Blackwater Holylight - Veils of winter

Blackwater Holylight- Veils of winter

Riding Easy
VÖ: 11.10.2019

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 9/10

Fünf ist Trümpf

Dass viele Köche den Brei verderben, ist ein beliebtes und vielzitiertes, im Fall von Blackwater Holylight allerdings ziemlich unpassendes Sprichwort. Im Gegensatz zum selbstbetitelten 2018er-Debüt beteiligten sich alle fünf Musikerinnen der Band aus Portland, Oregon am Entstehungsprozess und "Veils of winter" wurde zu einem Kollaborationswerk, dessen dichte und gehaltvolle Wirkung zwar spürbar zahlreiche Ideengeberinnen hatte, dabei jedoch niemals den einmal gefundenen Soundpfad verlässt. Ohne erkennbare Mühe schichtet das Quintett kraftvolle Riffs und psychedelische Tonfolgen übereinander und lässt Pop, Grunge, Doom, Heavy Psych, Shoegaze und Folk von Song zu Song mal mehr, mal weniger in den Vordergrund treten.

Dass diese nicht ganz unerhebliche Zahl an einfließenden Genres sowie die Beteiligung der gesamten Besetzung am Songwriting nicht im Gegensatz zur oben aufgestellten Behauptung steht, spürt man vor allem über die volle Distanz von "Veils of winter". Der häufig wie aus weiter Ferne anhebende Gesang von Alison Faris und Laura Hopkins lässt sich in der Regel von den druckvollen Gitarren in den Mittelpunkt holen, ohne dass er dabei die Hauptrolle übernimmt. Denn auch die variantenreichen Riffs, die nicht nur das eröffnende "Seeping secrets" einrahmen oder das bedrohlich startende "Motorcycle" verzieren, die zuweilen erstaunlichen, behutsam angepoppten Synthie-Flächen oder die sehr konsequent arbeitenden Drums sind mehr als Stichwortgeber oder Zweitbesetzung. Wenn etwa die langsamen Gitarrenfiguren "The protector" in schönster Doom-Folk-Manier das Geleit anbieten, gehen Blackwater Holylight leidenschaftlich mit allem, was sie haben, Hand in Hand auf den Abgrund zu, wechseln auf einmal den Takt und kehren doch wieder beseelt zum Ausgangspunkt zurück.

Herrlich leiernd führt ein berstendes Zwischenspiel noch einmal eine Etage tiefer und führt ähnlich gemessenen Schrittes direkt zum noch verschleppteren "Daylight". Der Kontrast zwischen den zumeist verstiegenen Stimmfarben und der zupackenden, dröhnenden Begleitung wirkt hier merklich weicher als zuvor, auch die Töne werden länger und länger, die Stimmung drückender. Den fünf Musikerinnen, die dem Hörer allesamt eher friedfertig und sanftmütig entgegenblicken, hätte man eigentlich keine solchen instrumentalen Ausbrüche zugetraut, doch lässt "Veils of winter" zu keiner Zeit Zweifel daran aufkommen, dass hier mit Ernst, aber vor allem auch mit ungeheurer Wirkungsfreude musiziert wird. War "Daylight" entgegengesetzt zum Titel ein eher düsterer Geselle, folgt mit "Death realms" sein kompletter Widerpart: fließender Shoegaze, der durch den beseelten Gesang und die flirrenden Gitarren einem tröstlichen Tagtraum nahe kommt.

Es sind wenige Brüche im Verlauf von "Veils of winter" auszumachen, die Spannung, die sich im Album festsetzt, stammt deutlich von der kontrastierenden Wirkung zwischen den tieftönenden Instrumenten und den gedoppelten Stimmen der beiden Hauptsängerinnen. Und dass diese Spannung sich so im Ohr der Zuhörer festsetzt und zum erneuten Hördurchgang einlädt, hebt das Zweitwerk dieser vielversprechenden Band vom klanglichen Orkus hinauf zum Mount Doom ...

(Carl Ackfeld)

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Highlights

  • Motorcycle
  • The protector

Tracklist

  1. Seeping secrets
  2. Motorcycle
  3. The protector
  4. Daylight
  5. Death realms
  6. Spiders
  7. Lullaby
  8. Moonlit

Gesamtspielzeit: 40:53 min.

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Armin

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Registriert seit 08.01.2012

2019-11-14 21:21:27 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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