Man & The Echo - Men of the moment

Man & The Echo- Men of the moment

Still Nil Nil / Rough Trade
VÖ: 25.10.2019

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Mann unter Feuer

Ja, wie sind sie eigentlich, die Männer unserer Zeit? Sich ihrer wohl immer noch vorhandenen Privilegien bewusst? Haben sie womöglich etwas aus der Metoo-Debatte mitgenommen? Sind sie gar Feministen? Oder geht ihnen der ganze Sexismus-Kram gehörig auf den Geist, weil sie am Ende ein bisschen Macht einbüßen könnten? Sind sie Donald Trump oder Boris Johnson? Leben sie nachhaltig oder ist ihnen die Umwelt egal? Die Antwort: Männer sind all das und noch viel mehr, manchmal auch in einer Person. Und klar ist: Die Geschlechterrollen sind, wie eigentlich alles, im Wandel. Man & The Echo widmen den "Men of the moment" nun ein ganzes Album, das in seinen besten Momenten klingt, als würde Franz-Ferdinand-Sänger Alex Kapranos über nie veröffentlichte Instrumentals der Talking Heads singen.

Mitte der 2000er Jahre wären Man & The Echo vermutlich der heiße Scheiß gewesen, jetzt bleibt ihnen nur der Geheimtipp-Status, den sich die einfallsreichen Briten allemal verdient haben. In "A capable man" nimmt sich die Band die Heuchlerei mancher Herren vor: "If my son was gay or brought a black girl home / I would just be fine with it / In fact that absolutely goes without saying / But I should point out the isn't and hasn't." Klar, das angeblich so tolerante lyrische Ich hat auch für "Leave" gestimmt. Obwohl Sänger Gaz sehr geschwätzig ist, bleibt zwischendrin immer mal wieder Raum für einen launigen Synthie- oder Piano-Einwurf, und in den meisten Stücken gelingt der Band sogar eine mitreißende Hook. In "On safari" verhandelt Gaz über einem tanzbaren Beat unser Reiseverhalten und schlüpft in die Rolle eines arroganten Touristen: "I'm on safari in a new location / I'm integrating with the native population / With a better feel of my superior education." Die Band ist auf jeden Fall das, was man heutzutage als "woke" bezeichnet, also selbstreflektiert und aufmerksam.

Lediglich in der zweiten Hälfte verliert die Band etwas an Schneid, agiert aber weiterhin auf hohem Niveau. "Filthy Jack Pye" belegt zwar, dass Gaz sowohl Elvis-Imitator sein könnte, als auch Sänger einer Achtzigerjahre-Synth-Pop-Band. Der schleppende Song fällt von den sprudelnden Uptempo-Stücken aber etwas ab. Der Pop-Hit der Platte ist "PR masterpiece", das mit einer wahnsinnig einprägsamen Synthie-Melodie überzeugt und von den Werbeschwindeln erzählt, die uns täglich aufgetischt werden – und die wir meistens auch gerne schlucken. Selbst wenn die Songs liebevoll komponiert, instrumentiert und produziert sind, ist "Men of the moment" vor allem ein Text-Album und wird am besten mit voller Konzentration konsumiert, da einem sonst das Spannendste – die geistreichen Texte – entgehen. In "White culture" werden schnell mal die Namen zahlreicher Sexualstraftäter und Mörder aufgezählt: "Jeffrey Dahmer / John Wayne Gacey / Mara Hindley / Ian Brady / Harrold Shipman / Beverly Alley / Ted Bundy." So können sie eben leider traurigerweise auch sein, die modernen, weißen Männer: böse und kriminell.

(Simon Conrads)

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Highlights

  • A capable man
  • PR masterpiece
  • On safari

Tracklist

  1. Life on an island
  2. A capable man
  3. Give me the pomp
  4. An incident in Partington
  5. PR masterpiece
  6. Of course
  7. On safari
  8. Shit spreads
  9. Toast
  10. Filthy Jack Pye
  11. The girl from Hamburg
  12. White culture

Gesamtspielzeit: 39:24 min.

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Armin

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2019-10-30 20:26:20 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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