Hemlock Ernst & Kenny Segal - Back at the house

Hemlock Ernst & Kenny Segal- Back at the house

Ruby Yacht
VÖ: 25.10.2019

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

White men can jump

Dinge, die nicht unbedingt immer eine gute Idee sind?

Auf einem Treppengeländer nach unten rutschen.
Eine Bierflasche mit den Zähnen öffnen.
Ein Rap-Album aufnehmen, obwohl man eigentlich kein Rapper ist.

Und während wir noch unsere blauen Flecken betrachten und einen Termin beim Zahnarzt vereinbaren, schauen wir uns den letzten Punkt doch glatt genauer an. Um das klarzustellen: Wir reden hier nicht von amüsanten Späßen wie im Fall von HipHop-Harry. Erstaunlich oft sind es die weißen Frontmänner irgendwelcher Indie-Bands, die sich am Sprechgesang versuchen und es lieber hätten lassen sollen. Klar, manchmal kann das halbwegs spannend sein. Aber eben auch richtig, richtig schlimm. Und jetzt kommt mit Samuel T. Herring das nächste Weißbrot um die Ecke und meint einen auf flowende Hose zu machen. Aber wie sagt der Gute es im bluesigen "Messy" selbst am besten – "And everybody need to hate somethin' / And everybody wanna say somethin'."

Dinge, die man womöglich zu schnell abgeschrieben hat?

Denn der wahrlich nicht nur, aber auch als irrer Tänzer berüchtigte Sänger von Future Islands macht eine zugegeben überraschend gute Figur als MC. Dessen Nebenprojekt unter dem Pseudonym Hemlock Ernst – dem vielleicht unpassendsten Namen für eine Rapper-Karriere! – hat ein gemeinsames Album mit Produzent Kenny Segal alias Syndakit hervorgebracht, das im Studio von R.A.P. Ferreira (ehemals Milo) aufgenommen wurde. Und "Back at the house" weiß bereits in den ersten Momenten wirklich zu überzeugen: Da startet der Opener "North to south" mit einem waschechten "Rapper's delight"-Zitat und groovt sich alsbald gemütlich aus der Schublade heraus, in die man Herring eigentlich gerade noch gesteckt hatte. Da vermengt "Addicted youth" Neunzigerjahre-Rap mit Pop-Anleihen. Da poltert "Bless the fire" mit Zeilen wie "I was born spitting and died flying / You don't think I know what I'm doing / I know what I'm doing" oder auch "I'm not proving myself, I'm just doing myself / You just don't know me" gegen alle Skeptiker.

Dinge, die man vorher einfach nicht gewusst hat?

Tatsächlich hat Herring gerappt, bevor er zu singen anfing: Als Teenager in seiner Heimat North Carolina traten er und seine Kumpels regelmäßig in kleinen Battles gegeneinander an. Es erklärt zumindest die scheinbare Mühelosigkeit, mit der er seine kleinen Predigten über Segals Beats legt, den entspannten Flow, das Gefühl für Geschwindigkeitswechsel. Das Beste an "Back at the house" neben dem grandiosen Titeltrack ist aber ohnehin die Entspanntheit: Herring will gar nicht der geilste Rapper mit den dicksten Eiern sein, will gar nicht das HipHop-Album des Jahres raushauen, will sich gar nicht beweisen. Sondern Spaß an der Sache haben. Dementsprechend bieten die Songs den Soundtrack für verschiedene Alltagssituationen: "Down" als Begleiter für einen lauen Spätsommerabend in der Großstadt, "Stone soup" als Einstimmung für den kommenden Tag, während man im Auto / im Bus / im Zug auf dem Weg zur Arbeit ist. "Less unsettled" als Kumpel auf dem Rückweg in den Morgenstunden von einer Party mit Freunden.

Dinge, die definitiv eine gute Idee sind?

Dieser Platte unvoreingenommen und vorurteilsbefreit eine Chance zu geben. Diese Idee ist tatsächlich fast so gut wie das Album selbst.

(Jennifer Depner)

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Highlights

  • North to south
  • Addicted youth
  • Back at the house

Tracklist

  1. North to south
  2. Messy
  3. Bless the fire
  4. Slabs of the sunburnt west
  5. Addicted youth
  6. Down
  7. The one
  8. Jargonne
  9. Stone soup
  10. Back at the house
  11. Less unsettled

Gesamtspielzeit: 39:22 min.

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Armin

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Registriert seit 08.01.2012

2019-11-08 11:28:29 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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