. Good love never dies

Gesamtspielzeit: 50:13 min.

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